Datenvolumen

Unendlich surfen

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Die Deutsche Telekom lanciert einen Mobilfunktarif ohne Begrenzung des Datenvolumens ? und verlangt dafür einen happigen Preis.

Die Telekom wagt einen großen Schritt und spricht sogar von Unendlichkeit. Dabei geht es nicht um Metaphysisches, sondern schlicht um Mobilfunk ohne eine Begrenzung beim Datenvolumen. Das kann im Geschäft mit der Datenübertragung per Funk einiges in Bewegung bringen. Seit der Geburt des mobilen Internets wird der Transport der Bits und Bytes rationiert. Die Tarife sind mit bestimmten Datenmengen verknüpft. Werden diese überschritten, wird die Übertragungsgeschwindigkeit häufig so stark gebremst, dass das Surfen im Internet kaum noch möglich ist, geschweige denn das Abrufen von Musik oder Filmen. 

Es sei schon lange der Wunsch von Nutzern gewesen, das Smartphone ohne Beschränkung zu nutzen, sagt Telekom-Deutschlandchef Dirk Wössner. „Dem kommen wir jetzt nach.“ Der Ex-Monopolist führt den sogenannten XL-Tarif ein. Das bedeutet: Die Kunden können mit ihren Geräten so viele Filme anschauen und Songs hören, wie sie wollen, eine Bremse bei der Datenrate gibt es nicht mehr. Das hat allerdings seinen Preis. Nämlich knapp 80 Euro im Monat. 

Damit wird das Mobilfunkangebot des Marktführers der Festnetznutzung immer ähnlicher, wo Daten-Drosselungen bislang nicht durchsetzbar waren. Der neue Tarif bedeutet: ein Aufschlag von 25 Euro auf das bislang teuerste Angebot des Konzerns. Bei dem war die Datennutzung aber auf sechs Gigabit begrenzt. Und sechs Gigabit sind innerhalb eines Monats schnell verbraucht, wenn man tatsächlich mit dem Smartphone oder dem Tablet Filme abruft.

Die Bonner versprechen allzeit schnelle Zugänge ins Internet, mit einer Datenrate von bis zu 300 Megabit pro Sekunde – das ist erheblich schneller als die eigenen Offerten für das Festnetz. Experten erwarten, dass die Telekom mit ihrem Angebot nicht lange allein stehen dürfte.

In der Vergangenheit konnte sich keiner der drei Netzbetreiber (Telekom, Vodafone und Telefónica/O2) erlauben, dauerhaft hinter den anderen her zu hinken. Dafür ist der Wettbewerb in der Branche zu hart. Es laufen praktisch permanent Preiskämpfe. Das haben auch die Mobilfunker der Telekom zu spüren bekommen. Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer sackte zum Ende des vorigen Jahres wieder auf 13 Euro ab. Während die Rivalen von Vodafone 15,40 Euro verzeichnen. Bei den Vertragskunden von Telefónica waren es mit 15,20 Euro zwar kaum weniger. Allerdings ging es auch hier nach unten, und zwar um 50 Cent zum Vorquartal. 

In der Branche besteht kein Zweifel, dass eine kluge Preispolitik bei den Datentarifen der alles entscheidende Faktor für die Rendite geworden ist. Deshalb versucht die Telekom jetzt mit dem stolzen XL-Tarif, die Umsätze nach oben zu schieben. Sie zielt dabei vor allem auf die eigenen Kunden, denen die sechs Gigabyte mit Hochgeschwindigkeit zu wenig waren. Als zweite Gruppe haben die Bonner Strategen die Nutzer des Stream-On-Angebots im Blick. Seit knapp einem Jahr können Kunden ausgewählte Dienste wie Netflix oder Apple Music kostenlos nutzen, ohne dass die abgesaugten digitalen Informationen beim monatlichen Datenvolumen angerechnet werden. „Wir erwarten, dass es eine Migration von Stream On zum XL-Tarif geben wird“, sagt Michael Hagspihl, Chef der Privatkundensparte. Das neue Angebot hat den Vorteil, dass es unlimitiert ist, für alles gilt, was das Internet zu bieten hat. Stream On ist auf 200 „Partner“ beschränkt. 

Doch niemand weiß derzeit genau, wie groß die Gruppe der Intensivnutzer ist, die tatsächlich bereit sind, die 80 Euro zu zahlen. Laut Wössner sorgen fünf Prozent der Mobilfunkkunden für 80 Prozent des Datenverkehrs. Der Manager hat kürzlich bei der Präsentation der Telekom-Jahreszahlen aber auch verraten, dass der durchschnittliche Vertragskunde derzeit nur 1,6 Gigabyte pro Monat aus dem Netz saugt. Allerdings sind die Wachstumsraten hierbei immens. Bei der Telekom war es 2017 ein Plus von gut einem Drittel. 

Und kein Branchenkenner zweifelt daran, dass der Datenhunger weiter wachsen wird. Die Haupttreiber dafür sind die Streaming-Angebote von Netflix, Sky und Co, die allesamt nicht nur für den heimischen Fernseher, sondern auch für Smartphones oder Tablets bereitgestellt werden. Vielfach wird dabei derzeit auch unterwegs mit Wlan operiert. Mit dem XL-Tarif soll sich die Suche nach drahtlosen lokalen Netzwerken erübrigen. 

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