+
Die Investmentbank Goldman Sachs sieht sich harscher Kritik aus den eigenen Reihen ausgesetzt.

Goldman Sachs

US-Banker kündigt wegen "Abzockerei"

Ein langjähriger Goldman-Sachs-Manager wirft der Investmentbank öffentlich Profitgier vor. In einem Zeitungsartikel beklagt er sich auch über seine Kollegen, die ihre Kunden als "Vollidioten" bezeichnet hätten.

Frontalangriff auf die US-Investmentbank Goldman Sachs: Ein langjähriger Angestellter hat per Zeitungsartikel gekündigt und eine Kultur der „Abzockerei“ bei dem legendären Geldhaus beklagt. In einem Meinungsbeitrag in der Zeitung New York Times mit dem Titel „Warum ich Goldman Sachs verlasse“ schrieb der Manager Greg Smith, mehrere Investmentbanker hätten ihre eigenen Kunden als „Vollidioten“ bezeichnet.

Die Unternehmensführung wehrte sich gegen die Kritik. Sie spiegele nicht die Werte des Geldhauses wider, hieß es. Die große Mehrheit der Beschäftigten würden anders über Goldman denken, teilten Bank-Chef Lloyd Blankfein und Top-Manager Gary Cohn der Belegschaft mit. „In einem Unternehmen unserer Größe ist es aber nicht verwunderlich, sollten manche verärgert sein.“ Die Kritik sorgte auch an der New Yorker Börse für Gesprächsstoff. Goldman-Aktien büßten drei Prozent ein.

„Zerstörerische Unternehmenskultur“

Der auf Derivate spezialisierte Smith rechnete scharf mit dem Geldhaus ab: „Es bereitet mir Übelkeit, wie kaltschnäuzig die Kollegen darüber reden, ihre Kunden abzuzocken“, schrieb er. Die einst hochgerühmte Kultur aus Anstand, Demut und Teamwork sei in seinen vielen Jahren bei dem Institut noch niemals so vergiftet und zerstörerisch gewesen wie jetzt.

Smith war nach eigenen Angaben zwölf Jahre lang bei Goldman Sachs tätig und zuletzt Vizepräsident einer Derivate-Abteilung. Seiner Darstellung zufolge ist das Wohl der Kunden in den vergangenen Jahren völlig von der Profitgier in den Hintergrund gedrängt worden. „Ich kann nicht mehr mit gutem Gewissen sagen, dass ich mich mit dem identifiziere, wofür das Unternehmen steht“, begründete Smith seine Kündigung. Wer bei Goldman vorankommen wolle, müsse hohe Gewinne einfahren – notfalls auf Kosten der Kunden. Einziges Thema vieler Sitzungen sei, wie man so viel Geld wie möglich bei den Kunden absaugen könne.

Goldman Sachs ist vor allem seit der Finanzkrise vermehrt zur Zielscheibe derartiger Vorwürfe geworden. Der ehemalige Mitarbeiter Fabrice Tourre etwa muss sich gerichtlich gegen Anschuldigungen wehren, er habe Kunden beim Verkauf komplexer Finanzinstrumente getäuscht. Vor zwei Jahren trat Konzernchef Lloyd Blankfein einen Sturm der Entrüstung los, als er verkündete, als Banker „Gottes Werk“ zu verrichten und damit unter anderem die teilweise astronomischen Gehälter in der Branche verteidigte. (Reuters)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare