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Es kann sich lohnen, Versicherungsverträge regelmäßig zu überprüfen.

Versicherungen

Veraltete Verträge passen oft nicht mehr

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Haftpflichtversicherungen sollten regelmäßig der eigenen Lebenssituation angepasst werden.

Fällt ein Blumentopf beim Aufräumen vom Balkon und trifft einen Passanten, kann das für das Unfallopfer einen lebenslangen Schaden bedeuten. Auch der Versuch, den Computer des Freundes zu reparieren, endet manchmal mit der Übertragung von Viren. Auch könnte es passieren, dass die demenzkranke Mutter versehentlich ein wertvolles Kunstwerk beschädigt. In einem anderen Fall stürzt eine Drohne in ein mit Photovoltaik-Zellen bedecktes Dach. Für all diese Fälle bieten manche privaten Haftpflichtversicherungen heutzutage Schutz. Fälle, die vor Jahren noch unbekannt waren, und bei denen der Schaden in die Millionen gehen kann. Versicherungssummen bis zu 50 Millionen Euro sind deshalb inzwischen möglich.

Ob der eigene Vertrag da mithalten kann, sollte man prüfen. „Es empfiehlt sich, den Vertrag alle paar Jahre in die Hand zu nehmen und zu fragen: Passt das zu meiner Lebenssituation“, sagt Christian Biernoth, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Michael Nischalke, Projektleiter Versicherungen bei der Stiftung Warentest, geht noch weiter: „Bei Verträgen, die fünf Jahre oder älter sind, lohnt es sich meist, über einen Wechsel nachzudenken und auf ein aktuelles Angebot zurückzugreifen.“ Trotz weitaus umfangreicherer Leistungen seien die neuen Verträge zudem gar nicht oder nur unwesentlich teurer.

Höhere Summe: Die wichtigste Änderung der vergangenen Jahre ist die Erhöhung der Versicherungssumme. Sind 50 Millionen Euro doch eher die Ausnahme, gelten zehn Millionen Euro mittlerweile als Standard. „Fast 40 Prozent aller Verträge in der privaten Haftpflichtversicherung wiesen 2016 eine Versicherungssumme über zehn Millionen Euro auf“, erklärt ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). 

Die größten Personenschäden in der Haftpflichtversicherung bewegen sich in Deutschland im Bereich von fünf bis zehn Millionen Euro im Privatkundengeschäft. Bei einer Versicherungssumme unter zehn Millionen Euro könne also die Situation eintreten, dass diese im Schadensfall sogar überschritten werde. Ein privater Haftpflichtversicherungsvertrag mit einer Versicherungssumme unter zehn Millionen Euro sollte deshalb ersetzt werden.

Sinnvolle Leistungen: Orientierung im Leistungsdschungel kann der sogenannte Grundschutz der Stiftung Warentest bieten. Es handelt sich dabei um einen Katalog an Leistungen, die die wesentlichen Haftungsfälle abdecken und – nach Auffassung der Stiftung – in Verträgen enthalten sein sollten. Zu den acht Bereichen zählen unter anderem sogenannte Allmählichkeitsschäden. Dazu gehören Schäden in Wohnungen und Häusern, die durch Feuchtigkeit, Ruß, Rauch oder Staub im Laufe der Zeit entstehen. Das kann passieren, wenn eine Leitung versehentlich angebohrt wird, Wasser nach und nach austritt und eine Decke feucht wird.

Andere Grundschutzleistungen betreffen Schäden an fremden Computern wie zum Beispiel die unbeabsichtigte Übertragung von Viren, oder Schäden, die durch das Hüten fremder Hunde entstanden sind. „Wenn ein Hund ein Kind beißt, kann auch der Hundesitter vom Geschädigten in Anspruch genommen werden“, sagt Nischalke.

Drohnen sind ein Thema 

Drohnen sind ein weiteres wichtiges Thema in neuen Verträgen. „Hobbypiloten brauchen eine spezielle Haftpflichtversicherung für ihre Drohne“, erklärt der GDV-Sprecher. Manche Versicherer schlössen den Drohnen-Schutz auch in die private Haftpflichtversicherung ein. Hierbei müsse aber genau hingeguckt werden. Entscheidend ist häufig das Gewicht. „Wer eine Fünf-Kilo-Drohne fliegt, aber nur eine Haftpflicht für 250-Gramm-Fluggeräte abgeschlossen hat, steht nach einem Crash ohne Versicherungsschutz da“, so der GDV-Sprecher. Deshalb sollte die Absicherung mit dem Drohnenmodell in Einklang gebracht werden.

Bei Forderungsausfall: Ebenfalls neu in vielen Verträgen ist die sogenannte Forderungsausfalldeckung. Sie tritt ein, wenn jemandem ein Schaden zugefügt wird, die Person, die schädigt, jedoch keine Haftpflichtversicherung hat. „Die Forderungsausfalldeckung ist eine gute Sache. Man muss aber eins im Hinterkopf behalten: Ich muss den Schädiger zuvor verklagt und eine erfolglose Zwangsvollstreckung durchgeführt haben“, sagt Biernoth von der Verbraucherzentrale Hamburg. Besteht zum Beispiel Anspruch auf 10.000 Euro Schadensersatz und der Schädiger hat keine Versicherung, so muss der Anspruchsberechtigte erst versuchen, sein Recht vor Gericht durchzusetzen und zwar in allen Instanzen bis zur gerichtlichen Vollstreckung, bevor die Forderungsausfalldeckung gezahlt wird. „Deshalb wird sie erst ab einer gewissen Schadenssumme in Anspruch genommen“, sagt Biernoth.

Der Verbraucherschützer hält auch Leistungen für Mieter und für Hausbesitzer für sinnvoll. „Verliere ich Haustürschlüssel als Mieter und eine ganze Schließanlage muss ersetzt werden, kann eine Versicherung für solche Fälle sinnvoll sein. Wenn ich Eigenheimbesitzer bin und ich habe einen Öltank im Keller, muss ich gucken, dass dieser mitversichert ist“, sagt Biernoth. Hierbei sei auch auf die Größe des Tanks zu achten, die abgedeckt sein muss.

Generell sind Verträge für private Haftpflichtversicherung individuell, betonen die Experten. Ob diese den eigenen Anforderungen entsprechen, müsse jeder Versicherungsnehmer selbst prüfen. Die Verbraucherzentralen können hierbei unterstützen. „Auch im Internet kann ich mich über die Leistungen einzelner Anbieter informieren“, fügt Biernoth hinzu. 

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