Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eine Frau geht mit Mundschutz am Strand in Santa Cruz de Tenerife spazieren.
+
Den Urlaub vor Reiseantritt zu bezahlen ist die Norm, dagegen wollen Politik und Verbraucherschutz jetzt vorgehen. (Archivbild)

Reisen

Urlaub in Corona-Zeiten: Vorkasse für Reise soll abgeschafft werden

  • VonFinn Mayer-Kuckuk
    schließen

Die Unsicherheit für Urlaub und Reise in Corona-Zeiten bewegt Politik und Verbraucherschutz zu einer weitreichenden Forderung. Ist die Vorkasse bald Geschichte?

  • Politik und Verbraucherschutz fordern eine Neuregelung in der Reisebranche.
  • Denn Verbraucher:innen die Reise und Urlaub in Corona-Zeiten buchen, haben oft das Nachsehen.
  • Reisende sollen künftig erst bei Reiseantritt bezahlen.

Frankfurt - Im August in die Ferien fliegen – schon im Januar bezahlen? Das soll nach den Wünschen von Politiker:innen der Vergangenheit angehören. Urlauberinnen und Urlauber sollen Flugtickets oder Pauschalreisen nicht mehr vorab bezahlen müssen, fordert Reinhold Jost, der im Saarland Minister für Verbraucherschutz ist, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Der SPD-Politiker will diese Idee in die Beratungen der zuständigen Länderministerien einbringen und möglichst bald in ein Gesetz gießen, wenn sich eine Mehrheit findet. „Hundert Prozent Vorkasse geht gar nicht“, sagt Jost.

Urlaub und Reise ohne Vorkasse? Vorteile für bestimmte Veranstalter

Die Idee stößt bereits auf großes Interesse. Erst Cook, dann Corona – das Vertrauen in die Branche ist auf einem Tiefpunkt. Im Jahr 2019 ging der britische Reisekonzern Thomas Cook in die Insolvenz, was zu reihenweise unschönen Szenen führte. Viele Kund:innen erhielten für vorbezahlte Reisen keine Gegenleistung. Pflichtversicherungen, aus denen sie entschädigt werden sollten, wiesen bei weitem nicht die nötige Deckung auf.

Beliebteste Urlaubsreiseziele der Deutschen 2019Anzahl der Urlaubsreisen ab 5 Tagen Dauer
Deutschland18,7 Millionen
Spanien9,0 Millionen
Italien6,2 Millionen
Türkei4,5 Millionen
Österreich2,9 Millionen
Quelle: Der Deutsche Reiseverband (DRV)

Ein zentraler Topf zur Sicherung der Einzahlungen fehlte. Im Jahr darauf kam Corona – und erneut wurden Reisen abgesagt, für die das Geld schon überwiesen war. Die Lufthansa brauchte viele Monate Zeit und viele Milliarden vom Staat, bevor sie die Preise für wertlos gewordene Flugtickets halbwegs erstattet hatte.

Corona-Krise und der Urlaub: Abschaffung der Vorkasse ist nicht so einfach

Doch was zunächst wie eine rundum attraktive Idee klingt, braucht in der Praxis zumindest wohl eine Übergangsphase. Daher ist zunächst Widerstand aus der Branche zu erwarten. Denn aus geschäftlicher Sicht macht es einen gewaltigen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt das Geld für eine Leistung eingeht. Frühe Zahlungseingänge halten ein Unternehmen flüssig und ermöglichen Investitionen.

Die Umstellung der Praxis kostet daher betriebswirtschaftlich gesehen bares Geld. Die Unternehmen brauchen größere Cash-Reserven, wenn sie die Monate bis zum tatsächlichen Beginn der Reisesaison überbrücken müssen. Auch Unsicherheit ist teurer: Wer noch nicht bezahlt hat, wird eher noch im letzten Moment abspringen, als Kund:innen, die dadurch Geld verlieren.

Kroatien, Split: Reisende mit Schutzmasken gehen an einer Tafel mit den Abflugzeiten im internationalen Flughafen vorbei. Reiserückkehrer aus Kroatien müssen wegen steigender Corona-Zahlen in dem Land in Großbritannien für zwei Wochen in Quarantäne gehen.

In Krisenzeiten wiederum wirkt der Berg Geld, auf dem die Veranstalter bisher dank Vorkasse sitzen, stützend – auf Kosten der Kundschaft. Solche Verschiebungen müssen künftig einkalkuliert werden. Immerhin: Wenn die Regeln ausnahmslos für alle Veranstalter gelten, dann hat der mit den solidesten Finanzen wieder einen Vorteil.

Neuregelung bei Reise und Urlaub: Verbraucherschutz befürwortet Abschaffung

Jost hält eine Neuregelung für absolut vertretbar. In anderen Branchen sei es ja auch nicht üblich, eine Leistung Monate im Voraus zu bezahlen. Meist ist allenfalls eine Anzahlung üblich. Selbst für die stellt er sich eine automatische Rückerstattung vor, wenn die Reise ausfällt. Der Bundesrat habe sich 2018 bereits für ein „automatisiertes Verfahren der Rückerstattung“ stark gemacht. Von der Bundesregierung sei aber nichts umgesetzt worden, so Jost.

Der Verbraucherschutz befürwortet die Abschaffung der Vorkasse. „Findet die Reise oder der Flug nicht statt, laufen Reisende oft hinter ihrem Geld her“, beobachten die Verbraucherzentralen. Eine Rückerstattung kommt oft erst spät – oder gar nicht. So staue sich der Frust auf.

Reise-Branche: Derzeit laufendes Regulierungsvorhaben wird kritisch gesehen

Unterdessen arbeiten sich Branchenverbände noch an einem bereits laufenden Regulierungsvorhaben ab. Das Justizministerium will zwar noch nicht die Vorkasse abschaffen, aber immerhin eingezahlte Gelder absichern. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass für jede Reise ein kleiner Prozentsatz in einen Fonds fließt. Bis 2026 soll sich dort eine Dreiviertelmilliarde Euro ansammeln.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) fordert, dem Gesetz die Schärfe zu nehmen. Vor allem die Höhe der Einzahlungen stört die Anbieter. „Pauschalreisen dürfen in dieser schwierigen Situation im Vergleich zu Einzelleistungen nicht über Gebühr verteuert werden“, heißt es. Statt sieben Prozent des Pauschalreiseumsatzes will die Branche zunächst ein Prozent in den Fonds abführen. (Finn Mayer-Kuckuk)

Die Sehnsucht ist groß, doch Corona erschwert auch im Jahr 2021 die Planung des Urlaubs. Was bei der Buchung der Reise wichtig ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare