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Bei einem Kaufpreis von knapp 500.000 Euro dürfte der vor einem Cafe in München geparkte Lamborghini wohl einem Millionär gehören.

Reichtum und Armut

Die Ungleichheit wächst

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Die Bundesregierung teilt mit: In Deutschland gibt es so viele Einkommensmillionäre wie nie zuvor.

In Deutschland gibt es so viele reiche Menschen wie nie. Die Zahl der Menschen, die Einkommen von mehr als einer Million Euro im Jahr versteuern, ist bis 2014 auf 17.192 gestiegen. Sie liegt damit doppelt so hoch wie im Jahr 2004. Das geht aus Angaben der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Pascal Meiser hervor, die der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Generell zeigt die Statistik, dass die Reichen in Deutschland immer reicher werden und die Kluft zu den Menschen mit niedrigen Einkommen wächst. „Die große Koalition tut nichts, um diese Entwicklung zu stoppen oder gar rückgängig zu machen“, klagt der Berliner Abgeordnete Meiser, der gewerkschaftspolitischer Sprecher der Linken-Fraktion ist. „In Zeiten, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt zusehends erodiert, ist eine solche Ignoranz, ein Spiel mit dem Feuer“, urteilt Meiser über die Arbeit der Groko.

Die Zahl der Einkommensmillionäre war 2004 auf 8647 gesunken, nachdem sie 2001 bereits bei 11 383 reichen Menschen gelegen hatte. In den Jahren seit 2007 schwankte sie zwischen 13.000 und knapp 16.000 Einkommensmillionären. 2014 überstieg sie dann die Marke von 17.000.

Die Angaben beziehen sich auf die Lohn- und Einkommenssteuerstatistik des Statistischen Bundesamts. Neuere Zahlen sind darin nicht enthalten.

Die Antworten der Regierung auf Meisers Fragen belegen, dass die Gutverdienenden in Deutschland einen immer größeren Anteil vom Kuchen abbekommen. Die zehn Prozent mit den höchsten Einkommen verfügten im Jahr 2015 über 23,4 Prozent der gesamten Einkommen. Die zehn Prozent mit den geringsten Einkommen erhielten hingegen nur 3,3 Prozent des verteilten Geldes. Diese Zahlen sind die aktuellsten, die verfügbar sind.

Im Jahr 2000 war dieses Verhältnis für die Armen noch etwas besser ausgefallen. Damals erzielte das untere Zehntel immerhin 3,9 Prozent der Einkommen, während das oberste Zehntel auf 21,3 Prozent kam.

Im Laufe der Jahre hatten die Reichen zeitweise noch besser dagestanden als heute, mit einem Einkommensanteil von 23,8 Prozent im Jahr 2007. Der Anteil für die Armen kam hingegen nie wieder an die 3,9 Prozent der Jahre 2000 und 2001 heran.

Eine besonders bittere Lage weist die Statistik für das unterste Prozent der Steuerstatistik aus. Diese Menschen verbuchten im Schnitt mehr Verluste als sie an Einkommen erzielten. Betroffen waren nach Auskunft der Bundesregierung vor allem Selbstständige. Ein negatives Jahresergebnis könne sich ergeben, „wenn die selbstständige Tätigkeit Verlust einbrachte“, oder es könne „Folge von Steuernachzahlungen“ sein, merkt die Bundesregierung in ihrer Antwort an.

In keinem deutschen Flächenland sind die Einkommen so ungleich verteilt wie in Hessen. Darüber gibt der nach einem italienischen Statistiker benannte Gini-Koeffizient Auskunft. Er bewegt sich zwischen null und eins. Je höher er ausfällt, desto ungleicher sind die Einkommen in einer Gesellschaft verteilt.

Der niedrigste Gini-Koeffizient wurde von den Statistikern für Thüringen mit 0,24, Sachsen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 0,25 ermittelt. Am höchsten fiel die Quote für Hamburg mit 0,32 aus, gefolgt von Hessen und Bremen (jeweils 0,31). Diese Daten stammen von 2017, haben sich aber im Laufe der vergangenen Jahre kaum verändert.

„Die neuen Zahlen bestätigen all die, die seit Jahren vor der immer weiter auseinanderklaffenden Einkommensschere warnen“, findet der Linken-Politiker Meiser. Er forderte „einen armutsfesten Mindestlohn und eine Stärkung der Tarifbindung“, um die wachsende Ungleichheit bei den Einkommen einzudämmen. Notwendig sei außerdem „eine große Steuerreform, die die unteren und mittleren Einkommen entlastet und dafür die Reichen und Superreichen in unserem Land stärker zur Kasse bittet“.

International ist die Lage der Ungleichheit höchst unterschiedlich. Für Deutschland liegt der Gini-Koeffizient bei knapp 0,3. Weit höher fällt die Ungleichheit in den Vereinigten Staaten (0,39), Großbritannien (0,35) und Italien (0,33) aus. Geringer ist er in skandinavischen Ländern wie Finnland, Dänemark (je 0,26) und Norwegen (0,27), in Österreich (0,28) oder osteuropäischen Staaten wie Tschechien (0,26) und der Slowakei (0,25).

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