Was hat es mit Geschäften von Wirecard auf sich?
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Was hat es mit Geschäften von Wirecard auf sich?

Wirecard

Unfähig oder kriminell

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Hat Wirecard knapp zwei Milliarden Euro verloren oder erfunden? Das müssen die Ermittlungen jetzt zeigen.

Einfach zu durchschauen waren die Geschäfte von Wirecard noch nie. Das liegt in deren Natur. Der Zahlungsdienstleister stellt keine Autos oder andere sichtbaren Güter her. Er ist auch keine Bank, wie Verbraucher sie kennen. Wirecard vermittelt bargeldlose Zahlungsströme anderer Firmen und deren Kunden, was global als die Zukunft modernen Wirtschaftens gilt. Bei dieser Schlüsseltechnologie ist das Unternehmen Weltmarktführer und damit einer der wenigen Internetkonzerne von Weltrang aus Deutschland. Zumindest dachte man das bislang.

Im günstigsten Fall haben sich die technologieverliebten Manager grenzenloser Leichtgläubigkeit und bilanzrechtlicher Unfähigkeit schuldig gemacht. Im schlimmsten Fall hat der eine oder andere von ihnen mitgemischt. Das müssen die Ermittlungen erst noch zeigen. Befürchten muss man mittlerweile, dass große Teile des Geschäfts nur auf dem Papier existiert haben und Scheinumsätze in den Bilanzen stehen. Zudem sind gut 1,9 Milliarden Euro spurlos verschwunden.

Offiziell ist Wirecard bislang davon ausgegangen, dass Treuhandkonten mit knapp zwei Milliarden Euro von Singapur auf die Philippinen übertragen wurden. Dort sind sie aber nicht. Entweder wurden sie mit unbekannter Bestimmung verschoben oder sie haben nie existiert, etwa weil die zugrunde liegenden Geschäfte schon eine Erfindung waren. So oder so, es gibt keine guten Antworten, die alles in Wohlgefallen auflösen. Nach Lage der Dinge wäre es schon ein Erfolg, wenn Wirecard als solches überlebt. Die Technologie wäre es wert.

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