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„Und so was nennt sich Großbank“

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Von: Nina Luttmer

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Filiale der Commerzbank in der Frankfurter Innenstadt. Im Hintergrund der Commerzbank-Turm, Zentrale der Bank.
Filiale der Commerzbank in der Frankfurter Innenstadt. Im Hintergrund der Commerzbank-Turm, Zentrale der Bank. © Imago

Die Commerzbank hat kaum noch Kassen in ihren Filialen – das sorgt für Unmut unter den Kundinnen und Kunden.

Als die beiden Sicherheitsmänner vor die Tür treten und erklären, dass die Bankfiliale um 13 Uhr – also in knapp 30 Minuten – für die Mittagspause schließen werde und nicht mehr alle Wartenden bedient werden könnten, gehen einem Kunden komplett die Nerven durch und Manieren verloren. „Ich komme gleich rein und verprügel euch“, ruft er den Sicherheitsleuten zu.

So weit gehen die anderen, etwa 20 Menschen vor der Tür der Commerzbank-Filiale in der Junghofstraße in Frankfurt nicht. Doch die Emotionen kochen dennoch bei vielen hoch. Einem Mann stehen die Tränen in den Augen. Er sei beklaut worden, seine EC- und Kreditkarten weg und er müsse unbedingt an die Kasse der Bank, um Geld zu bekommen. Ein anderer Mann schimpft: „Und so was nennt sich Großbank. Ich komme mir hier vor wie beim Arbeitsamt, stehe schon seit 40 Minuten in dieser Schlange. Das ist echt ein Grund, mein Konto zu kündigen“.

Alle Wartenden wollen zur Kasse der Commerzbank, die meisten benötigen höhere Barbeträge. Das Problem: Im gesamten Stadtgebiet von Frankfurt gibt es nur noch drei Commerzbank-Filialen mit Kassen, davon sind nur zwei jeden Tag geöffnet. Die beiden „Vollzeit“-Kassen befinden sich in der Hostatostraße in Höchst, also weit im Westen der Stadt, und in der Junghofstraße in der Innenstadt, mittwochs bis freitags ist auch noch eine Kasse in der Filiale am Rossmarkt im Zentrum geöffnet. In allen anderen Filialen finde sich nur Schilder an den Türen „Kasse geschlossen“ – oft ohne den Hinweis, wo denn noch eine zu finden ist. Und so merkt eine ältere Dame vor der Tür der Junghofstraße in bitterem Ton an, dass die Bank eben alle Kundinnen und Kunden ins reine Online-Banking ohne Filialkontakt zwingen wolle. Am Morgen hatte sie bereits im Stadtteil Bornheim erfolglos nach einer Kasse gesucht.

Personalreduktion und Filialschließungen

Das Bild, das sich diese Woche in der Junghofstraße geboten hat, ist keine Ausnahme. „Jeden Tag ist das hier so“, sagt der Sicherheitsmann auf die Frage, ob oft so lange Schlangen vor der Bank stünden und sie mit dem Unmut der Kundschaft zu kämpfen hätten – und der zweite nickt. Die beiden machen einen guten Job, bleiben trotz aller Aggressionen, die ihnen entgegenschlagen, höflich und ruhig.

Was der Vorgang zeigt, ist, was Filialschließungen und der kontinuierliche Personalabbau bei Banken – nicht nur bei der Commerzbank – konkret für Kundinnen und Kunden bedeuten können. Und das selbst in Großstädten mit einem noch halbwegs dichten Filialnetz. Zudem verdeutlicht es, was auch die Beschäftigten der Banken aushalten müssen – nämlich mitunter extrem unzufriedene Kundinnen und Kunden, die ihrem Unmut laut Luft machen.

450 Filialen will die Commerzbank Ende dieses Jahres deutschlandweit noch betreiben, vor der Pandemie hatte sie noch 1000. Davon sollen noch hundert eine Kasse haben, sagte ein Commerzbank-Sprecher auf Nachfrage. Als eine Basisdienstleistung, die zumindest in größeren Filialen noch vorhanden sein sollte, sieht die Bank eine Kasse demnach nicht an. Dabei ist die Nachfrage nach dem Service – nimmt man die Warteschlange vor dem Geldhaus zum Maßstab – offenbar da.

Ob dies nur ein Problem der Commerzbank ist, ist offen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) sowie der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) erklärten auf Nachfrage, dass sie keinen Überblick darüber haben, in wie vielen ihrer Filialen in Deutschland es noch eine besetzte Kasse gibt. Eine Sprecherin der Deutschen Bank dagegen sagte: „Der Großteil der rund 400 Filialen der Deutschen Bank verfügt über eine Kasse.“

2000 Euro pro Tag am Automaten

Der Commerzbank-Sprecher wies darauf hin, dass Kund:innen aber im Regelfall 2000 Euro am Tag am Geldautomaten ziehen könnten. Außerdem könnten sie bis zu 20 000 Euro am Automaten erhalten, wenn sie vorher beim Kundenservice der Bank anrufen – der Auftrag sei dann 96 Stunden lang gültig.

Zudem würde die Bank im Herbst die Anzahl der Beratungscenter von derzeit drei auf dann zwölf aufstocken – dort könnten Kund:innen sich telefonisch, per Chat oder Videocall beraten lassen. „Damit werden zusätzlich die Mitarbeitenden in den Filialen deutlich entlastet“, sagte er. Das Problem fehlender Kassen wird damit allerdings nicht gelöst. Womöglich erfahren dann allerdings mehr Kund:innen, welche Optionen ihnen über den Geldautomaten offenstehen.

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