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Die Verzögerung der Zölle auf den 15. Dezember erlaubt es den US-Konsumenten noch, Weihnachtsgeschenke zum alten, niedrigeren Preis zu erwerben.

Analyse

US-chinesischer Handelskrieg geht in die nächste Runde

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Seit zwei Jahren halten die USA und China die Welt mir ihrem Handelsstreit auf Trab. Nun steht die nächste Verschärfung bevor - aber leider nicht die letzte.

Die größte Gefahr für die globale Wirtschaft wird am kommenden Montag wieder ein bisschen größer: Der US-chinesische Handelskrieg geht in die nächste Runde, und eine Fortsetzung folgt spätestens im Dezember. Die Auseinandersetzung läuft bereits seit zwei Jahren, und inzwischen sind fast alle Güterkategorien einbezogen. Was passiert als nächstes und wo stehen wir?

Um Peking zu Zugeständnissen zu zwingen, kündigte die US-Regierung am 13. August höhere Zölle auf chinesische Lieferungen im Wert von 300 Milliarden Dollar an. Damit sind nun sämtliche Importe aus China mit Aufschlägen belegt. In einem ersten Schritt wird am 1. September ein Zoll von 15 Prozent auf chinesische Importe über 112 Milliarden Dollar eingeführt – hierbei handelt es sich vor allem um Kleidung, Schuhe und Utensilien für den Schulunterricht.

15 Prozent Zoll auf weitere Importe aus China ab 15. Dezember

Am 15. Dezember zündet die zweite Stufe: Da tritt ein Zoll über 15 Prozent auf weitere Importe mit einem Volumen von etwa 160 Milliarden Dollar in Kraft. Eigentlich sollte auch dieser Zoll im September eingeführt werden. Doch handelt es sich bei der zweiten Gütergruppe um Spielzeug, Unterhaltungselektronik und weitere Waren, die üblicherweise zu Weihnachten verkauft werden. Die Verzögerung der Zölle erlaubt es den US-Konsumenten noch, Weihnachtsgeschenke zum alten, niedrigeren Preis zu erwerben. Zusätzlich kündigte US-Präsident Donald Trump an, dass der 25-Prozent-Zoll, der bereits auf chinesische Importe über 250 Milliarden Dollar erhoben wird, ab 1. Oktober auf 30 Prozent steigt.

Eine Addition zeigt, dass von „Handelsstreitigkeiten“ nicht mehr gesprochen werden kann, sondern dass ein Handelskrieg vorliegt: Über alle Gütergruppen hinweg wird der US-Zoll auf chinesische Waren auf mehr als 25 Prozent steigen – vor zwei Jahren waren es nur drei Prozent, errechnete das Peterson Institute in Washington.

Peking hat auf die US-Offensive reagiert und wird seinerseits im September und im Dezember weitere Zölle auf US-Waren im Wert von 75 Milliarden Dollar erheben. Entscheidend sind hier die Zölle auf Autos und Autoteile, die im Dezember kommen werden und die das Zollniveau drastisch von 13 auf 43 Prozent erhöhen. Peking hatte diese Abgaben am 1. Januar als Zeichen guten Willens ausgesetzt, wendet sie nun aber an. Unter den Auto-Zöllen werden auch deutsche Autobauer leiden, die Fahrzeuge in den USA fertigen und nach China verkaufen.

Trump hat weitere Gegenmaßnahmen angekündigt

In der Summe wird die Volksrepublik im Dezember ihr Zollniveau für US-Waren von acht auf 26 Prozent erhöht haben. Doch das dürfte nicht das Ende sein. Als Reaktion auf die chinesischen Vergeltungszölle hat Trump weitere Gegenmaßnahmen angekündigt und „unsere großartigen amerikanischen Unternehmen hiermit aufgefordert, umgehend nach Alternativen zu China zu suchen“.

Die Regierung in Peking ihrerseits scheint fest entschlossen, dem Druck standzuhalten. Wie die US-Regierung, so schützt auch sie ihre Wirtschaft vor den Folgen des Handelskrieges, indem sie ihre Schulden erhöht und Kredite verbilligt. Im Zollkrieg hat Peking noch Potenzial: Während die USA inzwischen alle China-Importe mit Zöllen belegen, bleiben auf chinesischer Seite noch etwa 30 Prozent der US-Lieferungen verschont, vor allem Flugzeuge, Halbleiter- und pharmazeutische Produkte.

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