Bayer

US-Klagen wegen Glyphosat: Bayer bietet offenbar Vergleich an

  • schließen

Der Chemieriese soll Glyphosat-Klägern in den USA acht Milliarden Dollar angeboten haben. Doch ein möglicher Deal birgt einige Probleme.

Bayer will mit acht Milliarden Dollar (7,15 Milliarden Euro) die Glyphosat-Klagen in den USA vom Tisch bekommen. Der Finanzdienst Bloomberg berichtete am Freitag, dass mit dem Geld außergerichtliche Vergleiche für rund 18 400 Verfahren geschlossen werden sollen. Die Kläger werfen der Bayer-Tochter Monsanto vor, nicht hinreichend über Krebsgefahren beim Einsatz des Unkrautvernichters Roundup informiert zu haben.

Das Mittel mit dem Hauptwirkstoff Glyphosat ist seit den 1970er Jahren auf dem Markt und gilt als das Herbizid mit den höchsten Verkaufszahlen weltweit. Bayer hatte Monsanto vor 14 Monaten übernommen und sich damit auch enorme Risiken eingekauft. Denn schon damals waren in den USA Tausende von Klagen anhängig. Die ersten drei Verfahren vor Gerichten in Kalifornien hat Bayer verloren. Das Unternehmen wurde jeweils zur Zahlung von Schadenersatz in zweistelliger Millionen-Dollar-Höhe verurteilt.

Die Meldung über die angestrebten Vergleiche ließ die Bayer-Aktie am Freitag zeitweise um elf Prozent in die Höhe schnellen, das stärkste Plus seit mehr als einem Jahrzehnt.

Bis zu einer endgültigen Einigung mit den Anwälten der Kläger dürfte es indes noch Monate dauern. Bislang hatte sich das Bayer-Management stur gestellt, wollte Gerichtsverfahren bis zum bitteren Ende durchfechten. Die Leverkusener sind der Ansicht, dass Glyphosat bei „richtiger Anwendung“ keinerlei Krebserkrankungen hervorrufe. Der Konzern beruft sich dabei auf mehrere wissenschaftliche Studien. Unter anderem vertritt auch die US-Umweltbehörde EPA diese Position.

Kläger und deren Rechtsanwälte verweisen hingegen auf die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Glyphosat schon 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hatte.

Ende Juli lenkte Konzernchef Werner Baumann dann aber ein und ließ durchblicken, dass er Vergleiche akzeptieren werde, wenn diese finanziell angemessen seien und wenn damit sämtliche Rechtsstreitigkeiten endgültig beigelegt würden. Beide Punkte sind nicht ganz so einfach umzusetzen. Die Schätzungen von Analysten über die mögliche Gesamtsumme gehen weit auseinander – von zwei Milliarden bis über 20 Milliarden.

Seit Wochen verhandeln Anwälte von Bayer mit den Rechtsvertretern der Kläger. Bloomberg zufolge wird auf der Seite des deutschen Chemie- und Pharmakonzerns mit einer Spanne von sechs bis acht Milliarden Dollar kalkuliert. Die Gegenseite soll insgesamt deutlich mehr als zehn Milliarden verlangen. Noch erheblich komplexer ist die Frage, wie mit Roundup-Käufern umgegangen wird, die bislang keine Klage eingereicht haben. Die Rechtslage sei erheblich klarer, wenn Vergleiche nur über bereits vorliegende Fälle geschlossen würden, sagte die Jura-Professorin Jean Eggen zu Bloomberg.

Gleichwohl ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es früher oder später zu einem Deal kommt. Vince Chhabria, Bezirksrichter in San Francisco, hat schon vor einigen Wochen den renommierten Anwalt Kenneth Feinberg berufen, um als Mediator nach einer Einigung zu suchen. Laut Nachrichtenagentur Reuters lag Feinberg bis Freitagnachmittag kein offizieller Vorschlag von Bayer über acht Milliarden Dollar vor.

Chhabria hat es mit mehreren hundert Verfahren zu tun, die zunächst einmal auf Eis gelegt wurden. Auch eine Hauptverhandlung vor einem Gericht in St. Louis, die am 19. August stattfinden sollte, wurde vertagt. Gleiches wird für weitere Verfahren in der Region St. Louis erwartet. Dies soll auch auf Initiative von Bayer geschehen sein. Offenbar will der Konzern nicht weiter mit spektakulären Schuldsprüchen für Negativschlagzeilen sorgen.

Diese neue Strategie hat viel mit dem US-Investor Paul Singer zu tun, der Ende Juni öffentlich gemacht hat, dass sein Fonds Elliott Management mit 1,3 Milliarden Euro bei Bayer eingestiegen ist. Elliott-Manager hatten das Bayer-Management aufgefordert, für „einen vernünftigen, fairen und zeitnahen Vergleich“ zu sorgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare