Fährt der Zug ohne die Europäer ab?
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Fährt der Zug ohne die Europäer ab?

Foxconn

Auf der Überholspur

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Apples Handybauer Foxconn bringt die Tochter FII an die Börse. Von ihr kann man lernen, wie erfolgreiche Industriepolitik funktioniert.

Wer wissen will, wie chinesische Industriepolitik funktioniert, sollte sich Foxconn Industrial Internet (FII) anschauen. Deren Mutter Foxconn ist bekannt für die Herstellung von Apples iPhone. Aber auch andere Smartphone-Hersteller werden beliefert. Das Unternehmen gilt inzwischen in diesem Geschäft als Weltmarktführer.

Doch längst hat sich die Firma vom Status des Auftragsmonteurs emanzipiert. Die strategisch viel wichtigere Sparte FII beschäftigt sich mit der elektronischen Hardware, die in den nächsten Jahren massiv an Bedeutung für fast alle Bereiche der Industrie gewinnen wird: Die neue 5G-Technik im Mobilfunk, elektronische Bauteile für Cloud Computing, Roboter und die Ausstattung ganzer Fabriken mit intelligenter Ausrüstung (Industrie 4.0).

FII strebt – gefördert von der kommunistischen Regierung – an die Börse. Zehn Prozent der Anteile sollen platziert werden. Man erhofft sich umgerechnet knapp 3,7 Milliarden Euro einzusammeln. Es wäre der größte Börsengang in China seit rund drei Jahren. Klar, dass die Einnahmen in die Entwicklung neuer Projekte investiert wird. Foxconn will sich vor allem vom mit Abstand wichtigsten Kunden Apple unabhängig machen.

Bei Cloud/5G/Industrie 4.0 wollen auch andere chinesische Hightech-Giganten mit von der Partie sein. Als da sind der Internet-Multi-Konzern Tencent, der Suchmaschinenbetreiber Baidu und der Onlinehändler Alibaba. Die drei haben sich jetzt schon einmal vorm Börsengang ein dickes Paket mit knapp 22 Millionen Aktien gesichert. Das Trio sichert sich damit bei einem Lieferanten ab. Doch die Teilhaberschaft kann natürlich auch genutzt werden, um gemeinsame Projekte voranzutreiben.

Für Alibaba etwa dürfte von großem Interesse sein, die gesamte Logistik und den Betrieb der Warenlager zu automatisieren. 5G wird als Übertragungstechnik benötigt, die natürlich auch für Tencent von größtem Interesse sein dürfte – das Unternehmen betreibt unter anderem elektronische Bezahlsysteme.

Für Analysten ist aber ein ganz anderer Punkt noch viel interessanter: Die China Railway Corporation hat sich rund 43 Millionen FII-Aktien gesichert. Dabei handelt es sich um die größte Eisenbahngesellschaft der Welt, mit geschätzten zwei Millionen Beschäftigten. Sie betreibt nicht nur den Schienenverkehr in der Volksrepublik, sondern ist in zahlreichen asiatischen und afrikanischen Ländern aktiv und will auf der sogenannten neuen Seidenstraße überdies die Warenlieferungen über Land nach Europa in den nächsten Jahren intensivieren.

Eisenbahn und Hightech? Da liegen gigantische Potenziale. Es ist nämlich viel einfacher, Züge autonom fahren zu lassen als Autos. In Europa werden diese Technologien bislang sträflich vernachlässigt, weil die staatlichen Eisenbahngesellschaften von den Regierungen in notorische Geldnot gewirtschaftet werden. In China hingegen wird intensiv an neuen Konzepten für die Schiene geforscht. Dafür braucht es auch das Knowhow von Foxconn. Man stelle sich nur vor, wie sich der Handel mit Europa intensivieren ließe, wenn autonom fahrende Hochgeschwindigkeits-Güterzüge Produkte aus und nach China bringen.

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