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Björn Gulden, Vorstandschef des Sportartiklers Puma.

Puma

Überleben, stabilisieren, aufstehen

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Die Corona-Krise stürzte Puma tief in die Verlustzone. Doch es geht wieder aufwärts - die Franken investieren in neue Kollektionen und hoffen, dass der Trend zu mehr Sport anhält

Björn Gulden blickt auf den Tiefpunkt seiner Managerkarriere zurück. „Das zweite Quartal 2020 war das schwierigste, das ich jemals erlebt habe“, stöhnt der Chef des fränkischen Sportartiklers Puma bei der Vorlage einer Zwischenbilanz. Ein Virus, das 85 Prozent des globalen Sport- und Modegeschäfts lahmlegt, sei eine Erfahrung, die er niemals erwartet habe.

Um rund ein Drittel sinkende Umsätze zwischen April und Juni haben die Marke mit der springenden Wildkatze 96 Millionen Euro (Vorjahr: plus 50) Quartalsverlust beschert. Was Hoffnung macht, ist der zeitliche Verlauf der Umsatzeinbrüche. Horrormonat war der April mit mehr als einer Halbierung der Erlöse. Im Mai lag das Minus bei 38 Prozent, im Juni nur noch bei sechs Prozent und im Juli erreichte man wieder das Vorjahresniveau.

Gegen diesen tendenziell positiven Trend steht wegen weltweit wieder steigender Infektionsraten die Furcht vor einer zweiten Corona-Welle. „Die Unsicherheit ist enorm“, stellt Gulden klar und wagt deshalb auch keine Prognose für das Gesamtjahr. Ohne eine zweite Welle werde Puma aber eine im Mai mit staatlicher Hilfe gesicherte Kreditlinie über 900 Millionen Euro nicht antasten müssen.

Im Mai hatte das noch anders ausgesehen. Wäre es bei halbierten Umsätzen wie im April geblieben, hätte man die Kredite schon ziehen müssen, stellte Gulden klar. Derzeit verfüge Puma über 437 Millionen Euro liquide Mittel und 1,2 Milliarden Euro ungenutzte Kredite.

2020 sei ein verlorenes Jahr mit speziellen strategischen Prioritäten. Überleben, stabilisieren, wieder aufstehen, erklärte der Puma-Chef. Seit Juni arbeite man wieder in der Gewinnzone. Neun von zehn eigenen Läden seien wieder geöffnet, während es im Höhepunkt der Krise nur einer war. Die Kurzarbeit in Deutschland sei beendet. Klarer Gewinner der Pandemie seien Verkäufe per Internet mit verdoppelten Absatzraten. Damit setze Puma jeden zehnten der zum Halbjahr 2,1 Milliarden Euro Erlös nun online um.

Am schlimmsten sei die Lage derzeit in Südamerika, am besten in China, beschreibt der Puma-Chef die uneinheitliche Lage. Positiv sei, dass alle Lieferketten gehalten hätten. Puma habe bei seinen Zulieferern keine Aufträge storniert und werde in Folge der Krise auch keine Produktion nach Europa zurückholen. Um eigene Verkäufe zu stimulieren musste Puma aber Rabatte gewähren und auch Rückstellungen für zurückgeschickte Waren bilden. Denn die Läden vieler Handelspartner waren wochenlang geschlossen.

„Wir haben uns gut geschlagen“, schätzt Gulden das bisherige Krisenmanagement ein. Für den weiteren Verlauf der Pandemie plane er in drei Szenarien. Die positivste Variante geht von einer Erholung bis Jahresende aus, die mittlere von einer Fortschreibung der aktuellen Lage und das Horrorszenario von einem zweiten Lockdown. Derzeit sehe es so aus, dass im kommenden Jahr wieder Wachstum möglich sei, weshalb Puma auch ohne Abstriche in die Kollektionen für das nächste Jahr investiere. Eine positive Folge der Pandemie könne sei, dass danach Gesundheit und Sport wohl noch höher als davor geschätzt würden, meint der Puma-Chef. „Immer mehr Leute haben bereits jetzt damit begonnen, mehr Sport zu treiben“, stellt er fest. Das beflügle die grundsätzlichen Perspektiven. Für den Augenblick bleibt Puma aber vorsichtig.

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