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Alle Jahre wieder: Berge von Verpackungsmüll.
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Alle Jahre wieder: Berge von Verpackungsmüll.

Verpackungsmüll

Unschöne Bescherung

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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An Weihnachten fallen alljährlich riesige Mengen an Papier an - Tendenz steigend. Gerade hochpreisige Geschäfte in Metropolen verpacken ihre Waren immer aufwendiger. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) weist Verbraucher darauf hin, dass viel Energie beim Recycling nötig ist.

Auch beim Geschenkpapier wechseln Jahr für Jahr die Modefarben. An Weihnachten 2013 seien Brauntöne kombiniert mit einem starken Dunkelrot oder - etwas gewagter - mit einem Azurblau angesagt, teilt der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) mit. Das Auspacken als Teil des Schenkrituals gehorcht indes dem immer gleichen Muster. Da muss das Geschenkpapier in Fetzen fliegen.

Überquellende Mülleimer

Doch nach dem Fest quillt der Mülleimer über. Eine unschöne Bescherung. Tatsächlich fallen zum Fest riesige Mengen Papier an, die für eine kurze Zeit  zur schmückenden Verpackung der Präsente dienten. Es gibt keine offiziellen Statistiken. Aber überschlägige Hochrechnung macht die Dimensionen klar: Kommen auf jeden Bundesbürger nur 100 Gramm Geschenkpapier, ergibt das rund 8000 Tonnen. Alles nebeneinander ausgebreitet könnte die Fläche von mehr als 7000 Fußballplätzen bedecken.

Für die Hersteller der meist bunten Umhüllungen ist Weihnachten die mit weitem Abstand wichtigste Zeit im Jahr. 50 Prozent plus x des jährlichen Geschenkpapier-Umsatzes werde an Weihnachten gemacht, sagt Marcus Vogler, Geschäftsführer der Papierfabrik Wickels, die sich auf Edles spezialisiert hat. Die Produktion fürs Fest beginnt schon im Sommer und muss Mitte November abgeschlossen sein, damit das dekorative Verpackungsmaterial rechtzeitig zur heißen Phase des Weihnachtsgeschäfts in den Läden ist. Vogler kann einen klaren Trend erkennen: Bei luxuriösen Papieren wachse die Nachfrage – eine Entwicklung, die sich vor allem in Metropolen erkennen lasse, wo es Läden gibt, die nichts anderes als schickes Geschenkpapier offerieren. 

"Totaler Irrsinn" 

Martin Drews, Bereichsleiter Rohstoff beim VDP, kann dies bestätigen: „Verpackungen werden generell immer aufwendiger, sie spielen beim Marketing eine wachsende Rolle.“ Dieser Trend übertrage sich auf die Geschenke. Wer beispielsweise mit Bekleidung der gehobenen Art an Weihnachten beglückt wird, muss zunächst einmal eine Schleife lösen, dann das Geschenkpapier entfernen, häufig sind feine Strickwaren dann noch einmal in einem Karton verpackt und zudem noch einmal in Seidenpapier eingeschlagen.

Als „totalen Irrsinn“ bezeichnet Thomas Fischer, Experte für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die wachsende Verpackungsflut. Was passiert genau nach dem Fest mit dem Geschenk-Altpapier? Das kommt ganz darauf an, in welche Tonne der Verbraucher es wirft. Landet es in der grauen Restmülltonne, kommt es unweigerlich in eine Müllverbrennungsanlage. Immerhin ist es auch dort noch zu etwas nütze. Papier hat einen hohen Brennwert, verbessert also die Ausbeute an Energie, die in den Anlagen zur Erzeugung von Wärme und Strom gebraucht wird.

Hoher Energieaufwand

Doch eine DUH-Sprecherin macht geltend, dass der Wirkungsgrad relativ gering sei. Als Faustformal gilt, dass bestenfalls nur ein Fünftel der Energie, die einst zur Herstellung des Papiers benötigt wurde, wieder in nutzbare Wärme oder Strom umgewandelt wird, der Rest verpufft. Hinzu kommt die Umweltbelastung, die durch den Transport des Papiers entsteht.  Noch schlechter fällt die Ökobilanz aus, wenn das Geschenkpapier zum Grüne-Punkt-Müll kommt. Dann gelangt es zunächst einmal in eine Sortieranlage. Da es dann mit großer Wahrscheinlichkeit verschmutzt ist, kann es nicht recycelt werden, muss also auch wieder in die Müllverbrennung, allerdings erhöht der Umweg über die Sortierung den gesamten Energie-Aufwand noch einmal erheblich.

Bleibt die blaue Tonne. Auf die baut inzwischen eine ganze Industrie.  Nach den Worten von VDP-Sprecher Gregor Andreas Geiger wird denn auch das  braun-dunkelrote oder braun-azurblaue Papier zum größeren Teil aus Altpapier hergestellt.  Längst gebrauchtes Fasermaterial zum mit Abstand wichtigsten Rohstoff für die Branche geworden. Für 100 Tonnen neues  setzt die Branche 72 Tonnen altes Papier ein. Das ist möglich, weil die Branche immer ausgefeiltere und effizientere Verfahren entwickelt, um Altpapier  aufzubereiten – schließlich gelten die Deutschen als Weltmeister im Papier-Recycling, das in den 80er Jahren von der Politik massiv forciert wurde.  Aber auch in anderen europäischen Ländern wird emsig gesammelt, deshalb wird Altpapier längst wie ein Rohstoff mit tagesaktuellen Notierungen gehandelt, die Preise variieren derzeit je nach Qualität zwischen 20 und mehr 320 Euro pro Tonne, schließlich  wird inzwischen in 56 verschiedene Kategorien unterschieden.

Unüberschaubare Varianten

Geschenkpapier fällt in die Abteilung „untere Sorten“. Zu welchem Preis es verkauft werden kann, hängt davon ab, was sonst noch so in der Tonne liegt und ob der Entsorger es noch einmal sortiert. Davon hängt auch ab, was aus dem bunten Papier vom Weihnachtsabend wird. Wird es als „unsortiertes, gemischtes Altpapier“ weiterverkauft, können daraus Wellpappe oder Eierkartons werden. Kommt es gemeinsam mit ausgelesenen Zeitungen und Illustrierten in die Papierfabrik zurück, kann es wieder zum Verpacken von Präsenten oder für journalistische Produkte genutzt werden.

Allerdings, Geschenkpapier ist nicht gleich Geschenkpapier. Es gibt unüberschaubare viele Varianten. Das kann bunt bedrucktes Einfachpapier sein. Es kann aber auch von der Firma Wickels kommen. Die beschichtet Papier mit einer hauchdünnen farbigen Aluminiumfolie. Zweck der Übung: Damit lässt sich geprägtes Papier mit erhabenen Mustern herstellen. Es gibt  in den großstädtischen Geschenkpapier-Shops  zum Beispiel auch kunststoffbeschichtete Bögen, die fast wie Leder aussehen und sich auch fast so anfühlen.  Wiederverwerten lässt sich auch dieses Papier – so lange der Anteile der fremden Stoffe gering genug ist. Beim Wickels-Papier funktioniert dies, da das Aluminium nur fünf Prozent ausmacht.

Allerdings: Je aufwendiger es hergestellt wurde, umso aufwendiger ist auch die Aufbereitung. In den Papierfabriken stehen dafür sogenannte Pulper. Die sind nichts anderes an überdimensionale Rührmixer, die unter Beigabe von Wasser die Papierfasern herauslösen. Aluminium, Kunststoff, aber auch Büro- und Heftklammern werden aussortiert. Das De-Inking, das Entfärben der Fasern, kann hinzu kommen. Das ist ein Prozess, der den Vorgängen in der einer konventionellen Waschmaschine nahe kommt.

„Trotz aller technischen Fortschritte sollten die Verbraucher nicht vergessen, dass noch immer der Einsatz von enorm viel Energie beim Recycling von Geschenkpapier nötig ist“, sagt die DUH-Sprecherin. Die radikale Lösung, um all dies zu vermeiden: auf Geschenkpapier ganz verzichten und die gute Gabe zum Beispiel nur noch mit einer Schleife zu verzieren. Als Alternative empfehlen Umweltschützer insbesondere im Falle von hochwertigem Papier beim Auspacken eben nicht die Fetzen fliegen zu lassen, sondern mit Bedacht vorzugehen. So lässt es sich auf  ganz einfache Art und Weise mehrfach verwenden.

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