Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Alibaba-Gründer Jack Ma ist einer der reichsten Männer Chinas.
+
Alibaba-Gründer Jack Ma ist einer der reichsten Männer Chinas.

China

Unternehmen in China: Xi Jinping fordert Umverteilung von Reichtum

  • VonFabian Kretschmer
    schließen

Chinas Staatschef Xi Jinping will den Reichtum großer Unternehmen beschneiden. Die ersten Firmen reagieren mit Spenden.

Wer in Chinas Ostküstenmetropolen „exzessiven“ Reichtum finden möchte, muss nicht lange suchen: In Pekings Ausgehmeile Sanlitun stauen sich die Ferraris und vor der luxuriösen IFC Mall in Shanghai stehen die Kundinnen und Kunden vor Chanel und Louis Vuitton Boutiquen Schlange. Leicht lässt sich bei all den futuristischen Skylines der großen Städte vergessen, woran Premier Li Keqiang im letzten Mai in einer Rede erinnert hat: Dass nämlich nach wie vor 600 Millionen Menschen in China von weniger als 1000 Yuan im Monat leben. Das sind in etwa 130 Euro.

Dass sich das bald ändern soll, daran ließ Staatschef Xi Jinping in seiner ökonomischen Grundsatzrede von Dienstag keinen Zweifel. Darin versprach Xi, „exzessiv hohe Einkommen“ zu beschneiden und reiche Unternehmen dazu zu „ermutigen, mehr an die Gesellschaft zurückzugeben“. In anderen Worten: Chinas Staatsführung stellt die Umverteilungsfrage.

China: Erst Wachstum, dann Umverteilung

Das ist nur eine logische Konsequenz. Denn als Chinas Reformer Deng Xiaoping das Land Anfang der 1980er Jahre wirtschaftlich öffnete, lautete sein Credo, dass die Partei es einigen Leuten erlauben müsse, „zuerst reich zu werden“. Nun möchte Chinas amtierender Staatschef Xi dafür sorgen, dass auch der Rest der Bevölkerung stärker vom gewonnenen Wohlstand profitiert.

Ein Blick auf die Statistiken ist ernüchternd: Die Einkommensungleichheit in China ist etwa vergleichbar mit der in den Vereinigten Staaten und deutlich größer als jene in den meisten mitteleuropäischen Staaten. Mit 100 Milliardären leben in Peking so viele Superreiche wie in keiner anderen Stadt der Welt. Laut Angaben der Credit Suisse besitzt das reichste Prozent der Chinesinnen und Chinesen mehr als 30,6 Prozent des gesamten Wohlstands. Im Nachbarland Japan sind es lediglich 18,2 Prozent.

Chinas Ungleichheit als Systemrisiko

Der Ökonom Branko Milanovic bezeichnete Chinas Ungleichheit zu Beginn des Jahres in einem vielbeachteten Beitrag in „Foreign Affairs“ als „Achillesferse des chinesischen Systems“. Milanovic schrieb damals: „Die neue Oligarchie kann nur von der Regierung beschnitten werden, die sie auch hervorgebracht hat.“

Lange Jahre hat Chinas Staatsführung vor allem auf möglichst kräftiges Wachstum gesetzt. Doch unter Xi Jinping propagiert die Regierung eine neue Entwicklungsstufe, in der es weniger um bloße Kommastellen des Bruttoinlandprodukts geht als um die Frage, inwiefern die Gesellschaft davon profitiert. Die Kommunistische Partei wünscht sich also mehr qualitatives statt rein quantitatives Wachstum.

China Staatschef Xi Jinping stellt die Systemfrage nicht

Konkrete Maßnahmen ist Xi Jinping bisher schuldig geblieben. Die medialen Debatten der letzten Monate legen jedoch nahe, dass China eine Immobiliensteuer sowie Abfuhren auf Gewinne am Aktienmarkt einführen dürfte.

Die Gerechtigkeitsdebatte sollte nicht mit einer grundsätzlichen Systemfrage verwechselt werden. Die chinesische Regierung ist weit davon entfernt, das kapitalistische Leistungsprinzip anzuzweifeln. „Wir sollten die Leute ermutigen, durch harte Arbeit und Innovation reich zu werden“, sagte Xi.

Chinas Unternehmen reagieren auf Xi Jinping

Bereits am Mittwoch folgten erste Unternehmen dem Ruf des starken Führers: Das Internet-Imperium Tencent gab bekannt, dass es umgerechnet rund 134 Millionen Euro spenden werde, um „gemeinsamen Wohlstand“ zu erzielen – eine Formulierung, die Xi zuvor verwendet hatte. Die Gelder werden nach Firmenangaben für Bildungsprojekte und ländliche Revitalisierung sowie zur Verbesserung des Gesundheitssystems verwendet.

Michael Pettis, Wirtschaftsprofessor für Finanzen an der Peking University, ist allerdings skeptisch, ob die staatliche Umverteilung auch wirklich der Volkswirtschaft zugutekommt. Denn um den extrem schwachen Binnenkonsum in China anzukurbeln, müsste das reduzierte Einkommen der Reichen auch direkt bei den Haushalten der Normalverdiener ankommen. „Wenn die reduzierten Einkommen jedoch hauptsächlich zum Abbau der Staatsverschuldung verwendet werden, haben sie nur geringe Auswirkungen auf die gesamten Spar- und Konsumanteile am Bruttoinlandprodukt“, schreibt Pettis auf seinem Twitter-Account.

Xi Jinping stellt die Gerechtigkeitsfrage auch aus politischem Kalkül. Der 68-Jährige, de facto Machthaber auf Lebenszeit, wird 2022 wohl als erster Staatschef seit Mao Zedong eine dritte Amtszeit antreten. Xi ist bei den Unternehmereliten verhasst, während er beim einfachen Volk große Beliebtheit genießt – vor allem aufgrund seines Kampfes gegen Korruption. Auch die harschen Töne gegen die Eliten des Landes dürften bei den meisten Chines:innen auf offene Ohren stoßen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare