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Gold als sichere Anlageform: Die umstrittene Krisenwährung

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Von: Mechthild Henneke

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Illustration Goldanlage
In Gold investieren © Moritz Wienert

Wenn die Entwicklung der Wirtschaft unsicher erscheint, investieren Menschen in Gold. Doch ist das wirklich eine ratsame und lohnende Anlage?

Gold gilt gemeinhin als sichere Anlageform. Seit der Euro an Wert verliert und Inflation ein Thema ist, stellt sich die Frage, ob es an der Zeit ist, das Portfolio umzuschichten und Gold zu kaufen. Gleichzeitig hat das Edelmetall seit dem vergangenen Jahr etwa zehn Prozent seines Werts verloren: Die Feinunze ist zurzeit rund 1800 US-Dollar (1550 Euro) wert, gegenüber 2063 US-Dollar (1740 Euro) im August 2020. Wir haben Fachleute gefragt, wie sie aktuell die Rolle von Gold sehen.

Der aktuelle Goldpreis scheint den gängigen Thesen, die zu dem Edelmetall existieren, zu widersprechen. Obwohl Inflationsängste umgehen, ist der Kurs im Vergleich zum November 2020 um etwa vier Prozent gefallen. Der Grund liegt darin, dass die Inflationsfurcht im vergangenen Jahr höher war als zurzeit und damals viele Anleger:innen Gold kauften, das sie jetzt wieder abstoßen.

In Gold investieren: Die Inflationserwartung spielt eine große Rolle

„Gold wird zurzeit mehr verkauft als gekauft“, sagt Marcel Reyers, Geschäftsführender Gesellschafter bei Finakons/Finanz Konsilium in Limburg und stellvertretender Vorsitzender im Financial Planning Standards Board (FPSB) Deutschland. Reyers weist darauf hin, dass die Aktienmärkte derzeit für viele Anleger:innen attraktiver seien als der Goldmarkt und sie deshalb wieder umsteigen.

Das bestätigt auch Klaus Porwoll von Pecuni Ars in Berlin: „Die Anleger wechseln von Gold zu Aktien und von Aktien zu Gold.“ Da die Notenbanken aktuell die Inflation als temporär einschätzen, halte sich die Nachfrage zurzeit in Grenzen. Zu Beginn des Jahres war sie dagegen hoch. „Laut Bericht des World Gold Council wurden allein von deutschen Anlegerinnen und Anlegern in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 mehr als 90 Tonnen Gold gekauft“, sagt Porwoll.

Gold als sichere Wertanlage: Inflationsniveau könnte sich reduzieren

Edelmetall-Experte Markus Bußler von „Der Aktionär“ sagt: „Geht die Inflation nach oben, wird das auch einen Sprung beim Goldpreis auslösen.“ Dabei spiele auch die Inflationserwartung eine große Rolle. Je stärker sie sei, desto mehr ziehe der Goldpreis an. Derzeit werde das durch die Aktienmärkte abgefedert.

„Es ist im Moment die Gretchenfrage: Ist die Inflation gekommen, um zu bleiben, oder ist sie ein temporäres Phänomen?“, fasst der Rohstoffexperte der DZ Bank in Frankfurt, Gabor Vogel, die Debatte zusammen. Die Analyst:innen vom Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken rechnen damit, dass es sich um ein vorübergehendes Phänomen handelt. „Wir gehen davon aus, dass sich das Inflationsniveau reduzieren wird und die Zinsen etwas steigen werden“, sagt Vogel. Der Goldpreis werde auf 1700 US-Dollar (etwa 1465 Euro) fallen, so die Einschätzung des DZ Bank-Analysten.

In Gold investieren: Mehr als zehn Prozent sollten es nicht sein

Große Begeisterung löst das Thema Gold nicht aus. „Wenn, dann langfristig“, sind sie sich die Fachleute einig. „Gold liefert weder Zins noch Dividende, es ist eine reine Spekulation auf eine Preissteigerung in der Zukunft“, sagt Reyers. Anleger:innen sollten sich fragen: „Welchen Mehrwert soll mir Gold liefern?“. Das Edelmetall könne eine Absicherung darstellen. „Man braucht ein langes Anlagebild und muss auch damit klarkommen, dass der Preis mal nach unten geht“, sagt er. Ab einer Beimischung in Höhe von fünf Prozent des Portfoliowerts wirke Gold positiv aufs Chance-Risiko-Verhältnis. „Aber mehr als zehn Prozent sollten es nicht sein“, sagt Vogel.

Porwoll bezeichnet Gold demgegenüber als „überschätztes Investment“. Er hat die Wertentwicklung berechnet und kam zu dem Ergebnis, dass die inflationsbereinigte Rendite von Gold von 1975 bis 2021 bei etwa 3,7 Prozent jährlich liegt. „Im Gegensatz gab es bei Aktien im gleichen Zeitraum rund 7,7 Prozent“, sagt er. Er mischt seinen Kunden aus diesem Grund kein Gold ins Portfolio. „Zur Absicherung des Risikos empfehle ich Anleihen mit möglichst hoher Bonität und kurzer Laufzeit.“

In Gold investieren: Münzen für die Enkel

Wer sein Portfolio mit Gold anreichern möchte, sollte am besten eine Mischung aus Barren, Münzen und Exchange-traded Commodities oder Funds (ETCs oder ETFs) wählen, raten die Expert:innen. Bei ihnen beliebt ist Xetra-Gold. Dabei handelt es sich um ETC. Das Wertpapier ist durch physisches Gold gedeckt, das man sich auch ausliefern lassen kann.

„Einige Anleger möchten gern Barren oder Münzen haben, die sie den Enkeln zeigen können“, sagt Vogel. Wer diese anschaffen wolle, solle sich an die großen Gold-Händler halten, bei denen die Qualität der Ware gewährleistet sei. „Nur die Barren mit einem Feingoldgehalt von 99,99 Prozent sollte man kaufen“, sagt Porwoll. Andere seien schwer zu verkaufen. Er weist auf die Zertifizierung von Barren durch die London Bullion Market Association hin.

In Gold investieren: Lieber kleine Münzen anschaffen

Reyers schlägt vor, vor allem kleine Münzen anzuschaffen. Dann könne das Gold im Krisenfall als tatsächliche Währung eingesetzt werden. „Wenn alles zusammenbricht, haben wir Anarchie und dann muss ich Gold in handelbaren Formen besitzen“, sagt er. Mit einem Barren könne man nicht bezahlen und sein Transport sei zudem gefährlich.

Der Vorteil von physischem Gold und auch einigen Gold-Papieren: Gold ist beim Kauf von der Mehrwertsteuer befreit. Außerdem unterliegen Veräußerungsgewinne nach der Halte-Frist von zwölf Monaten nicht der Kapitalertragsteuer.

Silber kann laut den Fachleuten als Alternative gelten. „Es ist günstiger als Gold, doch es ist nur zur einen Hälfte Anlagemetall, zur anderen Hälfte ist es Industriemetall“, sagt Bußler. Aus diesem Grund unterliege es auch größeren Kursschwankungen bei Inflation. „Der Silberpreis sollte eigentlich zurzeit sensibler reagieren“, sagt Bußler, „das sehen wir im Moment aber noch nicht.“

In Gold investieren: „Anleger sorgen für Mondlandschaften“

Eine Alternative ist auch die Investition in goldproduzierende Unternehmen. „Hier habe ich als Anleger aber das geologische Risiko, wie sich das Vorkommen entwickelt und wie zuverlässig die geologischen Gutachten sind“, gibt Vogel zu bedenken. Als zweiten Punkt nennt er die Gefahr eines schlechten Unternehmensmanagements. Hinzu kommen internationale Standards zu Umwelt und Arbeitsbedingungen, die einige Firmen inzwischen beachten. Diese erhöhten die Kosten der Unternehmen, was sich auf eventuelle Gewinne auswirke.

„Gold ist sehr feinstaubig und muss zur Gewinnung mit Quecksilber und Zyanid gewaschen werden“, sagt Reyers. Aus Nachhaltigkeitsgründen sei es ein Investment, das nicht gemacht werden dürfte. „Als Anleger sorgt man für Mondlandschaften – darüber muss man sich im Klaren sein.“ Mittlerweile gebe es auch Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften; das nachhaltig geförderte Gold mache aber erst einen kleinen Prozentsatz des Gesamtmarktes aus. (Mechthild Hennecke)

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