+
Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen.

Solarkonzern

Übernahmekrimi um Q-Cells

Die Übernahme des ehemaligen Solar-Vorzeigeunternehmens Q-Cells durch Hanwha aus Südkorea schien schon perfekt. Doch in letzter Minute taucht ein zweiter Interessent auf. Die spanische Isofoton bringt sich ins Gespräch - mit großen Versprechungen.

Von Steffen Höhne

Der einst größte Solarkonzern der Welt ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen, einer der Hoffnungsträger der ostdeutschen Wirtschaft, fiel seit 2008 immer weiter hinter die übermächtige Konkurrenz aus China zurück, die Verluste nahmen gewaltige Ausmaße an. Anfang April kam die zuletzt unvermeidliche Pleite.

Doch immerhin gibt es nun offenbar großes internationales Interesse an Q-Cells: Der Verkauf durch den Insolvenzverwalter entwickelt sich zum Bieterstreit. Nachdem am Wochenende der Kauf durch den südkoreanischen Konzern Hanwha sicher schien, hat sich am Montag überraschend ein spanischer Konkurrent eingemischt und einen Bieterwettstreit um die Reste von Q-Cells eröffnet.

Isofoton, das nach eigenen Angaben größte spanische Solarunternehmen, hat in letzter Minute ein Angebot vorgelegt. Für die Mitarbeiter wäre ein Zuschlag für die Spanier wohl eine gute Nachricht: Isofoton wolle fast alle Q-Cells Arbeitsplätze übernehmen und alle Standorte erhalten, teilte das Unternehmen mit. Nur zehn Prozent der Stellen sollen gestrichen werden, Hanwha hingegen will hingegen ein Viertel der Belegschaft abbauen.

Darüber hinaus will Isofoton offenbar massiv in die Produktion investieren. Ein Sprecher sagte, 300 Millionen Euro stünden dafür zur Verfügung – wie viel davon bei deutschen Standorten landet, blieb allerdings offen. Isofoton will die weltweit mitführende Solarforschung von Q-Cells nutzen und Solarzellen mit einem besonders hohen Wirkungsgrad von 21 Prozent in Massenproduktion herstellen, wie es weiter hieß. Handelsübliche Zellen wandeln deutlich weniger als 20 Prozent der Sonnenenergie in Strom um.

Das 1981 im spanischen Malaga gegründete Unternehmen ist bisher ein vergleichsweise kleiner Spieler im weltweiten Solargeschäft. Es besitzt bisher eine Produktionskapazität von 230 Megawatt. Derzeit entsteht eine neue Produktionsstätte im US-Staat Ohio, die im November in Betrieb gehen soll.

Ausbau der Produktion

Seit dem Jahr 2010 gehört das Unternehmen mit 800 Beschäftigten zu 80 Prozent der spanischen Affirma-Gruppe. 20 Prozent gehören der südkoreanischen Toptec. Isofoton besitzt zudem eine enge Kooperation mit dem koreanischen Konzern Samsung, der in den nächsten Jahren selbst Milliarden in den Ausbau seines Solar-Geschäfts investieren will. „Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Energie in Lateinamerika, Asien und den USA plant Isofoton, seine Produktion in den kommenden zwei Jahren auf 1500 MW zu steigern“, sagte ein Sprecher.

Am Wochenende hatte die mit Isofoton konkurrierende Hanwha-Führung mit dem Insolvenzverwalter bereits einen vorläufigen Kaufvertrag unterzeichnet, der am Mittwoch der Gläubigerversammlung zur Abstimmung vorgelegt wird.

Wie die Frankfurter Rundschau aus Unternehmenskreisen erfuhr, sollen bei Q-Cells 1250 von weltweit noch 1550 Arbeitsplätzen erhalten bleiben. Am Firmensitz in Bitterfeld-Wolfen bleiben demnach 730 Arbeitsplätze bestehen. Derzeit beschäftigt Q-Cells in Sachsen-Anhalt 1050 Mitarbeiter, bei Insolvenzeröffnung Anfang April waren es 1300. „Ein Abbau von Arbeitsplätzen ist immer schmerzhaft“, sagte Q-Cells Betriebsratsvorsitzender Uwe Schmorl.

Nach Plänen von Hanwha soll eine Produktionslinie mit 250 Megawatt künftig weiter arbeiten. Zudem beabsichtigen die Koreaner die weltweite Forschung und Entwicklung der Hanwah-Solarsparte in Bitterfeld-Wolfen zu konzentrieren. Das Q-Cells-Werk in Malaysia mit 500 Mitarbeitern will Hanwha komplett erhalten. Brancheninsider sind skeptisch, ob Hanwha langfristig in Deutschland produzieren wird. Denn die Produktionskosten seien deutlich höher als in Malaysia.

Die Hanwha-Gruppe gehört mit einem Umsatz von umgerechnet 21,4 Milliarden Euro zu den größten Unternehmen Südkoreas. Das Solargeschäft ist bei der chinesischen Tochter Hanwha Solar-One mit Sitz in Shanghai gebündelt. Schon in den vergangenen Jahren belieferte Q-Cells Solar-One mit Solarzellen. Hanwha ist vor allem am Produktionsstandort in Malaysia interessiert, um Anti-Dumping-Zölle gegen chinesische Anbieter in den USA zu umgehen.

Bestehende Firma wird abgewickelt

Doch ist das Angebot auch für die Gläubiger interessant? Neben der Übernahme von Verbindlichkeiten der malaysischen Tochter von knapp 220 Millionen Euro will Hanwha nach Angaben eines Sprechers 40 Millionen Euro in bar zahlen. Schulden aus Wandelanleihen will Hanwha aber nicht übernehmen. Es handelt sich um einen sogenannten Asset-Deal. Dazu soll Q-Cells nach FR-Informationen als Firma neu gegründet werden. Die bestehende Q-Cells SE wird abgewickelt. Die Aktionäre dürften daher leer ausgehen. Für den Großteil der Gläubiger, die Inhaber der Wandelschuld-Anleihe sind, dürfte das Angebot wenig lukrativ sein.

Die Gläubiger dürften also mit Spannung die Isofoton-Offerte erwarten. Die weiteren Details und die Höhe der Zahlung an die Gläubiger sollen am Mittwoch bei der Hauptversammlung vorgestellt werden. Ob Isofoton ein lukrativeres Angebot als Hanwha vorlegt, ist derzeit nicht absehbar. Doch die Spanier haben nun einen erheblichen taktischen Vorteil auf ihrer Seite: Sie wissen bereits, was Hanwha zahlen will und können deren Angebot in letzter Minute noch übertrumpfen. (mit js.)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare