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Für Anleger sind Pandemie-Anleihen insofern interessant, als dass es zu grenzüberschreitenden Infektionen haufenweise Daten gibt.

Analyse

Unappetitliche Überlegungen

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Katastrophen-Bonds sind bei Investoren beliebt, um das Risiko zu streuen. Gilt das auch für Pandemie-Anleihen, wie sie die Weltbank aufgelegt hat? Die Analyse.

In Sachen Klimaschutz warnen marktliberale Stimmen gerne vor staatlichen Verboten und Vorgaben wie zum Beispiel einer CO2-Steuer. Stattdessen wird auf „marktwirtschaftliche“ Mechanismen wie den Emissionsrechtehandel gesetzt. Denn ohne den Markt, so heißt es, funktioniere Klimaschutz nicht und gegen ihn schon gar nicht, was bedeutet: Die notwendige Senkung der CO2-Emissionen gelingt nur, wenn daraus ein Geschäft für die Unternehmen gemacht wird. Ähnlich argumentiert wird zuweilen beim Katastrophen- und Pandemieschutz. Auch hier könnte der Markt Versicherungslösungen anbieten. Doch der aktuelle Fall des Corona-Virus zeigt den Haken an derartigen „Lösungen“.

Die Weltbank hat vor einiger Zeit sogenannte Pandemie-Anleihen aufgelegt. Diese Anleihen brachten dem Investor relativ hohe Zinsen. Im Falle einer Pandemie allerdings verlor er all sein Geld, das die Weltbank dann in die Bekämpfung der Krankheit steckte. Gedacht waren diese Anleihen als eine Art Private-Public-Partnership, durch die Privatanleger einige der Risiken der Ebola-Seuche übernehmen sollten.

Die britische „Financial Times“ wies kürzlich auf die Fallstricke von Pandemie-Anleihen hin. So stellt sich bei ihnen die Frage: Wann wird der Pandemie-Fall ausgelöst, wann verliert der Investor also sein Geld? Das führt zur Frage: Wann liegt eine Pandemie vor? Antwort: Erst wenn Todesfälle in mehreren Ländern vorkommen – eine Vielzahl von Toten in nur einem Land reicht nicht aus. Die Weltbank hätte also nur mit einem Lastwagen einige Leichen vom anderen Ufer des Kongo über die Grenze nach Ruanda schaffen müssen, um den Pandemiefall auszulösen, zitiert die FT einen Investor.

Für Anleger sind Pandemie-Anleihen insofern interessant, als dass es zu grenzüberschreitenden Infektionen haufenweise Daten gibt, das Risiko daher berechenbar scheint – anders als beispielsweise bei Erdbeben, die wesentlich unerwarteter auftreten. Der aus Investorensicht entscheidende Nachteil dieser Anleihen ist dagegen, dass sie sich nicht zur Diversifikation des Anlagerisikos eignen. Das heißt: Tritt eine Pandemie auf, so besteht eine gute Chance, dass die Wirtschaft betroffen wird – wie man derzeit am Fall Corona sehen kann. Und das bedeutet: Der Investor verliert im Krisenfall nicht nur sein Geld aus der Pandemie-Anleihe, sondern erleidet unter Umständen auch Verluste seiner Aktien oder anderer Anleihen. Für Finanzanleger sind Pandemien also nicht per se schlecht, sie sind bloß mit den Finanzmärkten korreliert, schreibt Matt Levine auf Bloomberg.

Anders ist das bei Katastrophen wie Tropenstürmen oder Erdbeben. Sie treffen zwar einzelne Länder und richten dort Zerstörungen an. Doch nicht in jenen Ländern, die für die Weltfinanzmärkte von Bedeutung sind. Der Investor hat bei Katastrophen-Anleihen also einen Diversifikationsvorteil: Wenn das Erdbeben eintritt, verliert er zwar sein Geld, seine anderen Anlagen schneiden aber weiter gut ab und er kann den Verlust wegstecken. Geht es an den Finanzmärkten dagegen abwärts, so kassiert er immer noch seinen hohen Zins aus den Erdbeben-Bonds. Dass beides eintritt – ein Kursrutsch an den Finanzmärkten und ein Erdbeben in Afrika – ist sehr unwahrscheinlich.

Mit solch unappetitlichen Berechnungen beschäftigen sich die Anleger, die ihre risikogewichteten Erträge optimieren wollen. Der Markt kann einfach alles.

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