Menstruationsurlaub

Urlaub an den Tagen

Wie menstruationsfreundlich ist das deutsche Arbeitsrecht?

Die Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Kirsten Kappert-Gonther spricht sich für menstruationsfreundlichere Arbeitsbedingungen aus. „Menstruation ist etwas ganz Normales, manche Frauen sind während ihrer Tage sogar leistungsfähiger, andere haben starke Schmerzen. Wenn sie starke Schmerzen haben, muss es für die Betroffenen möglich sein, ohne Stigmatisierung zu Hause bleiben zu können – genau wie bei anderen Schmerzen oder Krankheiten“, sagt Kappert-Gonther dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Dabei gehe es ihr nicht um zusätzlichen Urlaub, sondern um „flexible und unbürokratische Freistellung für diejenigen, die betroffen sind“. Männer seien in keiner Weise benachteiligt, wenn eine Kollegin wegen Menstruationsschmerzen einen Krankentag nehme – „ebenso wenig, wie wenn sie wegen einer Zahn-OP einen Tag nicht arbeiten könnte“.

Ein Menstruationsurlaub, also der rechtliche Anspruch für Frauen jeden Monat einige Tage zusätzlich zu Hause zu bleiben, ist in Deutschland allerdings schwer durchsetzbar, sagt die Arbeitsrechtlerin Ilka Schmitt. „In einigen asiatischen Ländern gibt es bereits Menstruationsurlaub und in Italien liegt sogar schon eine Gesetzesvorlage über drei Urlaubstage pro Menstruation vor“, berichtet sie. Erst Mitte August hatte ein indischer Essenslieferdienst für Aufsehen gesorgt, weil seine Mitarbeiterinnen bei Regelschmerzen künftig bis zu zehn Tage im Jahr bezahlt freinehmen können. „Bei uns in Deutschland existiert allerdings keine gesetzliche Grundlage für diesen speziellen Urlaub“, so Schmitt.

Das Problem: eine mögliche Diskriminierung anderer Mitarbeiter. Außerdem, gibt Schmitt zu bedenken, könnten Arbeitgeber sich dann schwer tun, Frauen einzustellen.

In Deutschland ist der gesetzliche Urlaubsanspruch im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) geregelt. Demnach haben Beschäftigte bei einer Sechs-Tage-Arbeitswoche mindestens 24 Werktage Urlaub. Es sei zwar möglich, Mehrurlaub vertraglich zu vereinbaren, sagt Schmitt. „Aus arbeitsrechtlicher Sicht raten wir jedoch, alle Mitarbeiter gleich zu behandeln und auch gleich viel Urlaub zu gewähren.“ Schließlich sei im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geregelt, dass niemand wegen des Geschlechts diskriminiert werden dürfe. Das könnte aber hier der Fall sein. „Führt ein Arbeitgeber arbeitsvertraglich Menstruationsurlaub ein, so setzt er sich der Gefahr aus, dass die männlichen Kollegen mit dem Argument der Gleichbehandlung denselben Urlaub einfordern.“ Mitarbeiterinnen, die unter schweren Menstruationsbeschwerden leiden, sollten sich lieber krank melden, empfiehlt Schmitt. Der Vorteil hierbei sei auch, dass der Arbeitgeber nicht erfahre, warum die Mitarbeiterin sich krank gemeldet habe.

Der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, sagt, eine Krankschreibung könne im Einzelfall nötig werden, wenn „Schmerzen und Blutung während der Menstruation sehr stark werden, mit üblichen Heil- und Hilfsmitteln nicht beherrschbar sind und den Alltag beeinträchtigen.“ Die meisten Frauen litten aber nicht so stark unter der Menstruation, dass ihr Alltag erheblich beeinträchtigt und eine regelmäßige Krankschreibung nötig wäre.

Dass einige Frauen mit sehr starken Menstruationsbeschwerden zu kämpfen haben, bestätigt dagegen Professor John Guillebaud vom Institut für Frauengesundheit des University College London. Er erklärt, dass die Menstruationskrämpfe in einigen Fällen sogar mit den Schmerzen bei einem Herzinfarkt zu vergleichen sind. Eine Studie aus dem Jahr 2016 hatte gezeigt, dass etwa 80 Prozent der Frauen unter körperlichen oder emotionalen Beschwerden leiden, die im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus einhergehen. (von Heide Becker)

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