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Düstere Prognosen für den Arbeitsmarkt.

Ifo-Umfrae

Unternehmen bereiten sich auf Entlassungen vor

Die Arbeitsagenturen rechnen mit stark steigender Arbeitslosigkeit.

Die Deutschen müssen sich in der Corona-Krise auf einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit einstellen. Nach einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts bereiten sich die Unternehmen bereits auf Entlassungen vor; das Ifo-Beschäftigungsbarometer stürzte auf ein historisches Tief. Auch die Arbeitsagenturen rechnen mit signifikant höheren Arbeitslosenzahlen: Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das Arbeitsmarktbarometer, fiel ebenfalls auf einen nie zuvor gemessenen Tiefpunkt.

Das Ifo-Institut befragte für seine am Dienstag veröffentlichte monatliche Umfrage rund 9000 Unternehmen zu ihrer Beschäftigtenplanung für die nächsten drei Monate. Das daraus ermittelte Ifo-Beschäftigungsbarometer stürzte im April auf 86,3 Punkte ab. Noch nie sei der Rückgang so stark gewesen, erklärte das Wirtschaftsforschungsinstitut. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland werde steigen.

In allen vier abgefragten Sektoren war der Rückgang des Barometers demnach ohne Beispiel. Bei den Dienstleistern sei er auf ein neues historisches Tief gefallen: Erstmals seit der Finanzkrise wird es hier wieder zu Entlassungen kommen, wie die Umfrage ergab.

In der Industrie setzte sich demnach der Trend rückläufiger Mitarbeiterzahlen, der bereits vor der Krise begann, verstärkt fort. Auch im Handel werde die Mitarbeiterzahl sinken. Einzige Ausnahme seien hier die Supermärkte. Auch der zuletzt boomende Bausektor kann sich laut Ifo „der negativen Beschäftigungsdynamik nicht mehr entziehen“

Düstere Prognosen stellte auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf. Dessen Arbeitsmarktbarometer stürzte im April gegenüber dem Vormonat um 6,8 Punkte auf 93,5 Punkte – das ist der niedrigste Wert seit Bestehen. Der Rückgang sei „beispiellos“.

Zwar werde die Kurzarbeit viele Jobs retten, sagte IAB-Experte Enzo Weber. Da Kurzarbeit alleine aber nicht reiche, sei es außerordentlich wichtig, Konjunkturimpulse zu setzen und Neueinstellungen zu unterstützen und so eine Verfestigung von Arbeitslosigkeit zu vermeiden.

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: einer zur Vorhersage der Arbeitslosenzahlen in den nächsten drei Monate und einer zur Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Die Daten basieren auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen. Die Skala reicht von 90 Punkten für eine sehr schlechte Entwicklung bis zu 110 Punkten für eine sehr gute Entwicklung. (afp)

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