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Lebensmittel

Überreife Früchtchen

  • VonStefan Sauer
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Die Ware beim Lebensmittelversand ist häufig mangelhaft. Obst ist von Mikroorganismen befallen, Salate sind fast durchweg unansehnlich.

Der Online-Handel wächst seit Jahren rasant. In Deutschland wurden 2016 nach einer Schätzung des Instituts für Handelsforschung mehr als 52 Milliarden Euro mit Käufen per Mausklick umgesetzt. Das entspricht einem Anteil von mehr als elf Prozent am gesamten Einzelhandelsumsatz in Höhe von 466 Milliarden Euro. In Bereichen wie Mode-, Elektronik- und Sportartikel liegt der Marktanteil mittlerweile zwischen 25 und 35 Prozent. Demgegenüber nehmen sich die 736 Millionen Euro, die 2015 im Onlinehandel mit frischen Lebensmitteln umgesetzt wurden, ziemlich mickrig aus. Der Marktanteil am 191 Milliarden Euro umfassenden Gesamtvolumen liegt bei gerade 0,4 Prozent.

Einer Erhebung des Forsa-Instituts zufolge hält vor allem die fehlende Möglichkeit, Frische und Qualität der Ware zu prüfen, die Menschen vom Online-Lebensmittelkauf ab. Die Hälfte der mehr als 1000 Befragten über 14 Jahren gab diesen Grund an. Weitere 28 Prozent misstrauen grundsätzlich der Qualität der Produkte, jeder sechste Befragte gab eine erhöhte Umweltbelastung durch Verpackungsmüll und mehr Autoverkehr durch die Anlieferung zu Protokoll. Neun Prozent nannten den Wegfall von Arbeitsplätzen im Einzelhandel, sechs Prozent vermissten das Einkaufserlebnis und fürchteten den Verlust sozialer Kontakte. Unter dem Strich überwiegt die Skepsis: 70 Prozent gehen davon aus, dass sie auch in den kommenden fünf bis zehn Jahren den Großteil der Lebensmittel in Supermärkten und anderen Ladengeschäften vor Ort kaufen werden.

Die Marktwächter der Verbraucherzentrale machten 822 Händler ausfindig, die in Deutschland Lebensmittel über das Internet verkaufen. Davon vertreiben 179 Unternehmen frische Produkte bundesweit. Die Marktwächter überprüften insgesamt 134 Produkte aus den Warengruppen Fleisch, Wurst, Fisch, Käse und Milchprodukte sowie Obst und Gemüse. Sie wurden online bei Supermärkten, Bioläden und Anbietern regionaler Spezialitäten geordert sowie bei Fachhändlern, die auf bis zu zwei Warengruppen spezialisiert sind, und bei Mischhändlern mit Erzeugnissen aus mindestens drei Produktgruppen.

Ein zentrales Manko vieler Onlineangebote betrifft die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zur Herkunft. Nur bei einer einzigen Bestellung gaben Mischhändler das Herkunftsland des Produktes auf der Internetseite korrekt an, bei fünf Käufen fehlte die Angabe. Fachhändler hielten sich bei sieben von zwölf Bestellungen an die Vorschriften. Besser schnitten Spezialitätenhändler (vier von sechs korrekte Angaben), Bioläden (13 von 14) und Supermärkte (20 von 20) ab. Als überwiegend korrekt erwiesen sich dagegen die Gewichtsangaben: 113 der 134 georderten Waren stimmte die gelieferte mit der bestellten Menge überein oder übertraf diese sogar. Bei zehn Lieferungen wich das Gewicht nach unten ab, ohne dass der Preis angepasst wurde.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum war in fast allen Fällen zum Lieferzeitpunkt noch nicht erreicht. Nur in bei zwei Produkten wurden Überschreitungen festgestellt. Weniger gut stand es oft um den tatsächlichen Zustand der Waren. Von elf Beerenobstbestellungen wurden vier Produkte als überreif, drei als beschädigt und zwei als von Mikroorganismen befallen bewertet. Bei acht Steinobstproben wurde einmal Schimmel festgestellt. Von elf Blattgemüsen wie Spinat und Kopfsalat wurden zwei als nur noch bedingt genießbar eingestuft, zwei Produkte waren beschädigt, drei überreif. Die Salate waren fast durchweg unansehnlich.

Vor diesem Hintergrund fordert der Bundesverband Verbraucherzentralen für den Onlinehandel mit Lebensmitteln einheitliche und verbindliche Branchenstandards für Verpackung und Transport sowie entsprechende Kontrollen der Lebensmittelüberwachungsbehörden. Zudem müsse der Datenschutz gewährleistet sein: Der Nutzung von Verbraucherdaten durch die Händler müsse unter Vorbehalt einer ausdrücklichen Zustimmung des Kunden gestellt werden.

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