Lufthansa

Unterwegs in dünner Luft

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Steigende Kosten für Kerosin - das müsste eigentlich höhere Ticketpreise bedeuten. Doch die Lufthansa wird sich das kaum leisten können.

Carsten Spohr leistete am Dienstagmorgen Abbitte. „Wir müssen unser Wachstum künftig besser steuern“, sagte der Lufthansa-Chef bei der Präsentation der Geschäftszahlen für die ersten neun Monate. Im Sommer ging es auf vielen Flughäfen drunter und drüber. Verspätungen waren die Regel. Der Lufthansa-Konzern musste insgesamt 18 000 Flüge streichen, 1,7 Millionen Passagiere waren betroffen. Das ist in etwa so, als würde der größte deutsche Flughafen in Frankfurt für zwei Wochen dichtgemacht.

Die Kosten für Verspätungen und Flugausfälle haben sich mit 350 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Die Gründe für das Dauerchaos sind vielfältig. Sie werden noch im nächsten Jahr bei der Lufthansa nachwirken.

Airlines und Flughafenbetreiber haben während der heißen Tage die Reiselust der Europäer massiv unterschätzt. Spohr sprach gar von einer Überforderung. Den Kunden der LH-Tochter Eurowings, die für die Billigfliegerei auf dem alten Kontinent zuständig ist, wurde dabei besonders viel zugemutet. Denn der Low-Coster hat nach der Übernahme des größten Teils des Pleite-Fliegers Air Berlin sein Angebot überstürzt ausgebaut – mit Pannen in Serie als Konsequenz. Insider werfen Eurowings-Chef Thorsten Dirks vor, sich zu stark auf den Kampf um Marktanteile fixiert und die Organisation des Tagesgeschäfts vernachlässigt zu haben.

Der Vorstand hat Konsequenzen gezogen und eine „operative Exzellenz-Initiative“ gestartet. 600 Frauen und Männer sollen zusätzlich eingestellt werden, um den Flugbetrieb besser zu organisieren. Es sollen auf die Schnelle zusätzliche Mittelstreckenflieger gekauft und die Zahl der Reserveflugzeuge vergrößert werden. Auch die Kommunikation mit dem Kunden will Spohr verbessern. Und im nächsten Sommer soll die Zahl der Sitzplätze nur noch um 3,8 Prozent steigen. Dieses Jahr werden es acht Prozent mehr. Wobei die Branche hierzulande sogar insgesamt um zehn Prozent zulegen wird – der Kampf um Marktanteile tobt wie selten. Das zieht Preisekämpfe nach sich, obwohl Treibstoff schon deutlich teurer geworden ist und nach Einschätzung des Lufthansa-Managements noch teurer werden wird.

Das müsste eigentlich bedeuten, dass die Kranichgesellschaft bei den Ticketpreisen spürbar aufschlägt. Doch das kann sie sich nach Einschätzung von Experten kaum leisten – in Anbetracht des harten Wettbewerbs und der vielen verärgerten Kunden aus dem Sommergeschäft. Börsianer sind jedenfalls pessimistisch und erwarten eher harte Zeiten für die Lufthansa.

Da nutzte es auch wenig, dass Spohr darauf hinwies, dass die Airline trotz aller Turbulenzen ihr zweitbestes Ergebnis überhaupt für die ersten neun Monate eingeflogen hat (2,4 Milliarden Euro Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit). Zudem erwartet Finanzchef Ulrik Svensson, dass Entschädigungszahlungen weniger werden und Eurowings in die Gewinnzone zurückkehrt.

Im Sommerquartal musste die Billigsparte einen Verlust von 65 Millionen hinnehmen – auch wegen nach wie vor hoher Kosten für die Air-Berlin-Integration. Doch dürften sich Analysten unter anderem daran stören, dass bei Eurowings die Kosten auch ohne Berücksichtigung des Treibstoffs gestiegen sind und die Auslastung der Maschinen nur bei 82 Prozent liegt. Das ist weit weg vom Rivalen Ryanair, der auf über 95 Prozent kommt.

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