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UN-Ozeankonferenz: Hitzewellen im Meer

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Von: Joachim Wille

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Auch Meeresvögel wie diese Braunpelikane leiden unter steigenden Wassertemperaturen.
Auch Meeresvögel wie diese Braunpelikane leiden unter steigenden Wassertemperaturen. © imago

Die Ozeankonferenz der Vereinten Nationen soll Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel bringen. Dass die Zeit drängt, zeigt ein Phänomen im Pazifik.

Es ist ein gigantischer „Wärmepool“: Im Nordpazifik hat sich ein drei Millionen Quadratkilometer großer Warmwasserkörper gebildet, der dort besonders starke marine Hitzewellen auslöst. Das Phänomen ist mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf den menschengemachten Treibhauseffekt zurückzuführen, wie ein Forschungsteam der Universität Hamburg jetzt nachgewiesen hat.

Die Weltmeere puffern den Klimawandel ab, indem sie Wärme und CO2 aufnehmen. Auf den Landflächen ist er dadurch abgemildert. Doch in den Ozeanen sind die Folgen zunehmend spürbar. Die Wassertemperaturen erreichen praktisch jährlich neue Rekorde und es bilden sich marine Hitzewellen, besonders häufig im Nordostpazifik.

Marine Hitzewellen sind ein junges Gebiet in der Meeresforschung. Die Umweltorganisation WWF definiert sie als „temporäre Erwärmung eines bestimmten Meeresgebiets, die weit über dem üblichen Temperaturanstieg im Jahresverlauf liegt“.

Das Hamburger Forschungsteam zeigt in seiner Studie, dass die Temperatur im Nordostpazifik in den vergangenen 25 Jahren im Schnitt um 1,25 Grad gestiegen ist. Die Region kühlte danach im Winter insgesamt weniger ab und der Sommer dauerte im Mittel 37 Tage länger. Dies hat dazu geführt, dass dort allein in den vergangenen 20 Jahren 31 marine Hitzewellen auftraten, während es von 1982 bis 1999 nur neun gewesen sind.

Eine Hitzewelle mit besonders starken negativen Folgen fand 2014/15 statt, genannt „Pacific Ocean Blob“. Die biologische Produktivität des Meeres brach ein, giftige Algenblüten traten auf und eine hohe Zahl von Seevögeln und Meeressäugern starb. Zudem beförderte der „Blob“ heftige Dürren an der US-Westküste. Die jüngste Hitzewelle dauerte sogar drei Jahre an, von 2019 bis 2021. Die Wassertemperatur lag sechs Grad Celsius über normal.

Das Team um Atmosphärenforscherin Armineh Barkhordarian konnte in der Studie belegen, dass die Drei-Jahres-Welle direkt auf den Klimawandel zurückgeht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch ohne den Einfluss des Menschen stattgefunden hätte, betrage weniger als ein Prozent, heißt es darin. Dazu wurde eine sogenannte Attributionsanalyse durchgeführt, also der Anteil an Hitzewellen im Meer berechnet, der auf die vom Menschen zusätzlich emittierten Treibhausgase zurückzuführen ist. Der Wärmepool werde die Wassertemperatur auch in Zukunft ansteigen lassen und so zu häufigeren und stärkeren lokalen Hitzewellen im Ozean führen, sagt Barkhordarian voraus. „Das birgt nicht nur enorme Gefahren für die Biodiversität. Es kann auch dazu führen, dass in marinen Ökosystemen eine Schwelle überschritten wird, nach der eine Erholung nicht mehr möglich ist.“

Die Weltmeere sind freilich nicht nur durch die Klimaerwärmung unter Druck, auch andere Einflüsse wie Schadstoffeinleitung, Versauerung, Überfischung oder die Nutzung als Endlager für Plastikmüll machen ihnen seit langem zu schaffen. Um Lösungsvorschläge dazu geht es auf der zweiten Ozeankonferenz der Vereinten Nationen (UNOC), die am heutigen Montag in Lissabon beginnt. „Wir müssen jetzt handeln. Und zwar alle“, forderte deshalb der UN-Sondergesandte für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Ozeane, Peter Thompson. Die Tagung geht bis Freitag.

Auf der Konferenz, die wegen Corona mit zweijähriger Verzögerung stattfindet, sollen gemeinsame Instrumente zur Rettung des gefährdeten Ökosystems auf den Weg gebracht werden. Unter anderem sollen bis 2030 rund 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz gestellt werden. Derzeit sind es nach Angaben von WWF erst sieben Prozent.

An der Konferenz nehmen 5000 Menschen aus etwa 150 Staaten teil, darunter Deutschland mit Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne). Auch UN-Generalsekretär António Guterres und der US-Klimasonderbeauftragte John Kerry haben sich angekündigt, möglicherweise werden zudem Staats- und Regierungschefs wie Boris Johnson aus Großbritannien und Emmanuel Macron aus Frankreich kommen. Neben Gastgeber Portugal ist Kenia Mitorganisator der Konferenz, die eigentlich schon 2020 abgehalten werden sollte, aber aufgrund der Corona-Pandemie verschoben wurde.

Nicht unumstritten dürfte angesichts des Ukrainekriegs sein, dass auch der russischer Klimabeauftragte Ruslan Edelgerijewin Lissabon dabei sein wird. Er gilt als Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin. Guterres hatte darauf bestanden, darauf, dass Russland nicht von der Konferenz ausgeschlossen werden sollte.

Ob die UN-Konferenz konkrete Fortschritte bringen wird, ist offen. Es soll eine Erklärung zur Umsetzung und Erleichterung des Schutzes und der Erhaltung der Ozeane geben. Zudem erwartet die Gipfelpräsidentschaft, „dass alle Beteiligten, von Regierungen über Unternehmen bis hin zur Zivilgesellschaft, konkrete und realistische freiwillige Verpflichtungen eingehen“. Die Weltmeere seien entscheidend für die Bekämpfung des Klimawandels, die Förderung des Wirtschaftswachstums und die Verringerung des Verlusts der Artenvielfalt. Zugleich seien die Ozeane schon jetzt massiv durch die Folgen des Klimawandels betroffen, hieß es im Vorfeld der Konferenz.

Nichtregierungsorganisationen erwarten von dem Treffen „ein ambitioniertes Bekenntnis für weltweite Zusammenarbeit in der Meerespolitik mit klaren politischen Entscheidungen und konkreten Maßnahmen“. Zugleich kritisierten sie, dass es bisher wenig multilaterale Lösungen etwa im Kampf gegen Überfischung und Rohstoffabbau gebe. Zudem beruhten die bislang getroffenen Übereinkünfte auf freiwilliger Basis.

Die Ozeane bedecken rund 70 Prozent der Erdoberfläche und beherbergen bis zu 80 Prozent allen Lebens auf der Erde. Seit 1970 haben die Weltmeere zugleich bis zu 30 Prozent des vom Menschen emittierten Kohlenstoffdioxids und 90 Prozent der aus der Klimakrise resultierenden Wärme absorbiert. (mit kna)

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