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Gesundheit

Umstrittene Leitlinien

  • Jens Holst
    VonJens Holst
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Warum Ärzte sich querstellen

Leitlinien sollen die ärztliche Behandlung verbessern und Fehlversorgung abbauen. Deutschland hinkt bei der Anwendung solcher Handlungsempfehlungen anderen Ländern hinterher. Gerade bei niedergelassenen Ärzten stoßen sie auf Kritik, manch einer fühlt sich dadurch bevormundet und in der Therapiefreiheit eingeschränkt. Nun hat das in Köln ansässige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) untersucht, was die Anwendung von Leitlinien fördert und was sie bremst.

Dabei stellte das wissenschaftliche Institut fest, dass die Qualität und Zuverlässigkeit der Empfehlungen eine wesentliche Voraussetzung für ihre erfolgreiche Einführung ist. Unzureichende Information und Unterstützung sind weitere Ursachen für die zögerliche Anwendung von Leitlinien, schließlich müssen Behandler die Leitlinien kennen, um sie in der ärztlichen Praxis anzuwenden. Eine entscheidende Barriere, fand die IQWIG-Studie heraus, ist aber die fehlende Bereitschaft von Medizinern, sich tatsächlich an Leitlinien zu orientieren.

Daraus ergeben sich drei Ansatzpunkte: Leitlinien müssen auf nachvollziehbaren, aktuellen Forschungsergebnissen beruhen und von hoher Qualität sowie pharma-unabhängig sein. Gleichzeitig sind Fachgesellschaften und Ärzteverbände gefordert, besser über neue Leitlinien zu informieren, Schulungen anzubieten und Erinnerungssysteme einzuführen. Zur Überwindung persönlicher Vorbehalte von Leitlinienanwendern erscheinen zudem gesetzliche Vorgaben und ökonomische Anreize erforderlich, etwa durch besondere Honorierung leitlinienkonformer Behandlung.

Hier ist vor allem die Selbstverwaltung gefragt. Ärztekammern müssten im Zuge der Qualitätssicherung dazu beitragen, dass sich die Mediziner an den Empfehlungen orientieren. Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen sind gleichermaßen in der Pflicht, ihrem gesetzlichen Auftrag nach Paragraf 70 des V. Sozialgesetzbuchs gerecht zu werden, eine „dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Versorgung der Versicherten zu gewährleisten“ und dies in der „fachlich gebotenen Qualität“. Evidenzbasierte Leitlinien in der täglichen Praxis wären ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

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