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Normalbild ab 2035? Geht es nach den Umweltweisen, fahren ab 2035 nur noch elektrisch betriebene Autos durch Deutschland.

Verkehrswende

Umweltweise forden Quote für E-Autos

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Um die CO2-Emissionen im Verkehr zu senken, fordert der Umwelt-Sachverständigenrat das Ende des Verbrennungsmotors bis 2035. Damit die Verkehrswende gelingt, braucht es allerdings mehr.

Die „Umweltweisen“ halten eine Verkehrswende in Deutschland für überfällig. In einem Sondergutachten zum Klimaschutz im Verkehr warnen sie davor, dass bei nicht sinkendem Emissionen das verbleibende CO2-Budget für den Sektor gemäß dem Zwei-Grad-Limit des Paris-Vertrags bereits in 15 Jahren aufgebraucht wäre. 

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) schlägt daher eine Kombi-Strategie vor: Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung auf Bahnen und Busse, sparsamere, leichtere Autos und LKW plus forcierte Umstellung auf E-Mobilität. Der SRU berät die Bundesregierung, Mitglieder sind sieben Professorinnen und Professoren.

Um die „Elektrifizierung“ des Straßenverkehrs zu fördern, hält der SRU eine Quote für E-Autos und einen daran angepassten beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien für nötig. Bis 2025 sollen 25 Prozent aller neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge mit einem reinen E-Antrieb ausgestattet sein, 2030 dann 50 Prozent. Etwa 2035 würden keine klassischen Verbrenner mehr gebaut. Die Bundesregierung hat eine solches Quotenmodell abgelehnt. Die Experten verweisen jedoch darauf, dass der wichtige Auto-Exportmarkt China bereits ab 2019 eine Quote – vorerst zehn Prozent – einführt. 

Verkehrswende: Mix aus Vermeidung, Verlagerung und Effizienz

Für den Güter-Fernverkehr schlägt der SRU vor, die Einführung von Oberleitungs-Lkw zu prüfen, dies sei eine „technisch umsetzbare Option“. Laut dem Gutachten würde eine Elektrifizierung von rund einem Drittel des Autobahnnetzes – rund 4000 Kilometer Strecke – ausreichen, um einen elektrischen Fahranteil von 60 Prozent zu erreichen. Der Bau der Oberleitungen solle dann über die LKW-Maut finanziert werden. 

Dem Ausbau der Lade-Infrastruktur widmen die Experten einen Schwerpunkt. Dazu müsse die Förderung durch den Bund - 300 Millionen Euro für 2017 bis 2020 - erhöht und verlängert werden. Erwartet wird, dass 85 Prozent der Lade-Vorgänge in der Nähe der Wohnungen der E-Auto-Besitzer stattfinden werden. Um auch Mietern den Zugang zu Ladepunkten zu erleichtern, seien Anpassungen im Bau- und Mietrecht nötig. Laut SRU sollen Arbeitgeber verpflichtet werden, Ladestellen auf Firmenparkplätzen zu bauen. SRU-Mitglied Claudia Kemfert betonte: „Die E-Mobilität ist hocheffizient und marktreif. Wir müssen zügig umsteigen.“

Die Umweltweisen betonen allerdings ausdrücklich, dass die E-Mobilität nur einer der Bausteine der Verkehrswende sei. Es komme auf den Mix von Vermeidung, Verlagerung und „offensiver Effizienzstrategie“ an. Zudem müsse der Ausbau-orientierte Bundesverkehrswegeplan durch eine „Bundesmobilitätsplanung“ ersetzt werden. Sonst seien die von der Bundesregierung im „Klimaschutzplan 2050“ aufgestellten Ziele nicht zu schaffen. Danach soll der CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2030 um 40 bis 42 Prozent gesenkt werden. 

Steuervergünstigungen für Diesel sollen beendet werden

Die Umweltprofessoren halten zudem eine Reihe Korrekturen im Finanzsektor für nötig. So schlagen sie vor, die LKW-Maut und die geplante PKW-Maut zu einem streckenabhängigen, flächendeckenden Mautsystem weiterzuentwickeln. Dadurch könnten neben dem CO2-Ausstoß auch weitere Umwelt- und Gesundheitsbelastungen, etwa durch Stickoxide und Feinstaub,– verringert werden. 

Weiter fordert der Rat, in der neuen Legislaturperiode das Ende der Steuervergünstigung für Diesel einzuleiten. Begründung: „Die niedrige Besteuerung des Kraftstoffes ist ökologisch nicht gerechtfertigt und vernachlässigt die negativen gesundheitlichen Folgen der Dieselemissionen.“ Umweltschädliche Subventionen im Verkehrssektor, die rund 30 Milliarden Euro pro Jahr betragen, seien generell abzubauen.

Der SRU behandelt in einem eigenen Kapitel auch negative Aspekte der E-Mobilität - durch den steigenden Bedarf an Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Seltenen Erden für Elektromotoren und Batterien, die meist in Entwicklungsländern gewonnen werden. Hier müsse die Bundesregierung sich „mit Nachdruck für anspruchsvolle Umwelt- und Sozialstandards“ in den betreffenden Ländern einsetzen. Zudem müsse das Recycling sichergestellt werden.

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