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Sicherheitskräfte wimmeln Neugierige vor der UBS in London ab.
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Sicherheitskräfte wimmeln Neugierige vor der UBS in London ab.

Spekulations-Skandal

UBS-Händler angeklagt

  • Barbara Klimke
    VonBarbara Klimke
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Der Spekulations-Skandal bei der UBS um rund 1,5 Milliarden Euro zieht weitere Konsequenzen nach sich: Die Londoner Polizei hat Anklage gegen den Investmentbanker erhoben. Der 31-Jährige informierte selbst die Bank über den Milliarden-Verlust.

Der Monat September öffnet den Briten mit niederschmetternder Regelmäßigkeit die Augen vor dem Zustand des internationalen Bankgewerbes: Vor vier Jahren wurde der Notstand des Geldhauses Northern Rock bekannt; der erste Run auf eine englische Bank seit 150 Jahren begann. 2008 ging das Investmentinstitut Lehman Brothers bankrott und löste damit eine weltweite Panik an den Märkten aus. Fast auf den Tag genau drei Jahre später tippte ein Londoner Wertpapierhändler der Schweizer Großbank UBS eine kleine Botschaft in seinen Computer: „Ich brauche ein Wunder“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite.

Am Donnerstag wurde der 31-Jährige aus Ghana stammende Investmentbanker Kweku Adoboli von der Polizei festgenommen und am Freitag angeklagt. Das Wunder war ausgeblieben. Er hat seiner Bank durch unerlaubte Wertpapiergeschäfte einen Schaden von schätzungsweise zwei Milliarden Dollar (1,46 Milliarden Euro) beschert. Nach ersten Erkenntnissen soll der Verdächtigte die enormen Verluste allein angehäuft haben.

Sechsstelliges Grundgehalt

Die UBS teilte mit, es werde mit Hochdruck an der Aufklärung gearbeitet. Der Vorfall scheint den Verdacht zu bestätigen, dass das Bankengewerbe aus der globalen Finanzkrise, den Fehlern und der Gier, nichts gelernt hat. Die Zockerei geht weiter.

Adoboli war seit 2006 bei der UBS beschäftigt. Er arbeitete dort zunächst als Trainee im Investmentberaterbereich. Binnen fünf Jahren gelang ihm eine Blitzkarriere, wie sie nicht ungewöhnlich ist für intelligente, gut ausgebildete, risikofreudige junge Banker im Londoner Finanzdistrikt, die so genannten City Boys. Sein Vater, laut Times ein früherer ghanaischer UN-Angestellter, schickte ihn demnach auf ein englisches Internat in Yorkshire, das rund 30000 Euro Schulgeld im Jahr verlangt. Er erwarb ein Diplom in digitalen Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Nottingham, ehe er nach London zog. Er bezog ein sechsstelliges Grundgehalt und arbeitete, ganze Nächte durch. Als „freundlich, höflich und integer“ beschreibt ihn ein Kollegen in der Financial Times: „Er war niemand, der einen Verdacht auf sich ziehen würde.“

Adoboli informierte seine Bank selbst

Gerätselt wird derzeit darüber, wie es einem einzelnen Banker gelingen kann, Milliardenverluste anzuhäufen, ohne Misstrauen bei Kollegen oder Vorgesetzen zu erregen, die in die Art der Geschäfte eingeweiht sein müssten. Zumal das Bankengewerbe nach ähnlichen Vorgängen in der Vergangenheit Mahnahmen zur Risikominderung einführte. Der 31-jährige Londoner Händler arbeitete für das „Delta One“-Segment von UBS, das Aktien kauft, durch Gegengeschäfte absichert und auf diese Weise so genannte Arbitrage-Gewinne erzielt. Ähnliche Transaktionen hatte der französische Händler Jérôme Kerviel unternommen, der der Société Générale in Paris zwischen 2006 und 2008 Verluste von 4,9 Milliarden Euro bescherte. Adoboli war zudem laut Medienberichten ein Experte für Exchange Traded Funds, an Indizes orientierten Investmentfonds. Ein Geschäft, das nur als mäßig riskant gilt.

Adoboli hat seine Bank, wie der britische Fernsehsender BBC berichtete, selbst über die verlustreichen Transaktionen informiert: Er sei nicht durch eine interne Prüfung aufgefallen.

Großbritannien indes hofft, dass der Skandal endlich eine nachhaltige Bankreform einleiten wird. Erst zu Wochenbeginn hatte die unabhängige Bankenkommission des Ex-Notenbankers John Vickers ihre Vorschläge zum Umbau der Kreditinstitute vorgestellt: Sie will künftig das Privatkundengeschäft vom Investmentgeschäft rigoros abschirmen. Anleger sollen auf diese Weise besser von den Verheerungen des Kasino-Bankings geschützt werden. Die Regierung hat eine Durchsetzung der Reformen bis 2019 zugesagt. Skeptiker hegen die Befürchtung, dass die Bankenlobby bis dahin die Pläne verwässert haben wird. In sofern hat der neue Skandal auch sein Gutes: „Danke UBS!“, schrieb Martin Wolf, ein Mitglied der Vickers-Kommission, nun in der Financial Times: Nichts könnte die Pflicht zum Handeln besser illustrieren, als dieser Milliarden-Dollar-Verlust durch „ungenehmigte Geschäfte“.

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