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Die milliardenschwere Eroberung von Putin

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Von: Tobias Utz

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Die illegale Annexion ukrainischer Regionen dürfte teuer für Russland werden.

Moskau – Russlands Angriffskrieg in der Ukraine läuft bereits seit Beginn der Invasion Ende Februar nicht nach Plan. Nachdem der Sturm auf Kiew im Versorgungsdesaster für die eigenen Truppen endete, konzentrierte sich das Militär zunächst auf die Ostukraine, ehe sich die Armee dem Süden widmete. Mittlerweile wurde die Eroberung mehrerer Regionen im Donbass zu Zwischenzielen im Ukraine-Krieg ausgerufen. Wladimir Putin höchstpersönlich erklärte mehrfach, dass der Donbass wieder russisches Gebiet werden müsse.

Am Freitag (30. September) erklärte Russlands Präsident insgesamt vier ukrainische Regionen als russlandzugehörig: Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja – mehrere Gebiete der Ukraine, die stark unter dem Krieg gelitten haben. Vielerorts wurden schwere Schäden verzeichnet. Schäden, die repariert werden müssen. Reparaturen, die Geld kosten – viel Geld.

News zum Ukraine-Krieg: Russland muss wohl Milliarden bezahlen

Juri Schukow, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Michigan, erklärte jüngst dem US-Nachrichtenportal Newsweek, dass Kosten für den Wiederaufbau dieser Gebiete „die Kosten für die Infrastrukturprojekte auf der von Russland besetzten Krim übersteigen werden“. Damit spielte Schukow auf die im Jahr 2014 illegal annektierte Halbinsel an, welche bis heute ein Politikum ist. Moskau musste dort zahlreiche Infrastrukturprojekte finanzieren. Beispielsweise kappte die ukrainische Regierung nach der Annexion die Stromlieferungen. Russland reagierte mit dem Bau neuer Kraftwerke und Leitungen: „Allein dies hat Moskau gut eine Milliarde Dollar gekostet“, erklärte Aktivist Andrej Klimenko der Süddeutschen Zeitung bereits im Jahr 2019. Klimenko, ehemaliger Ingenieur auf der Krim, betreibt den Infodienst „Black Sea News“, mit welchem er Vorschläge macht, „wie wir die Kosten für die Besatzer in die Höhe treiben können.“

Wladimir Putin
Wladimir Putin hat am Freitag die illegale Annexion von vier ukrainischen Regionen verkündet. © Adrien Fillon / Imago Images

Für den Zeitraum 2015 bis 2022 veranschlagte der Kreml einst Investitionen in Höhe von elf Milliarden Euro, um die Infrastruktur auf der Halbinsel wiederaufzubauen.

Bezüglich des Wiederaufbaus des Donbass könnten Putin wohl auch heimische Projekte in die Queere kommen. William Reno, Vorsitzender der politikwissenschaftlichen Abteilung an der Northwestern Universität, erklärte Newsweek, dass viele ländliche Regionen Russlands wiederaufbaubedürftig seien. Daher müssten sich die Donbass-Regionen wohl in die Klagen der russischen Regionalverwaltungen einreihen.

Russlands Wirtschaft steht zudem vor Schwierigkeiten. Kürzlich veröffentlichten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Yale eine Studie, wonach die westlichen Sanktionen „verheerende“ Auswirkungen haben. „Die Annahme, die russische Wirtschaft sei besonders widerstandsfähig, ist schlicht eine Lüge“, erklärten sie im Fachmagazin Social Science Research Network. Grundlage der Studie an der Universität Yale waren Daten, die selbstständig zusammengetragen wurden. Den Zahlen aus Moskau könne man nicht trauen, betonten die Forscherinnen und Forscher. Unter anderem untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und internationale Handelspartner Russlands die wirtschaftliche Lage einschätzten. Zudem wurden Daten zum Pro-Kopf-Konsum ausgewertet.

Die russische Wirtschaft ist noch intakt, was wohl auf Einnahmen aus dem Ölgeschäft zurückzuführen ist. Allerdings haben zahlreiche Staaten als auch die EU bereits angekündigt, die Sanktionen im Zuge der neuen Annexionen verstärken zu wollen. Putin steht somit vor der Wahl zwischen immer weiter steigenden Kosten und einer Niederlage im Krieg. Angesichts seiner vielfachen Betonungen, die Ukraine erobern zu wollen, dürfte klar sein, worauf seine Wahl fällt. (Tobias Utz)

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