Digitalisierung

Umweltschädliche E-Mails

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Bereits heute verbrauchen alle Informations- und Kommunikationstechnologien weltweit zehn Prozent des Stromes. Kann die digitale industrielle Revolution wirklich nachhaltig sein?

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Regierungen und Unternehmen, aber auch große Teile der Bevölkerung erhoffen sich von einer vierten, digitalen industriellen Revolution hohe Wachstums- und Profitraten. Die ökologischen Folgen dieser Veränderung sind leider bislang völlig unterbeleuchtet und müssten von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft stärker thematisiert werden.

Digitale Dienstleistungen wie Suchanfragen, Kartenzugriffe, E-Mailverkehr, Musik- und Videostreaming sind nämlich nur scheinbar immateriell und damit umweltfreundlicher als vergleichbare analoge Dienste. Hinter jedem Onlinezugriff steht eine Serverleistung, die auf real existierenden Geräten läuft und Energie verbraucht. Selbst wenn die digitalen Dienste an sich energieeffizienter sind als eine vergleichbare analoge Anfrage, führen die schnellere Verfügbarkeit und die erweiterten Abrufmöglichkeiten von Informationen zu einem enormen Zuwachs an digitalen Zugriffen.

Diese sogenannten Reboundeffekte hebeln die Einsparungspotentiale wieder aus. Für die Produktion der digitalen Endgeräte, aber vor allem auch für die Herstellung und den Betrieb der Server werden weltweit Unmengen an Ressourcen und Strom benötigt – Bedarf steigend. Bereits heute verbrauchen alle Informations- und Kommunikationstechnologien weltweit zehn Prozent des Stromes, 2030 sollen es 30 bis 50 Prozent sein.

Hinzu kommen die Umweltschäden in den Abbaugebieten der für die Hardware benötigten Rohstoffe. Seltene Erden werden selten unter fairen und nachhaltigen Bedingungen geschürft. Nicht zu vergessen die Verletzung von Arbeitsrechten und große Gesundheitsrisiken bei der industriellen Verarbeitung der Rohstoffe.

Dass die Digitalisierung in der derzeitigen Form dabei hilft, ökologische Probleme zu lösen, ist fraglich. Das kann sie nur, wenn sie sozial und umweltgerecht gestaltet. Hierfür müssen sich Akteure in die Debatte einbringen, die solche Forderungen nach vorne stellen – inklusive der zentralen Frage nach dem richtigen Maß digitaler Entwicklung. Neben profitorientierten Unternehmen ist es dringend notwendig, dass sich soziale Bewegungen sowie Sozial- und Umweltverbände in die Gestaltung der Digitalisierung einbringen.

Die Autorin arbeitet beim Konzeptwerk Neue Ökonomie und ist Teil der Webredaktion von www.degrowth.de

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