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„American Dream“: Mancherorts kletterten die Immobilienpreise um 35 Prozent.
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„American Dream“: Mancherorts kletterten die Immobilienpreise um 35 Prozent.

Wackliger Aufschwung

US-Immobilienpreise auf Vorkrisenniveau

  • VonThorsten Schröder
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In den USA sind Eigenheime wieder so teuer wie vor der Finanzkrise. Doch der Aufschwung ist wackelig. Viele fürchten eine neue Blase, denn immer noch übersteigen die vergebenen Hypotheken oft den Wert der Immobilien.

Vor wenigen Tagen meldete Georgia-Pacific den Notstand. Der größte Produzent von Sperrholz in den USA hat Probleme, die Nachfrage zu decken. Nach der Krise hatte der Konzern die Produktion um mehr als 30 Prozent zurückfahren müssen, weil die Amerikaner keine Häuser mehr bauten. Jetzt wird es eng. „Wir kommen gar nicht hinterher“, so der Chef der Bausparte, Mark Luetters.

Fünf Jahre nach dem Zusammenbruch scheint der Häusermarkt in Schwung zu kommen. Landesweit haben die Preise 2012 um 7,3 Prozent zugelegt, im Januar stiegen sie so schnell wie seit 2006 nicht. Gleichzeitig erreichten die Verkäufe den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Auch die Zahl der sogenannten „underwater borrowers“, jenen Hauskäufern, deren Hypotheken den Wert ihrer Immobilie übersteigen, ist 2012 um vier Millionen gesunken. Und der zweitgrößte Hausbauer des Landes, Lennar, konnte den Gewinn gerade mehr als verdreifachen.

Die guten Nachrichten zogen nach dem Zypern-Fiasko selbst die Wall Street aus dem Stimmungstief. Nicht nur ist das Eigenheim noch immer Inbegriff des „American Dream“. Es gibt in den USA kaum eine Branche, die nicht in irgendeiner Form vom Immobilienmarkt abhängig ist. „Ein gesunder Häusermarkt erhöht die Konsumausgaben, kurbelt die Produktion an und senkt die Arbeitslosigkeit“, sagt Patrick Newport, US-Ökonom bei IHS Global Insight. „Es ist der Schlüssel, um unsere Wirtschaft wieder in die Spur zu bringen.“

Bieterschlachten ums Eigenheim

Der plötzliche Boom bringt den Markt in Bedrängnis. Während sich der Markt erholt und die Nachfrage steigt, liegt die Zahl der Häuser, die zum Verkauf stehen, auf dem niedrigsten Stand seit 1999. Die Erschließung neuen Baugrunds war in der Krise fast zum Erliegen gekommen. Gleichzeitig kauften Investoren und Spekulanten in der Zwangsversteigerungswelle Millionen von Häusern auf und sorgten so für zusätzliche Knappheit.

Jetzt sind die Bilder überall ähnlich. Interessenten liefern sich Bieterschlachten und treiben die Preise weit über den veranschlagten Preis. Vielerorts wechseln auch renovierungsbedürftige Häuser innerhalb weniger Tage den Besitzer, Interessenten werden gedrängt, noch während des ersten Besichtigungstermins ein verbindliches Angebot zu machen. In Städten wie dem kalifornischen Sacramento, das von der Krise besonders hart getroffen worden war, sind die Listenpreise innerhalb eines Jahres um 35 Prozent nach oben geschossen.

Viele macht das nervös. Der frühere Direktor des Office of Management and Budget, David Stockman, warnte angesichts der jüngsten Zahlen vor dem Beginn einer neuen Blase. „Das ist kein richtiger Aufschwung, der Markt hängt am Tropf der Notenbank“, so Stockman. Denn dank der Niedrigzinspolitik sind Hypotheken so billig wie lange nicht. In Städten wie Phoenix oder Las Vegas, wo die Preise ebenfalls um bis zu 35 Prozent in die Höhe schießen, könne man tatsächlich von einer Blase sprechen, sagt auch Patrick Newport. In den nächsten zwei Jahren, so der Ökonom, werde es zwangsläufig eine Korrektur geben.

Spekulanten mischen mit

Denn noch immer liegt vieles im Argen. In einem Viertel aller Fälle übersteigen die Hypotheken auch jetzt noch den Wert der Immobilien. Und so sehr die Häuserpreise auch zulegen, im Schnitt liegen sie noch immer 30 Prozent unter Vorkrisenniveau. Die hohe Zahl der Barverkäufe deutet zudem an, dass auch jetzt Spekulanten mitmischen. In Städten wie Miami und Phoenix machen Großinvestoren fast 30 Prozent der Käufer aus.

Immerhin, so Newport, seien die Banken seit dem Zusammenbruch des Marktes bei der Vergabe von Hypotheken deutlich vorsichtiger geworden. Vielerorts würden die Hürden erhöht. Denn noch immer sitzen die Kreditinstitute auf Millionen zwangsversteigerter Häuser. Die neuen Standards würden helfen, eine erneute Blase zu vermeiden und sicherten die Schuldner gegen Wertminderungen besser ab, so Newport. Doch bei einer Arbeitslosenquote von noch immer knapp acht Prozent sorgt das auch dafür, dass selbst die preiswerten Kredite für viele Amerikaner unerreichbar bleiben.

Angesichts der massiven Einschnitte, die Washington gerade beschlossen hat und die laut Wirtschaftsexperten Arbeitsmarkt und Produktion in den kommenden Monaten belasten werden, könnte der junge Aufschwung auf dem Häusermarkt nach Meinung von Experten zudem genauso schnell zum Erliegen kommen. Georgia-Pacific gibt sich trotzdem optimistisch. Der Holzgigant kündigte in dieser Woche an, 400 Millionen Dollar investieren zu wollen, um die Kapazität kurzfristig auszuweiten. Auch die Konkurrenz hat die Zahl der Arbeiter kurzfristig erhöht – und legt Extraschichten ein.

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