Börsengang

Uber-trieben?

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Auf 120 Milliarden Dollar wird der US-Fahrdienstvermittler Uber taxiert. Dabei handelt es sich im Kern um nichts weiter als eine App. Doch es gibt dazu eine offenbar überzeugende Investmentstory.

Ist das noch Übertreibung oder schon blanker Wahnsinn? Die Frage erhebt sich, wenn man die Zahlen vernimmt, über die US-Medien anlässlich der geplanten Börsengänge der US-Fahrdienste Uber und Lyft berichten. Die Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs bewerben sich unter anderen um das Mandat, Uber aufs Parkett zu begleiten. Um die Gunst des Managements zu gewinnen, sollen die Banken versprochen haben, derart viel Geld bei Investoren einzusammeln, dass eine Bewertung des Unternehmens von rund 120 Milliarden Dollar (103 Milliarden Euro) dabei herauskommt.

Ein Börsengang in dieser Größenordnung wäre wohl die größte Wette in der neueren Wirtschaftsgeschichte. Denn der Fahrdienst aus Kalifornien hat bislang kein Geld verdient, sondern um die elf Milliarden Dollar verbrannt.

Die aufgerufenen Bewertungen kommen zustande, weil einerseits bereits namhafte Konzerne viel Geld in das Unternehmen gesteckt haben. Etwa Toyota, die globale Nummer zwei der Autobauer. Noch wichtiger dürfte sein, dass der größte Investor das japanische Hightech-Konglomerat Softbank ist, das mit mehreren Finanzinvestoren mit insgesamt neun Milliarden Dollar bei Uber eingestiegen ist.

Uber ist dabei im Kern nichts weiter als eine Smartphone-App, die Taxi-Dienste mit privaten Fahrern vermittelt. In Deutschland und in anderen europäischen Staaten hat sich das Unternehmen nach einem stürmischen Beginn weitgehend zurückgezogen, weil es viel Ärger mit Gerichten gab, für die die Uber-Dienste gegen die Regelwerke zur Personenbeförderung verstoßen. Softbank-Manager haben das „Öko-System“ als den eigentlichen Wert des Start-ups bezeichnet. Gemeint ist das Zusammenspiel von Software mit Daten von mehr als 50 Millionen Kunden, mit dem weltweit gesammelten Know-how und mit Zukunftsprojekten. Es wird an selbstfahrenden Robotertaxis und autonomen Elektrohubschraubern geforscht.

Ganz ähnlich – aber in einer viel kleineren Dimension – hat sich Lyft positioniert. Großinvestor ist hier der US-Autobauer Nummer eins: General Motors. Aber auch Lyft wird auf bis zu 30 Milliarden Dollar taxiert.

Beiden Start-up-Firmen ist gemeinsam, dass sie durch Investmentbanken großgemacht wurden. Die haben sie mit reichlich Kapital versorgt, um eine aggressive Expansion zu ermöglichen. Das wiederum hat weitere Investoren angelockt. So etwas funktioniert aber nur, wenn es eine glaubwürdige Investmentstory gibt.

Bei Lyft und Uber geht sie in etwa so: Vernetzung und Digitalisierung werden das Mobilitätsverhalten der Menschen massiv verändern und neue gigantische Dienstleister hervorbringen, so wie das Internet Google und Amazon hervorgebracht hat. Hinzu kommen kann eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung: Sollte Uber beim Börsengang über 100 Milliarden Dollar einsammeln, wäre das Unternehmen so finanzstark, dass es tatsächlich in der Personenbeförderung einiges bewegen kann.

Wann die Börsengänge über die Bühne gehen, ist bislang unklar. Lyft strebt einen Termin im Frühjahr an. Uber-Chef Dara Khosrowshahi will wohl auch schon in der ersten Jahreshälfte das initiale öffentliche Angebot (IPO) platzieren. Ein Wettlauf könnte sich entwickeln. Denn wer zuerst kommt, wird bestimmen, wie die Investoren beim Nachzügler zugreifen.

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