Gastwirtschaft

Ungezügelter Welthandel

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Schützen Zölle die Umwelt?

Die sogenannten Klassiker der Ökonomie wie Adam Smith und David Ricardo schwärmten von Arbeitsteilung und friedlichem Wettbewerb. Nicht alle sollten alles produzieren, sondern jede Region das, was sie am besten konnte. Die einen Tuch und die anderen Kekse. Was ist aus diesem an sich vernünftigen Ansatz heute geworden? Dass Japaner unbedingt deutsche Autos fahren müssen und Deutsche unbedingt japanische. Ist das noch die Ökonomie der Klassiker? Oder ist es nicht längst das genaue Gegenteil, wenn zwei das Gleiche produzieren und es dann kreuzweise über den halben Globus transportieren?

Ist es wirklich vernünftig, dass ausnahmslos alle US-Fahrräder heute in China produziert werden und den US-Fahrradläden nur noch etwas Endmontage bleibt? Ganz abgesehen vom Transportaufwand. Was damals vernünftig, weil noch halbwegs regional war, ist heute global und national. Das führt zu der Frage: Weshalb ist Nationalismus bei den globalen Wirtschaftseliten so verpönt, während dagegen rücksichtsloser Wirtschaftsnationalismus so hoch im Kurs steht?

Diese Art von ungezügeltem Welthandel ist einer der Hauptursachen der Klimakrise. Er hat ein gigantisches überflüssiges Frachtervolumen geschaffen mit eigener Schwerölproblematik, mit gigantischen Umschlagshäfen und leichtsinniger Container-Logistik. Er ist Teil des antiregionalen Transport- und Mobilitätswahns der globalen Wirtschaftseliten, bei dem am Ende das Berliner Bundespräsidialamt mit indischem Marmor und Mario Bottas Dortmunder Stadtbibliothek mit schwedischem Sandstein verkleidet werden. Er schafft dauernd vermeidbare Transporte, vermeidbaren Energieverbrauch, vermeidbare Arbeit.

Schafft er überhaupt noch Werte? Ist es überhaupt noch Ökonomie, im Sinne von „oikos“, von „haushalten“? Oder ist es nicht längst eine Riesen-Wertvernichtungsmaschinerie, in der alles zum vermeintlichen „Wachstumsmotor“ hochgelogen wird: Ungleichverteilung, Bullshitjobs, Lohndumping, Arbeitslosenschikane, Rüstung, Verpackung, Datenklau, Beleuchtungsexzesse?

Da wäre es tatsächlich ein Fortschritt, wenn BMW-Autos für die USA nur noch in North-Carolina produziert würden. Und sich der Wirtschaftsnationalismus hier nur noch auf die Renditen der Familie Quandt beschränkt.

Der Autor ist emeritierter Professor für Industrialisierung und Verteilungs- und Wachstumskritiker.

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