Lebhafte Debatte: Nestlé-Manager Achim Drewes, FR-Redakteur Tobias Schwab und GIZ-Experte Gerd Fleischer (v.l.).
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Lebhafte Debatte: Nestlé-Manager Achim Drewes, FR-Redakteur Tobias Schwab und GIZ-Experte Gerd Fleischer (v.l.).

Forum Entwicklung

Verantwortung bis aufs Feld

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Kann das Weihnachtsgeschäft für die Käufer und den Einzelhandel nicht nur ein frohes Fest, sondern auch ein "faires Fest" sein? In der Debatte beim "Forum Entwicklung" geht es exemplarisch um die Herstellung von Kakao.

Das „Fest der Liebe“ steht bevor. Batterien von Schoko-Weihnachtsmännern in den Supermärkten künden davon. Die Adventszeit beginnt, ergo das Weihnachtsgeschäft. Süßer die Kassen nie klingeln im Jahr. Kann es nicht nur für die Käufer und den Einzelhandel ein frohes Fest, sondern auch ein „faires Fest“ sein? Nämlich für die Produzenten der Waren und Rohstoffe. Das fragte FR-Redakteur Tobias Schwab am Montagabend bei einer weiteren Folge der Reihe „Forum Entwicklung“.

Beim Verkauf von Waren mit Fairtrade-Siegel ist gerade in Deutschland noch Luft nach oben. 2012 gaben die Verbraucher dafür nur gut eine halbe Milliarden Euro aus, damit hat sich der Umsatz in den letzten zehn Jahren zwar mehr als verzehnfacht. Pro Kopf sind es allerdings im Schnitt nur rund 6,50 Euro im Jahr, in Großbritannien dagegen 30 Euro und in der Schweiz sogar 40 Euro.

Produktion von Kakao

Der Verbraucher hat es in der Hand – zumal die Informationslage zu den Produktionsbedingungen vieler Waren immer besser wird und auch das Bewusstsein der Unternehmen wächst, dass sie hier in der Verantwortung stehen. Das zeigte die Diskussionsrunde „Faires Fest – für alle?“, die die Frankfurter Rundschau zusammen mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Infowelle des Hessischen Rundfunks (hr-iNFO) veranstaltete. Highlight dabei: Der weltgrößte Hersteller von Lebensmitteln, der Schweizer Multi Nestlé, in der Vergangenheit oft wegen seiner Praktiken in Entwicklungsländern kritisiert, stellte sich den kritischen Fragen der Besucher. In der Debatte ging es exemplarisch um die Produktion des Rohstoffs Kakao.

Weltweit leben 40 bis 50 Millionen Menschen vom Kakao-Anbau, die meisten in Zentral- und Westafrika, in Ländern wie Elfenbeinküste und Ghana. Über 90 Prozent sind Kleinbauern. Die Mehrheit von ihnen liegt unter der Armutsgrenze von zwei US-Dollar pro Tag, wie GIZ-Experte Gerd Fleischer beim „Forum Entwicklung“ berichtete, zu dem rund 130 Interessenten in das Frankfurter „Haus am Dom“ gekommen waren.

Ein erstes Ziel sei es, das Einkommen auf 2,50 Dollar anzuheben. „Das ist zwar immer noch Armut“, räumte Fleischer ein, ermögliche aber schon ein besseres Leben. Kleinbauern, die ihr Produkt nachhaltig anbauen, erzielen höhere Preise – sie liegen rund zehn Prozent über dem Weltmarktpreis. Es gibt drei größere Organisationen, die sie beraten, ihnen verbesserte Anbaumethoden vermitteln und transparente Handelsketten aufbauen, Fair Trade, Rainforest Alliance und Utz Certified.

Nestlé verspricht Transparenz

Mehr Einkommen wäre auch ein Hebel, die beim Kakaoanbau weit verbreitete Kinderarbeit zurückzudrängen. Die hat nämlich zugenommen, weil der Kakaopreis sich seit den 1980er Jahren in etwa halbiert hat und die Bauern keine Erntehelfer mehr bezahlen können. Auch Nestlé sah sich 2010 heftiger Kritik ausgesetzt, weil der Konzern angeblich Kinderarbeit bei dem von ihm eingekauften Kakao toleriere.

Der Nestlé-Konzern verarbeitet für seine Schokoprodukte wie Kitkat, After Eight oder Choco-Crossies etwa zehn Prozent der Welt-Kakaoernte. Das Unternehmen arbeite daran, den Anteil zertifizierten Kakaos weiter zu erhöhen, sagte Manager Achim Drewes von Nestlé Deutschland, derzeit liege er bei den hierzulande verkauften Produkten bei 60 Prozent. Nestlé habe ein eigenes „Kakao-Programm“ aufgelegt, um die Bauern zu schulen und ihnen höhere Erträge zu ermöglichen. Man wolle eine transparente Lieferkette vom Anbau bis zu verkauften Produkt. „Wir haben eine Verantwortung bis aufs Feld“, sagte Drewes.

Der Konzern lasse gerade unabhängig untersuchen, wie das Förderprogramm für die Bauern wirkt – und was weiter zu verbessern sei. „Wir gehen offen damit um“, versprach der Manager. In dem Unternehmen habe sich diesbezüglich viel getan. Es sei heute „anders als vor zehn Jahren“. So arbeite Nestlé an einer Datenbank zu seinen Produkten, zur Herkunft der Rohstoffe, Umweltaspekten und Gesundheitsfragen, die die Kunden im Internet einsehen können sollen.

Es folgte im „Haus am Dom“ noch eine lebhafte Debatte über das „faire Wirtschaften“. Am deutlichsten blieb ein Satz von Nestlé-Manager Achim Drewes im Ohr: „Als Lebensmittel-Hersteller kannst du nichts tun, was den Wünsche der Kunden widerspricht.“

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