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Maria Krautzberger (Mitte), Präsidentin des Umweltbundesamtes, verteidigt die Grenzwerte.

Maria Krautzberger

„Wir brauchen eine Nachrüstung mit Katalysatoren“

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Die Umweltbundesamt-Chefin Maria Krautzberger spricht über den schnellsten Weg zu sauberer Luft und die Zweifel an Grenzwerten.

Frau Krautzberger, die ersten Stickoxid-Werte für das Jahr 2018 liegen vor. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Der Grenzwert zum Schutz der Gesundheit wird leider immer noch in etlichen Städten überschritten. Wie viele genau es sind, wissen wir noch nicht. Insgesamt sinkt die Belastung mit Stickstoffdioxid weiter langsam.

Sind die Zahlen ein Beleg dafür, dass die vor Ort getroffenen Maßnahmen für saubere Luft nicht ausreichen?
Die Hauptquelle für die schlechte Luft in den Städten sind nachweislich die Diesel-Autos, die viel mehr Stickoxide ausstoßen als erlaubt. Hier muss man ansetzen, dann gehen die Werte auch schneller runter. Wir brauchen eine Nachrüstung dieser Autos mit Katalysatoren. Mit sauberen Müllwagen und ein paar neuen Autos auf der Straße kriegen wir die Luft nicht schnell genug sauber und gesund.

Sind weitere Diesel-Fahrverbote nur noch eine Frage der Zeit?
Darüber entscheiden die Gerichte. Das Oberverwaltungsgericht in Leipzig hat klar erklärt, dass dies nur das letzte Mittel sein sollte. Mit einer Nachrüstung von Dieseln könnten Fahrverbote aber höchst wahrscheinlich vermieden werden. Das wäre ein guter, schneller Beitrag zur Luftreinhaltung in den Städten.

In München ist die mittlere Belastung 2018 deutlich gesunken. Was lässt sich daraus lernen?
Einzelne Messstationen kann ich nicht beurteilen. München liegt leider immer noch weit über dem Grenzwert.

Wie aussagekräftig sind die Messungen überhaupt? Kritiker sagen, in Deutschland werde näher am Auspuffrohr gemessen als anderswo…
Deutschland hält sich an die Vorgaben, die die EU-Mitgliedstaaten aufgestellt haben. Die europäische Luftreinhalte-Richtlinie wurde 1:1 in deutsches Recht umgesetzt. Allein das ist unser Maßstab, und nicht, ob andere Staaten sich vielleicht nicht an gemeinsam beschlossene Regeln halten.

Mehr als hundert Lungenfachärzte haben Zweifel an den Grenzwerten für Stickoxid und Feinstaub geäußert. Schwindet in und außerhalb der Wissenschaft die Akzeptanz für die bestehenden Vorgaben?
Die bestehenden Grenzwerte wurden aufgrund einer umfangreichen Studienlage von der Weltgesundheitsorganisation erarbeitet, die EU hat diese übernommen. Erst 2013 wurden die Werte von der WHO noch einmal bestätigt. Nicht zuletzt hat sich ein Großteil der Fachwelt der Lungenärzte gegen die Einschätzung von Herr Köhler und Co. gewandt, zuletzt auch die Kinderlungenärzte. Die ganz überwiegende Zahl der Wissenschaftler vertritt die Ansicht, dass Luftschadstoffe wie Feinstaub und NO2 der menschlichen Gesundheit schaden.

Interview: Rasmus Buchsteiner

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