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Wie lange bleibt die Commerzbank noch eigenständig?

Bankenfusion

Unicredit steigt in Poker um Commerzbank ein

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Die italienische Großbank Unicredit macht sich für einen Kauf der Commerzbank bereit - sollte deren Fusion mit der Deutschen Bank scheitern.

Die italienische Großbank Unicredit steht angeblich parat, die Commerzbank zu übernehmen – sollten deren Gespräche über einen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank scheitern. In die derzeit laufenden Fusionsgespräche einmischen wollten sich die Italiener allerdings nicht. Das berichtete am Donnerstag die britische „Financial Times“. Die Commerzbank-Aktie legte daraufhin deutlich zu, die Marktteilnehmer bewerteten es positiv, dass die gelbe Bank als Partner scheinbar begehrt ist.

Die Papiere der Deutschen Bank dagegen gaben nach. Obwohl es kaum Beobachter gibt, die eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank als wirtschaftlich sinnvoll ansehen, würde sich für die angeschlagene Deutsche Bank nach einem Scheitern der Fusionsgespräche mit der Commerzbank die Frage stellen: Was nun? Darauf wie Deutschlands größtes Kreditinstitut alleine aus der Krise finden soll, hat bislang niemand eine Antwort. Zusätzlich stünde die Bank auf ihrem Heimatmarkt einer möglicherweise erstarkten Commerzbank gegenüber, wenn die einen anderen Partner fände.

Schon im Herbst 2017 hatte es Gerüchte gegeben, dass Unicredit Interesse an der Commerzbank habe. Als weiterer potenzieller Käufer wird immer wieder die französische BNP Paribas genannt. Allerdings ist es fraglich, ob die Bundesregierung, die mehr als 15 Prozent an der Commerzbank hält, die Übernahme durch eine ausländische Bank unterstützen würde. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Finanzstaatssekretär Jörg Kukies träumen eher von einem rein deutschen nationalen Champion.

Die Sorge ist, dass eine ausländische Mutter sich im Krisenfall auf ihren Heimatmarkt fokussieren, Kapital aus der Tochter abziehen und damit die deutsche Wirtschaft schwächen könnte. Gerade Unicredit hat dafür Beispiele geliefert. Im Jahr 2005 übernahm der Konzern die Münchener Hypovereinsbank (HVB) und steuert diese nun von Mailand aus – seitdem ist das einst bedeutsame Institut in Deutschland aus der öffentlichen Wahrnehmung fast verschwunden. Im Jahr 2017 zog Unicredit drei Milliarden Euro aus der deutschen Tochter ab, um eigene Kapitallöcher zu stopfen.

Fusion mit der HVB

Dem Bericht der „Financial Times“ zufolge würde Unicredit nur einen Mehrheitsanteil an der Commerzbank übernehmen und diesen dann mit der HVB fusionieren. Die übrigen Anteile würden weiter an der Frankfurter Börse gehandelt.

„Die HVB ist nicht gerade das Paradebeispiel dafür, dass die Übernahme einer deutschen Bank durch eine Auslandsbank vorteilhaft ist“, sagt Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies in Frankfurt. Dennoch meint er: „Das wäre keine Traumhochzeit für die Commerzbank, aber besser als eine Übernahme durch die Deutsche Bank.“ Vor allem auch für die Mitarbeiter: Experten rechnen nach einer Fusion der gelben und der blauen Bank mit dem Abbau von bis zu 30 000 Jobs. Ein Zusammenschluss von HVB und Commerzbank würde deutlich weniger Arbeitsplätze kosten.

Die HVB ist mit ihren 340 Filialen vor allem in Süddeutschland im Privatkundengeschäft vertreten, auch das Firmenkundengeschäft ist stark auf den Süden konzentriert. Im Investmentbanking ist das Institut, das rund 12 200 Mitarbeiter beschäftigt, breiter aufgestellt als die Commerzbank. „Commerzbank und HVB haben relativ wenig Überlappungen und würden sich ergänzen“, meint Brühl.

Unicredit könnte sich durch die Übernahme weiter vom schwierigen italienischen Bankenmarkt lösen. Das Institut ist auch stark in Österreich und Osteuropa. Allerdings dürfte ein Kauf der Commerzbank gerade durch ein italienisches Kredithaus der deutschen Regierung kaum gefallen, da der italienische Bankenmarkt instabil ist.

Unicredit steht aber gut da. Nach einer Kapitalerhöhung von 13 Milliarden Euro und einer radikalen Restrukturierung vermeldete die Bank 2018 einen Gewinn von 3,9 Milliarden Euro. Der Börsenwert liegt bei 26,8 Milliarden Euro, die Commerzbank ist 9,3 Milliarden Euro wert.

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