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Gefiel der Milchbranche nicht: „Es ist wie Milch, aber für Menschen gemacht“, warb der Hersteller Oatly 2019 für seinen Drink.
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Gefiel der Milchbranche nicht: „Es ist wie Milch, aber für Menschen gemacht“, warb der Hersteller Oatly 2019 für seinen Drink.

Lebensmittel

Vegane Milch-Alternativen: „Sahniger Geschmack“ bald tabu?

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Retourkutsche wegen zu großen Erfolgs: Die Milchindustrie fordert, dass die EU die Vermarktung veganer Produkte stärker reguliert. Hersteller wie Oatly dürften dann zum Beispiel den CO2-Ausstoß ihrer Produkte nicht mehr mit dem von Milch vergleichen.

  • Werden vegane Milch-Alternativen bald stärker reguliert?
  • Die Milchindustrie hat sich mit einer solchen Forderung an die EU gewandt.
  • Vegane Milch-Alternativen boomen.

Brüssel - Pflanzliche Alternativen zu Milch und Milchprodukten liegen im Trend. Jeder Supermarkt und Discounter führt „Haferdrinks“ oder „Sojadrinks“, Biomärkte sowieso, hier gibt es zudem eine breite Palette der als klimafreundlich beworbenen Alternativen für Joghurt oder Käse. Der Milchindustrie scheint diese Entwicklung gar nicht zu gefallen. Offenbar auch auf ihr Betreiben hin will die EU nun die Vorschriften zur Kennzeichnung der alternativen Produkte verschärfen. Hinweise wie „frei von Milch“ oder „sahniger Geschmack“ wären dann untersagt. Die Hersteller wehren sich.

Schon seit 2017 ist eine Bezeichnung wie „Hafermilch“ EU-weit tabu. Auch für „Joghurt“ oder „Käse“ auf pflanzlicher Basis, etwa aus Lupine, Soja oder Hanf, mussten die Hersteller sich andere Bezeichnungen einfallen lassen. Grund ist eine EU-Verordnung von 2013, die festlegt, dass die Namen von Milchprodukten nur für Produkte verwendet werden dürfen, die tatsächlich mit Milch hergestellt sind. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs bestätigte diese Regelung 2017.

Vegane Milch-Alternativen: Milchindustrie fordert Neuregelung

Doch der Konflikt war damit nicht gelöst. Das EU-Parlament verschärfte die Vorschriften im vorigen Oktober im „Abänderungsantrag 171“ zu der EU-Verordnung noch einmal, wenn auch mit knapper Mehrheit. Danach soll Herstellern untersagt werden, auf den Verpackungen und in der Werbung überhaupt auf „echte“ Milchprodukte zu verweisen, denen die Alternativen nachempfunden sind. Möglicherweise wären auch Öko-Vergleiche mit dem Original auf der Verpackung nicht mehr statthaft. Die Hersteller der pflanzlichen Drinks zum Beispiel werben mit dem deutlich kleineren CO2-Fußabdruck im Vergleich zu Kuhmilch. Diese verursacht nach Studien pro Liter 900 bis 1300 Gramm CO2-Äquivalent, die Alternativen liegen bei einem Viertel bis einem Drittel davon.

Die Milchindustrie hält die Neuregelung für notwendig, um zu verhindern, dass die Verbraucher:innen in die Irre geführt werden. Der Europäische Milchindustrieverband EDA argumentierte, die Alternativ-Hersteller versuchten, „die Grenzen zwischen Milchprodukten und sogenannten pflanzenbasierten Alternativen zu verwischen“. Die Möglichkeit der Bürger:innen sei eingeschränkt, „bei ihren täglichen Einkäufen die Produkte auszuwählen, die sie wirklich wollen“.

Milch-Alternativen boomen

Die Hersteller der Alternativprodukte und ihr Lobbyverband Proveg International versuchen nun, die Umsetzung von „171“ mit Petitionen noch zu verhindern. EU-Kommission und Mitgliedsstaaten müssen der Verschärfung nämlich erst noch zustimmen, bevor sie in Kraft treten kann. Die Hersteller kritisieren, die neuen Regelungen machten den Umstieg auf vegane Produkte unnötig kompliziert - dabei sei es doch Teil der „Farm to Fork“-Strategie der EU, den Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln zu fördern.

Die Vegan-Lobby weist zudem das Argument zurück, die Menschen müssten mit „171“ vor Fehlkäufen am Supermarktregal geschützt werden. Der schwedische Haferdrink-Hersteller Oatly verweist auf eine Umfrage, die er in Deutschland gemacht hat. Danach haben nur fünf Prozent der Verbraucher:innen schon einmal versehentlich ein veganes Produkt gekauft, und nur 2,5 Prozent haben sich daran gestört. Oatly führt dazu aktuell eine Öffentlichkeitskampagne durch. In einem ironischen Online-Test „Are you stupid?“ sollen Kund:innen angeben, ob sie die Produkte unterscheiden können oder nicht.

Wie sehr Milch-Alternativen boomen, zeigt derweil das Berliner Foodtech-Start-up Vly mit seinem Drink auf Erbsen-Basis. Binnen eines Jahres hat man laut Mitteilung über eine Million Liter verkauft. Inzwischen gebe es das Produkt in 6000 Supermärkten, demnächst auch bei Discountern. (Joachim Wille)

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