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Thüringer Wald: Auch im Nationalpark Hainich soll wieder ein mitteleuropäischer Urwald entstehen.

Deutscher Wald

Urwald-Quote gerissen

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Deutschland wird sein Ziel verfehlen, bis 2020 bundesweit fünf Prozent seines Waldes unbewirtschaftet und zu Naturwald werden zu lassen. Welche Bundesländer daran besonders schuld sind und wie die Urwald-Quote in allen 15 Ländern ausfällt.

Der brennende Wald am Amazonas wühlt die Welt auf, und vor allem Brasilien erntet viel Kritik dafür, seine Urwälder zu stark für wirtschaftliche Zwecke auszubeuten. Schon im vorigen Jahr gingen in Brasilien laut Global Forest Watch 1,35 Millionen Hektar des wertvollsten, weil unbewirtschafteten Urwalds verloren. Beim G7-Gipfel versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Land gerade Hilfe: „Die Lunge unserer gesamten Erde ist betroffen“, warnte sie.

In Deutschland selbst ist dagegen von Dringlichkeit nichts zu spüren, wenn es um den Waldschutz geht. Ohnehin ist vom deutschen Urwald so gut wie nichts übrig: Während in Brasilien rund 80 Prozent des Waldes unberührt sind, versagt die Bundesrepublik gerade darin, auch nur fünf Prozent ihrer Wälder der Natur zu überlassen. Dieses Ziel wollte der Bund mit seiner „Nationalen Biodiversitätsstrategie“ von 2007 eigentlich bis 2020 erreichen. Doch das ist aussichtslos: Kurz vor dem Stichjahr ruht die Bewirtschaftung bundesweit auf nur 2,8 Prozent der Waldfläche. Neue Zahlen zeigen nun: Am untätigsten in Sachen Urwaldschutz sind ausgerechnet die waldreichsten Bundesländer, Bayern und Baden-Württemberg.

Der international renommierte Waldexperte Lutz Fähser findet das erschreckend. „Die großen Monokulturen mit Nadelbäumen gehen derzeit überall in die Knie“, sagt er. „Wir müssen die Anpassungsfähigkeit der Wälder an zukünftigen Stress erhöhen, indem wir ihnen erlauben, ihre durch die Bewirtschaftung verloren gegangene Natürlichkeit wieder zu entwickeln.“ Fähser wurde als Fachmann für naturnahe Waldbewirtschaftung berühmt, seit er als leitender Forstdirektor erfolgreich seine Ideen in der Bewirtschaftung des Lübecker Stadtwaldes umsetzte.

Damit die deutschen Wälder wieder gesund werden, müssten sie vor allem wieder älter werden, betont er. Die Biodiversitätsstrategie habe dafür die richtigen Ziele – trifft allerdings auf den Widerstand der Forstwirtschaft, die keine Produktionsflächen abgeben will. Da ein Nutzungsverzicht zu Einnahmenverlusten führt, soll das Ziel vor allem in öffentlichen Wäldern umgesetzt werden. Etwa die Hälfte der deutschen Wälder gehört Bund, Ländern und Kommunen, so dass zehn Prozent der öffentlichen Wälder aus der Nutzung genommen werden müssen, um das anvisierte Fünf-Prozent-Ziel zu erreichen. Doch obwohl die meisten Bundesländer das Ziel unterstützen, ist es im geplanten Zeitraum nicht mehr zu erreichen. Anfragen des ZDF-Politmagazins „Frontal 21“ zeigen, dass mit Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Schleswig-Holstein nur drei Flächenländer das selbst gesteckte Ziel erreicht haben. Alle anderen Bundesländer liegen darunter: Brandenburg mit vier Prozent, Hessen und das Saarland mit 3,8, Nordrhein-Westfalen mit drei Prozent, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen mit 2,8 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 2,5 Prozent. Schlusslichter sind die beiden waldreichsten Länder Baden-Württemberg mit zwei Prozent und Bayern mit 1,3 Prozent. Der Freistaat hat das Fünf-Prozent-Ziel gar nicht erst übernommen und berücksichtigt Belange der biologischen Vielfalt „im Rahmen der Waldbewirtschaftung“, schreibt das Bayrische Umweltministerium auf Anfrage. Nur in den beiden Nationalparken, den Kernzonen des Biosphärenreservates Rhön und den Naturwaldreservaten ruht die forstwirtschaftliche Nutzung – und damit auf rund vier Prozent der staatlichen Waldfläche. In Baden-Württemberg hat Grün-Rot 2013 einen ersten Nationalpark im Schwarzwald ausgewiesen – er umfasst jedoch nur 0,7 Prozent des Landeswaldes, die nutzungsfreie Kernzone liegt unter einem halben Prozent. Insgesamt dürfen sich in Baden-Württemberg nur zwei Prozent des Gesamtwaldes natürlich entwickeln. Grund: Forstminister Peter Hauk (CDU) hält das Fünf-Prozent-Ziel für „nicht notwendig“. Die biologische Vielfalt lasse sich auch im Wirtschaftswald erhalten, etwa durch das Alt- und Totholzkonzept der Landesforsten. Er plädiert für schnelle Aufforstung auch mit Nadelbäumen und „neuen Baumarten, weil die heimischen nicht mehr mit dem Klima klarkommen“. Gerade die Intensiv-Forstwirtschaft sei ja Ursache des Problems, warnt dagegen Waldexperte Fähser. „Der Wandel zu einem in Zukunft lebensfähigen Wald muss aus der Natur heraus kommen und nicht aus dem Willen des Försters.“

Forstschutz

In Deutschland machen Wälder rund ein Drittel der Gesamtfläche aus. Im europaweiten Vergleich ist Deutschland grüner als viele andere Länder. Bis zum Jahr 2020 verfolgt Deutschland das Ziel, fünf Prozent seiner Gesamtfläche ohne menschlichen Einfluss sich selbst zu überlassen.

Seit den 1970er Jahren sind zudem immer mehr Waldgebiete per Beschluss zu Naturreservaten und Naturwäldern geworden. Bis sich das Ökosystem erholt hat und den einstigen Zustand wiederhergestellt hat, vergehen Jahrzehnte bis Jahrhunderte.

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