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Risikominimierung durch Auslagerung: Unternehmer lagern Maschinen und Grundstücke in eine Besitzgesellschaft aus. Übrig bleibt eine Produktionsgesellschaft mit abhängig Beschäftigten.

Gastwirtschaft

Wie sich Unternehmen vor der Haftung drücken

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Miese Tricks: Heinz-Josef Bontrup, Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, erklärt, wie Unternehmer ihr Risiko drücken - und auf wessen Kosten. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Der nur in der Produktion durch Ausbeutung des abhängig Beschäftigten entstehende Mehrwert, bestehend aus Gewinn, Zins und Grundrente, muss auf dem Markt realisiert werden. Dies ist, unter Konkurrenzbedingungen, ein Risikoprozess. Hier können Verluste entstehen, für die, so der liberale Ökonom Friedrich August von Hayek, der Unternehmer zu haften habe. Schließlich würde ihm im Kapitalismus, auf Grund seines Eigentums an den Produktionsmitteln, auch der Gewinn zufallen.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautrorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Heinz-Josef Bontrup, Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik.

Die Haftungsfrage ist hier schon immer von Ökonomen ideologisch als Gewinnrechtfertigung eingebracht worden. Sie ist aber eine Mär beziehungsweise beschränkt sich allenfalls nur auf die originäre Eigenkapitaleinlage bei Gründung eines Unternehmens. Die danach thesaurierten Gewinne zur Eigenkapitalerhöhung stammen nicht mehr von den Unternehmern. Dies suggerieren sie aber der Öffentlichkeit.

Heute empfinden die meisten Unternehmer schon einen Gewinnrückgang als „Verlust“ und kürzen das Einkommen der Beschäftigten oder entlassen sogar Personal. Und ist der Verwertungsprozess ihres Kapitals auf den Märkten besonders risikoreich, dann greifen sie (insbesondere immer mehr mittelständische Unternehmer) zu einem ganz neuen aber besonders schäbigen Trick. Sie gliedern die Assets, also ihre Maschinen und Grundstücke, aus ihren Unternehmen aus und bringen diese in eine Besitzgesellschaft ein.

Heinz-Josef Bontrup ist Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik.

Damit haben die nach Hayek haftenden Unternehmer ihr unternehmerisches Risiko, ihr angeblich eingesetztes Eigenkapital zu verlieren, völlig eliminiert. Was bleibt ist eine reine Produktionsgesellschaft mit abhängig Beschäftigten. Diese ist aber bei der Produktion auf die Assets der Besitzgesellschaft angewiesen und muss sie deshalb von der Besitzgesellschaft pachten, was eine zumeist hohe Pachtzahlung bedeutet. Ein weiterer positiver Effekt für die risikolosen Eigentümer der Assets.

Treten bei der Produktionsgesellschaft Verluste auf, müssen ausschließlich die Beschäftigten das Risiko mit Einkommenskürzungen und Entlassungen tragen. Denn über Eigenkapital verfügt die Produktionsgesellschaft nicht, was dann besonders bei einer Insolvenz den Beschäftigten wehtut, weil sie nicht einmal mehr einen Sozialplan zu erwarten haben. Da soll noch einer sagen, Unternehmer seien nicht „erfinderisch“.

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