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Cannabis Legalisierung

Alkohol oder Cannabis – Was ist schädlicher? Kiffen und Trinken im Vergleich

  • VonLukas Zigo
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Alkohol ist Volksdroge mit jahrhundertealter Tradition. Cannabis ist in vielen Ländern auf dem Vormarsch. Welche Risiken haben die Substanzen?

Frankfurt – Alkohol ist seit je her die Volks- und Gesellschaftsdroge* in Deutschland. Nun will die Ampel-Koalition* eine Substanz mit ähnlicher gesellschaftlicher Anwendung legalisieren – Cannabis*. In den USA* hat der Cannabis-Konsum bereits weitgehend Einzug* in alle Schichten der Gesellschaft erhalten, in Deutschland ist es nach wie vor eine illegale Substanz. Doch was sind die Risiken, die der Konsum mit sich bringt und wie gestalten sich diese im Vergleich zu etablierten Drogen wie Alkohol.

Ein oft angeführtes Argument ist, dass Marihuana oder Haschisch doch weniger gesundheitsschädlich sei als Alkohol. Die Ampel-Parteien planen eine kontrollierte Abgabe an Erwachsene*, dadurch werde „die Qualität kontrolliert, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet“, heißt es im Koalitionsvertrag. SPD*, Grüne* und FDP* wollen im Zuge dessen Regelungen für Marketing und Sponsoring für Alkohol, Nikotin und Cannabis verschärfen. Doch wie schätzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Gefahren ein?

Eine Person hält einen Joint vor zwei Bierflaschen in der Hand. Die neue Ampelkoalition plant die kontrollierte Freigabe von Cannabis an Erwachsene.

Cannabis Legalisierung: Alkohol oder Cannabis? – Wo liegen die Unterschiede und Gefahren?

Alkohol ist ein Zellgift, das schnell über die Blutbahn in den gesamten Körper gelangt. Alkohol verändert die Informationsübertragung im Gehirn, bei größeren Mengen kann es zu einer Alkoholvergiftung kommen. Die Hanfpflanze Cannabis Sativa enthält mehr als 60 Cannabinoide, von denen das THC als stärkste psychoaktive Substanz eingestuft wird. Im ganzen Körper gibt es Rezeptoren, an denen körpereigene Cannabinoide, aber auch THC andocken. Generell sind die Effekte von Alkohol besser erforscht, bei Cannabis kommt die Schwierigkeit hinzu, dass der THC-Gehalt der Pflanzen höchst unterschiedlich sein kann.

Akute negative Folgen: Beide Substanzen wirken sehr schnell auf das Gehirn. Gedächtnisleistung und Konzentration schwinden. Alkoholeinfluss ist eine der häufigsten Unfallursachen im Straßenverkehr, auch Cannabis beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit. Alkohol steigert bei manchen Menschen die Aggressivität – fast jede dritte Gewalttat geschieht unter Alkoholeinfluss. Cannabis hingegen wirkt zwar bei vielen entspannend und beruhigend, es kann jedoch unter Umständen auch Angst und Panik auslösen.

Alkohol und Cannabis: Was sind die langfristigen Schäden des Konsums?

Wer Alkohol zu häufig trinkt, schädigt seine Gesundheit und senkt seine Lebenserwartung. Bei dem Thema denken viele nur an Alkoholabhängigkeit. Es seien aber mehr als 200 Krankheiten bekannt, die durch Alkoholkonsum begünstigt oder direkt verursacht werden, sagt Ulrich John, Sozialmediziner von der Universitätsmedizin Greifswald. Zu diesen zählen viele Leber-, Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Den Mythos, dass Alkohol in Maßen einen generell positiven Effekt hat, haben jüngste Studien widerlegt. So steigt zum Beispiel das Brustkrebsrisiko schon bei drei bis sechs Gläsern Alkohol pro Woche.

Bei Cannabis gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang mit Erkrankungen wie Depression oder Hodenkrebs. Mehrere Studien belegen, dass das Psychose-Risiko steigt – insbesondere wenn früh mit dem Kiffen begonnen wird. Der bekannte Streamer MontanaBlack hat sich ebenfalls zum Thema Cannabis-Legalisierung geäußert – und eckt mit seiner Aussage bei vielen Fans an.*

Todesfälle: Wie sehen die schlimmsten Folgen des Alkohol- und Cannabis-Konsums aus?

Im Jahr 2016 waren, nach Schätzungen des Suchtforschers Jakob Manthey, etwa 5 Prozent aller registrierten Todesfälle – also rund 44.000 – auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen. Vergleichbare Schätzungen für die gesundheitlichen Auswirkungen von Cannabis liegen für Deutschland nicht vor. Jedoch sei plausibel anzunehmen, dass auch Todesfälle durch Cannabis-Konsum zu beklagen sind, wenn auch nicht auf direktem Wege. Mehr als 80 Prozent der Konsumenten rauchen Cannabis zusammen mit Tabak, wobei sie sich einem erhöhten Krebsrisiko aussetzen.

Kernthema Jugendgefährdung: Wie wirkt sich Cannabis und Alkohol auf die Jugend aus?

Ein weiterer Punkt ist die Jugendgefährdung, die von den jeweiligen Substanzen ausgeht. Alkohol- sowie Cannabis-Konsum im Jugendalter schädigt die Gehirnentwicklung. Rainer Thomasius, Kinder- und Jugendpsychiater, warnt vor Hirnschädigungen selbst durch gelegentlichen Cannabis-Konsum. Auch mit 18 Jahren sei das Gehirn noch nicht ausgereift, sagt der Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE. Bei täglichem Cannabis-Konsum, je nach THC-Gehalt, steigt laut einer Studie das Risiko, an einer Psychose zu erkranken um das Drei- bis Fünffache. Notwendig seien hier Psychose-Früherkennungszentren, sagt der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité, Andreas Heinz. „Wenn eine Gesellschaft sich eine Droge leistet, muss es sich um die kümmern, die unter die Räder kommen.“

Anders als früher angenommen, ist die Gehirnentwicklung erst mit 25 Jahren abgeschlossen. In dieser Zeit kann Alkohol schon in kleinen Mengen erheblichen Schaden anrichten. Je früher Jugendliche anfangen, regelmäßig Alkohol zu konsumieren, desto früher gewöhnen sie sich daran. Dies kann eine spätere Alkoholabhängigkeit begünstigen. Alkoholrausch in jungen Jahren ist auch ein großes gesundheitliches Risiko, Organe können geschädigt, vor allem aber kann die Gehirnreifung beeinträchtigt werden. Auch Langzeitschäden sind nicht auszuschließen, so die BZgA. Die Gefahr, mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus zu landen, ist im Jugendalter größer. Folgeerkrankungen wie eine Fettleber sind bereits im Alter von 40, 50 Jahren ein Problem bei Menschen, die schon früh Alkohol konsumierten.

Suchtpotential: Cannabis und Alkohol im Vergleich

In Deutschland konsumieren 2018 6,7 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Dies geht aus dem Epidemiologischen Suchsurvey 2018 hervor. Etwa 1,6 Millionen Menschen dieser Altersgruppe gelten als alkoholabhängig. Der gleichen Untersuchung zufolge haben 3,7 Millionen Menschen mindestens einmal innerhalb der letzten zwölf Monate Cannabis konsumiert, 309.000 Personen seien abhängig von Cannabis. Währen Alkohol- und Tabakkonsum bei jungen Menschen zurückgeht, wird das Kiffen laut Befragungen immer beliebter.

Medizinerinnen und Mediziner schätzen das Suchtpotenzial der beiden Substanzen ähnlich ein. Beim Alkoholentzug zeigten sich allerdings im Gegensatz zu Cannabis besonders schwerwiegende körperliche Entzugserscheinungen. (Lukas Zigo/dpa/cs) *fr.de und ingame.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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