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T-Mobile-Chef John Legere gilt als Paradiesvogel.

John Legere

Umstrittene Bleibe

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Die T-Mobile-Manager steigen neuerdings gerne im protzigen Trump-Hotel in Washington ab.

Mit seinen magentafarbenen T-Shirts und Turnschuhen, den schulterlangen Haaren und einer Kochshow auf Facebook ist John Legere der Paradiesvogel unter Amerikas Managern. Auf Twitter legte sich der schrille Vorstandschef der Telekom-US-Tochter T-Mobile mit Konkurrenten und auch schon mit dem Präsidenten an. „Ich bin so froh, in einem Hotel aufzuwachen, wo nicht jedes Teil den Schriftzug „Trump“ trägt“, twitterte er vor vier Jahren.

Doch inzwischen hat der 60-Jährige seinen Geschmack geändert: In Washington steigen er und andere Top-Manager neuerdings gerne in einem ziemlich protzigen Hotel an der Pennsylvania Avenue ab. Mindestens 52 Nächte hat der drittgrößte Mobilfunkanbieter der USA in den vergangenen zehn Monaten in der Luxusherberge gebucht und für Zimmer, Saalmieten und Catering nach eigenen Angaben stolze 195 000 Dollar ausgegeben. Der Schriftzug über dem Eingang des Hotels verrät den Namen des Eigentümers: Trump.

Das wäre eine Geschmacksfrage, wenn Donald Trump nicht US-Präsident wäre und die T-Mobile-Mutter Deutsche Telekom nicht mittelbar zu einem Drittel dem Bund gehörte. Vor allem hat deren US-Ableger klare Geschäftsinteressen: Nach dem gescheiterten Verkauf von T-Mobile an den Wettbewerber Sprint wollen die beiden Firmen nun unter Führung der Deutschen fusionieren. Rund 26 Milliarden Dollar dürfte der Mega-Deal kosten, den aber das US-Justizministerium und die Telekomaufsicht FCC noch genehmigen müssen.

Unmittelbar nach Bekanntgabe der Übernahmeabsicht checkten neun Top-Manager von T-Mobile im vorigen April erstmals im Washingtoner Trump-Hotel ein. Nachdem die „Washington Post“ mehrfach über die Hotelvorliebe berichtete, hat das Thema nun die amerikanische Politik erreicht. Die linke Senatorin Elizabeth Warren, die sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewirbt, bat das Unternehmen um Aufklärung.

In der Antwort räumt T-Mobile jetzt ein, dass vor April 2018 nur zwei Nächte im Trump-Hotel gebucht, seither dort aber 195 000 Dollar ausgegeben wurden. Das seien jedoch nur 14 Prozent der gesamten Hotelausgaben des Unternehmens in Washington. „Das riecht nach Korruption“, twitterte die Senatorin gleichwohl und warf T-Mobile am Dienstag vor, den Präsidenten „schmieren“ zu wollen.

Den Vorwurf weist die US-Tochter der Telekom selbstverständlich zurück: „Übernachtungen in Trump-Hotels mögen von einigen positiv und von anderen negativ gesehen werden“, schrieb T-Mobile-Vizepräsident Anthony Russo. Man sei jedoch sicher, dass die Behörden über die Fusion „auf Grundlage der Fakten entscheiden werden“.

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