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Ein Blick in die Frankfurter Börse.

Unternehmensgewinne

Unterm Strich ein dickes Plus

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Die jüngsten Qurtalszahlen Zahlen der Dax-Konzerne weisen zweitbestes Ergebnis der Geschichte aus.

Multinationale Konzerne gelten als Inbegriff wirtschaftlicher und politischer Macht, gegen die nationale Regierungen allein nichts auszurichten vermögen. Allerdings kehren sich die Machtverhältnisse nach Ansicht der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) allmählich um: Durch die Abkehr vom Multilateralismus, zunehmende Handelskonflikte und die Rückkehr des Nationalstaats drohten weltweit tätige Unternehmen „zum Spielball nationaler Interessen zu werden“, heißt es in einer EY-Analyse zur Gewinnentwicklung der Dax-Konzerne im zweiten Quartal 2018. Die Zeiten berechenbarerer politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen seien vorbei.

„Diese neue Realität ist für Konzerne, die seit vielen Jahren von der Globalisierung und dem freien Welthandel erheblich profitiert haben, ein Paradigmenwechsel“, schreiben die Analysten. Haben sie Recht?

Zumindest deuten die Dax-Daten für die Monate April bis Juni in diese Richtung: Der operative Gewinn der 30 Börsengrößen ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum um insgesamt vier Milliarden Euro oder elf Prozent auf 33,2 Milliarden Euro zurück, der Umsatz legte nur minimal um 0,5 Prozent auf knapp 336 Milliarden Euro zu. Im ersten Quartal hatten die Gewinne vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit 37,2 Milliarden Euro noch einen Rekordwert erreicht.

Commerzbank mit größtem prozentualen Plus

Allerdings sind Handelskonflikte und Protektionismus nicht die einzigen – und nicht einmal die wichtigsten – Gründe für den jüngsten Ertragsrückgang. Vor allem der im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegene Eurokurs hat die Ergebnisse belastet. EY beziffert den Umsatzrückgang, der dem im Quartalsvergleich rund zehn Cent höheren Eurokurs zum US-Dollar zuzurechnen ist, auf fast zehn Milliarden Euro. Ohne den Währungseffekt wäre der Erlös der Dax-Konzerne im zweiten Vierteljahr um 3,4 Prozent gestiegen. Das klingt weniger nach Paradigmenwechsel und „neuer Realität“ als vielmehr: ziemlich vertraut. Auch der Gewinnrückgang ist bei näherer Betrachtung so dramatisch nicht. Schließlich erzielten die Dax-Unternehmen zwischen April und Juni 2018 immer noch das zweitbeste Gewinnergebnis in einem zweiten Quartal seit Beginn der Aufzeichnungen. So ging der Ebit von Volkswagen zwar um 13 Prozent zurück, mit einem Gewinn von 3,95 Milliarden Euro verdienten die Wolfsburger dennoch prächtig und landeten auf Platz eins der EY-Liste. Auch Konkurrent BMW auf Platz drei fuhr trotz achtprozentiger Einbuße einen ansehnlichen Gewinn von 2,75 Milliarden Euro ein. Und selbst der Daimlerkonzern, der einen Gewinneinbruch von 30 Prozent hinnehmen musste, lag mit 2,64 Milliarden Euro noch deutlich im grünen Bereich.

Das gilt erst recht für den Allianzkonzern mit einem Gewinnzuwachs um zwei Prozent auf knapp drei Milliarden Euro.

Das größte prozentuale Plus konnte übrigens ausgerechnet die Commerzbank verbuchen, die am Donnerstag aus dem Dax fliegen dürfte: Sie erwirtschaftete einen um 129 Prozent auf 400 Millionen Euro gestiegenen Ebit. Verluste machte im zweiten Quartal dagegen nur ein einziges Dax-Unternehmen: der Energieversorger RWE meldete ein Minus von 1,03 Milliarden Euro. Maßgeblich dafür waren allerdings nicht internationale Handelskonflikte, sondern unternehmerische (Fehl-)Entscheidungen.

Das zeigt auch ein Blick auf den Konkurrenten Eon, der sich auf dem veränderten Energiemarkt ähnlichen Herausforderungen gegenübersieht wie RWE, ungeachtet dessen aber einen Quartalsüberschuss von 1,89 Milliarden Überschuss erzielte.

Für verzagte Stimmung angesichts dräuenden Unheils spricht also wenig. Das sehen die Konzerne offenbar ähnlich: Sie investierten im zweiten Quartal nicht nur 12,7 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung – ein Zuwachs von mehr als neun Prozent. Sie stellten auch weiterhin ein: 3,9 Millionen Beschäftigte im zweiten Quartal markieren ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber 2017 – und einen neues Allzeithoch für die Dax-Unternehmen. Paradigmenwechsel? Abwarten.

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