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Handel in Frankfurt: Der Dax notiert wieder nahe am Allzeithoch.

Trotz schlechter Nachrichten

Unerschrockene Börsianer

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Coronavirus hin oder her: Die Aktienindizes steigen und steigen. Schlechte Nachrichten beeindrucken die Anleger kaum. Es gibt schließlich auch Positives - aus China.

Das Coronavirus, der Brexit und jetzt auch noch der Auftragsrückgang für die deutsche Industrie - an schlechten Nachrichten fehlt es nicht. Doch die Börsianer lässt das kalt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte auch am Donnerstag zu, den nun vierten Tag in Folge, und notierte damit wieder nahe am Allzeithoch. Maßgeblich dafür war, dass die chinesische Regierung Strafzölle auf Einfuhren aus den Vereinigten Staaten gesenkt hat. Damit beruhigt sich der Handelskrieg zwischen den beiden Ländern.

Nach Angaben des Finanzministeriums in Peking werden die Sätze vom 14. Februar an für 916 Produkte von zehn auf fünf Prozent gesenkt – darunter sind Schweinefleisch, Sojabohnen und Fisch. Für Autoteile und 800 weitere Warengruppen gelten dann nur noch Zuschläge von 2,5 Prozent, bislang waren es fünf Prozent. Insgesamt haben die Senkungen ein finanzielles Volumen von 75 Milliarden Dollar (68 Milliarden Euro). Mit diesem Schritt vollzieht die Regierung in Peking Vereinbarungen vom 15. Januar, die ein erster Schritt zur Beilegung des Handelskrieges zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt sein sollen.

Zuvor hatte die US-Regierung bereits Strafzölle auf Importe aus China in einem ähnlichen Umfang zurückgefahren. Damit sind keineswegs alle Handelsschranken beseitigt. Viel wichtiger ist aber offenbar die Signalwirkung. Dabei spielt das Timing eine Rolle. Die Absenkungen folgten unmittelbar auf das Ende des Impeachment-Verfahrens gegen US-Präsident Donald Trump – als eine Art vertrauensbildende Maßnahme. Zugleich teilte das Finanzministerium mit, die nächsten Schritte würden von der Entwicklung der wirtschaftlichen Situation beider Länder abhängen. Man hoffe, dass mit dem Bekenntnis zu den Vereinbarungen das Vertrauen der Märkte gestärkt und ein globales Wirtschaftswachstum erleichtert werde.

Die Senkung der Zölle macht es nun nicht nur US-Firmen leichter, ihre Produkte loszuschlagen. Auch chinesische Unternehmen können profitieren – etwa Autobauer, die Komponenten aus den USA wieder billiger einkaufen können. Das ist momentan besonders wichtig: Viele Firmen haben wegen der Corona-Epidemie die Produktion entweder zurückgefahren oder vorübergehend eingestellt. Zugleich spricht vieles dafür, dass die chinesische Seite mit dem Gesprächsangebot auch auf ein weiteres Entgegenkommen der Trump-Regierung in Handelsfragen hofft, um die Verwerfungen durch das Corona-Virus einzudämmen. In der Vereinbarung vom 15. Januar wurde festgehalten, dass man bei Naturkatastrophen oder anderen unvorhersehbaren Ereignissen erneut verhandeln werde. Im günstigsten Fall könnte also die Epidemie weitere Einigungen im Handelskonflikt beschleunigen. Klar ist aber auch, dass die Quarantäne für viele Millionen Menschen den Handel zwischen den beiden Ländern vorerst deutlich nach unten ziehen wird.

Doch Aktienhändler in Europa sehen derzeit nur die positiven Aspekte. Der Dax startete am Donnerstag auf einem Niveau nahe dem historischen Höchstwert von 13 640 Punkten. Seit Ende voriger Woche ist das Börsenbarometer um fast fünf Prozent gestiegen. Auch beim Stoxx Europe 600 mit den wichtigsten europäischen Papieren ging es spürbar nach oben.

Neben China sorgte die Prognose des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor-Mittal für Aufsehen. Das Management sieht Anzeichen für eine strammere Nachfrage nach Stahl – dies kann getrost als ein positiver Indikator für die gesamte Wirtschaft betrachtet werden. Auch Bankaktien waren gefragt, weil die italienische Unicredit Geschäftszahlen vorlegte, die deutlich besser waren als erwartet. All das malt das Bild einer sich aufhellenden Konjunktur. Nicht ins Bild passt, dass die Industrieunternehmen hierzulande einen überraschenden Rückgang beim Auftragseingang im Dezember verzeichneten. Vor allem aus dem Ausland wurde weniger bestellt. Der Brexit war dabei offenbar ein wichtiger Faktor.

Börsianer ließen sich auch von diesen Daten die Laune nicht verderben. Ohnehin werde nur eine kurzfristige konjunkturelle Delle erwartet, von der sich die Unternehmen aber schnell erholen würden, so Joe Sidle, Investmentchef der Fondsgesellschaft Blackrock. Dabei spielt eine wichtige Rolle, dass die chinesische Notenbank Unternehmen mit billigem Geld versorge, damit diese Einbußen besser verkraften könnten. Und viele Analysten gehen überdies davon aus, dass der Höhepunkt der Corona-Epidemie in den nächsten zwei Wochen erreicht wird und die Lage sich danach entspannt. Hinzu kommen Spekulationen über einen Impfstoff, der angeblich demnächst zur Verfügung stehen soll. Alberto Tocchio vom Schweizer Vermögensverwalter Colombo Wealth sagte der Finanznachrichtenagentur Bloomberg, 2020 werde sehr interessant – mit erheblich stärkeren Schwankungen an den Finanzmärkten als in den vorangegangenen Jahren.

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