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Zusatzoptionen bei der Hausratversicherung - oder zwei Hausratversicherungen in einem Haushalt - sind unnötig.

Überflüssige Versicherungen

Auf diese Versicherungen können Sie verzichten

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Zu teuer, zu geringe Leistungen: Auf einige Versicherungen können Verbraucher getrost verzichten, raten Verbraucherschützer. Ein Überblick.

Versichern lässt sich fast alles. Die Stadionversicherung springt ein, wenn durch eine Zugverspätung das Auswärtsspiel der Lieblingsmannschaft verpasst wird, auch die eigene Hochzeit lässt sich versichern – allerdings übernimmt der Versicherer nur bei schwerer Krankheit die Stornokosten, nicht etwa bei einem kurzfristigen Rückzieher des Brautpaares – trotzdem, für fast jede Lebenslage findet sich eine vermeintliche Absicherung.

„Längst nicht alle Versicherungen, die auf dem Markt sind, braucht man auch“, sagt Bianca Boss, Sprecherin vom Bund der Versicherten (BdV). „Ein Grundsatz, den wir verfolgen ist: Man sollte nur Verträge abschließen, die einem vor einem hohen finanziellen Risiko bewahren.“ Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Unfall verursacht wird, Personen zu Schaden kommen oder große Sachschäden entstehen. Für diese Situationen ist eine Privathaftpflichtversicherung unabdinglich, darauf weist auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hin. Denn jede Person, die jemand anderem einen Schaden zufügt, muss diesen tragen – auch in Form von Schmerzensgeld. Ist die Schadenssumme nicht abgesichert, kann die Forderung schnell an der wirtschaftlichen Existenz kratzen.

Überflüssige Versicherungen: Stadionbesuch, Hochzeit und andere Veranstaltungen

Für Immobilienbesitzer gilt darüber hinaus die Wohngebäudeversicherung als Muss und wer ins Ausland reist, sollte auf eine Auslandsreisekrankenversicherung nicht verzichten. Denn diese übernimmt zum Beispiel im Notfall die Kosten des Rücktransports. Während zu diesen Policen regelmäßig dringend geraten wird, gehören Rücktrittsversicherungen für Veranstaltungen, wie den Stadionbesuch oder die Hochzeit, für die ohnehin Geld vorgesehen ist, hingegen nicht dazu.

Eine regelmäßige Einzahlung in einen Versicherungsvertrag macht nur dann Sinn, wenn in einem Schadensfall die Summe so groß ist, dass sie nicht zum größten Teil aus dem Haushaltseinkommen getragen werden kann. Beim Verlust eines Handys wäre dies beispielsweise kaum der Fall, auch wenn man sich im Anschluss vielleicht nicht ohne Weiteres wieder das neueste und damit teuerste Modell leisten kann. Außerdem ist auch beim Abschluss einer Handyversicherung nicht gesagt, dass die Versicherung im Schadensfall den Neupreis des Geräts übernimmt. Üblicher ist, dass mindestens eine Selbstbeteiligung zu zahlen ist und der Wert je nach Alter des Geräts geringer eingestuft wird.

Geldverschwendung: Auf diese Versicherungen können Sie getrost verzichten

Überflüssige Versicherung: Beiträge für Glasbruchversicherung sind zu teuer

Ein weiteres Beispiel: Die Glasbruchversicherung. Die Beiträge für einen Versicherungsschutz seien im Verhältnis zu möglichen Schadenshöhen einfach zu teuer, so die Einschätzung des BdV.

Andere Policen bieten Schutz für Leistungen, die bereits in anderen Versicherungen enthalten sind und aus diesem Grunde unnötig sind. So ist das Reisegepäck unter bestimmten Voraussetzungen bereits in der Hausratversicherung mitversichert.

Zusatzoptionen bei Hausratversicherung sind meist überflüssig

Und auch hier gilt: Ein Gepäckstück lässt sich in der Regel leicht ersetzen. Bei der Hausratversicherung, die durchaus Sinn macht, wenn man im Besitz wertvoller Einrichtung ist, die man bei Beschädigung aus der eigenen Tasche nicht ohne Weiteres ersetzen kann, bieten Versicherer auch eine Reihe von Zusatzoptionen an, von denen Bianca Boss eher abrät. Eine davon ist die Versicherung gegen „häusliche Notfälle“. Die tritt etwa ein, wenn die Heizung ausfällt. Nur: „Mieter müssen ohnehin nicht für Schäden an Mietsachen aufkommen, die sie nicht selbst verursacht haben“, so Boss.

„Bei allen Versicherungen sollte auch immer ein genauer Blick auf den tatsächlichen Leistungsumfang geworfen werden“, sagt sie. Wer beispielsweise eine Brillenversicherung abschließt, bekommt nur selten die komplette Brille ersetzt. Für höherwertige Gläser müsste auch mit Versicherungsschutz eine Zuzahlung geleistet werden. Der BdV rät von Sachversicherungen dieser Art deshalb ab.

Überflüssige Versicherung: Zwei Hausratversicherungen in einem Haushalt

„Unnütz“ ist eine Versicherung auch dann, wenn sie doppelt gezahlt wird. Etwa wenn nach einem Zusammenzug in einen Haushalt zwei Hausrat- und zwei Haftpflichtversicherung bestehen. Ein einziger Vertrag reicht in diesem Fall. So kann ein Partner künftig einfach über den anderen mitversichert werden. Das spart Kosten. Beachtet werden muss allerdings, dass die Versicherung dann in der Regel keine Schäden mehr übernimmt, die ein mitversicherter Partner verursacht hat.

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Letztlich hängt der persönliche Versicherungsbedarf natürlich von der individuellen Lebenssituation ab. Für Selbstständige und Privatversicherte ist das Krankentagegeld eine sinnvolle Option, um den Einkommensausfall während einer Krankheit ausgleichen zu können. Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Krankenversicherung sind, bekommen darüber ihr Tagegeld und benötigen eine zusätzliche Tagegeldversicherung nicht. Verwechselt werden sollte das Krankentagegeld allerdings nicht mit dem Krankenhaustagegeld. Bei dieser Variante hat der Versicherte nur während eines Aufenthalts im Krankenhaus Anspruch auf Leistungen und nicht, wenn er die Krankheit zu Hause auskuriert.

Um nicht jahrelang an einen Vertrag gebunden zu sein, der sich erst nach Abschluss als nicht passend für die eigene Lebenssituation herausstellt, gibt der vzbv vor allem einen Tipp: Wichtig ist es, nicht nur die Kosten der verschiedenen Anbieter an sich zu vergleichen, sondern auch von vornherein auf eine möglichst jährliche Kündigungsmöglichkeit zu achten.

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