Pflege

Untragbare Bedingungen

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Schlechte Arbeitsbedingungen, Zeitstress und zu wenige Ressourcen. So kann es nicht weitergehen. Gemeinsam müssen für eine Revolution der Sorge-Arbeit einstehen.

Wir befinden uns in einem Notstand der Sorge-Arbeit. Mit Sorge-Arbeit sind alle Tätigkeiten gemeint, in denen wir für uns und andere sorgen. Wir kümmern uns um unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit, um die Bildung der Jüngeren, den Haushalt und um Menschen, die Unterstützung brauchen – etwa Kinder, Kranke und Menschen mit Einschränkungen. Das kann als Lohnarbeit, aber auch als unbezahlte Tätigkeit erfolgen. Was beiden Formen gemein ist: Sie werden unter zunehmend untragbaren Bedingungen ausgeübt.

Das bedeutet: schlechte Arbeitsbedingungen, Zeitstress und zu wenige Ressourcen. Weder für Sorge-Empfangende noch für Sorge-Gebende ist das zumutbar, denn die einen werden nicht gut versorgt und die anderen sind überarbeitet. Eigentlich wird diese Notlage von Vielen anerkannt – denn jeder hat eine oder mehrere Personen im persönlichen Umfeld, die im besonderen Maße Sorge empfangen und weiß daher, wo da Probleme liegen. Und jeder leistet auf die ein oder andere Art Sorge-Arbeit und weiß damit um die Schwierigkeiten, sie mit dem Rest des Lebens zu vereinbaren. Doch politisch fehlt diese breite Anerkennung noch.

Wie gehen wir die Notlage an? Auf jeden Fall sollten wir Ausbeutungsverhältnisse und Geschlechtergerechtigkeit mitdenken. In unserer arbeitsteiligen und auf der Kleinfamilie aufbauenden Gesellschaft wird Sorge-Arbeit klassischerweise privat von Frauen getragen. Dort, wo sie professionell organisiert ist, wird sie meist auch von Frauen gemacht und schlecht bezahlt. Personen mit höheren Einkommen können es sich eher leisten, Sorge-Arbeit auf andere abzuwälzen – Ärmere aber nicht. Wer übernimmt da die Pflege? Im globalen Norden sind es dazu oft Migranten, die viel zu wenig Anerkennung und Geld erhalten.

Um den Sorge-Notstand und die damit verbundenen Ungleichheiten zu überwinden, brauchen wir eine stärkere gemeinsame politische Organisierung von Sorge-Leistenden und Sorge-Empfangenden. Die letzten Jahre hat es einen Anfang gegeben – etwa mit der Solidarität mit Streiks in Krankenhäusern wie in der Charité in Berlin und in Kindergärten oder der Gründung des „Netzwerk Care Revolution“. Es heißt also: Schritt für Schritt gemeinsam zur Sorge-Revolution.

Die Autorin arbeitet beim Konzeptwerk Neue Ökonomie und ist Teil der Webredaktion von www.degrowth.de

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