+
Der Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko reicht bis in den Pazifik hinein.

US-Grenzmauer zu Mexiko

Was bringt die Grenzmauer den Amerikanern?

  • schließen

Gewinnen Arbeiter in den USA, wenn eine Grenzmauer Mexikaner aussperrt? US-Forscher haben einmal nachgerechnet.

Die Mauer muss her: US-Präsident Donald Trump hat es sich offensichtlich in den Kopf gesetzt, die Grenze zu Mexiko mehr oder weniger lückenlos zu befestigen, um den illegalen Grenzübertritt von Menschen in die USA zu unterbinden. Dafür will Trump fünf Milliarden Dollar in einen Zwischen-Staatshaushalt einstellen, was die Demokratische Partei ablehnt, weswegen der Zwischenetat bislang nicht verabschiedet werden konnte. Was den bislang längsten Shutdown der US-Geschichte zur Folge hat.

Umstritten ist nicht nur die Frage, ob eine solche Mauer „funktionieren“ würde. Sondern auch, welche wirtschaftlichen Folgen sie hätte. Lohnt sich die Mauer? Nicht für die amerikanischen Arbeitnehmer, vermuten drei US-Ökonomen, die nachgerechnet haben.

Die Wissenschaftler Treb Allen, Cauê de Castro Dobbin und Melanie Morten von der Universität Stanford und dem Dartmouth College haben die Wirkung verstärkter Grenzbefestigungen zu Mexiko in der Vergangenheit untersucht. Dem Secure Fence Act folgte zwischen 2007 und 2010 ein Neubau und eine Verstärkung der südlichen Grenzanlagen in Kalifornien, Arizona, New Mexico und Texas über 550 Meilen.

Die Ökonomen analysierten vertrauliche Daten über die Wanderungsbewegungen von nicht autorisierten mexikanischen Arbeitnehmern vor und nach der Verstärkung der Grenzen. Tatsächlich zeigen die Daten einen Rückgang der illegalen Migration, der allerdings nicht außerordentlich hoch ausfällt – das unterstützt die Position der Demokraten im US-Kongress, die den Bau der Trumpschen Mauer für wenig effektiv halten.

Steigt durch eine Mauer das Lohnniveau?

Die ökonomische Hoffnung vieler Amerikaner ist, dass eine Mauer zu Mexiko die illegale Migration zurückdrängt und dadurch das Lohnniveau für sie steigt. Denn illegale Migranten aus Mexiko erhöhen das Arbeitsangebot für die US-Unternehmen, die daher die Löhne drücken können.

Welche Folgen hatten nun die neuen Grenzanlagen für die Einkommen der mexikanischen und US-amerikanischen Lohnabhängigen in den Vereinigten Staaten? Nach Berechnungen der US-Ökonomen gehörten die mexikanischen Migranten zu den Verlierern. Zwar senkte die neue Grenze das Angebot an Mexikanern auf dem US-Arbeitsmarkt, was ihren Lohn leicht erhöhte. Dies wurde jedoch mehr als ausgeglichen durch die erhöhten Kosten der Migration. Das knappere Arbeitsangebot erhöhte zwar ebenfalls leicht das Lohnniveau der gering qualifizierten US-Arbeitnehmer. Gleichzeitig jedoch übernahmen viele von ihnen schlecht bezahlte Tätigkeiten, die zuvor von illegalen Migranten ausgeführt worden waren.

Im Endeffekt, so Allen, de Castro Dobbin und Morten, waren die gering qualifizierten US-Arbeitnehmer die einzigen Profiteure. Ihr Zugewinn war aber minimal. Dagegen rechnen müsste man zudem die Kosten der neuen Grenzanlagen von rund 2,4 Milliarden Dollar sowie die Tatsache, dass weniger Migration in die USA auch geringere Wirtschaftstätigkeit in den Vereinigten Staaten und höhere Wirtschaftstätigkeit in Mexiko nach sich zieht.

Die Berechnungen der US-Ökonomen sind nur modellhaft und auf Grund vieler Unwägbarkeiten kaum als exakt zu bezeichnen. Dennoch drängt sich die Erkenntnis auf: Besser als eine Mauer zu Mexiko wären für die Amerikaner stärkere Gewerkschaften im Land, die höhere Löhne durchsetzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare