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Für die demokratische Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez hat Twitter eine „ethische Entscheidung“ getroffen. Sie sieht Netzwerke in der Pflicht, grundlegende Fakten zu prüfen.

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Keine politische Werbung bei Twitter - Lob von AOC, Kritik von Trump

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Donald Trumps Lieblingsmedium verzichtet künftig auf bezahlte politische Werbung. Der Chef des Netzwerks kritisiert den Konkurrenten Facebook.

Twitter verbannt politische Werbung weltweit aus dem Nachrichtenstrom: Bezahlte Tweets von Kandidaten oder Parteien soll es ab dem 22. November in dem 280-Zeichen-Netzwerk nicht mehr geben. „Wir glauben, dass die Reichweite für politische Botschaften verdient werden muss, nicht gekauft“, begründet Twitter-Gründer Jack Dorsey den Schritt, den er ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl in den USA bekannt gibt.

Verdient sei Reichweite dann, wenn Menschen sich bewusst dafür entscheiden, einem Account zu folgen oder dessen Inhalte zu retweeten, führt Dorsey in einem viel geteilten Beitragsstrang auf Twitter weiter aus:. „Wir glauben, dass diese Entscheidung nicht durch Geld kompromittiert werden sollte“. Genau das sei aber der Fall, wenn politische Botschaften den Twitter-Nutzerinnen und -Nutzern ungefragt als gesponserte Tweets in ihre Timeline gespült würden.

Twitter und das Sponsoring - gibt der Nachrichtendienst dieses Geschäft auf?

Nicht nur gesponserte Tweets gehören zum Twitter-Portfolio: Bei Trends, also aktuell vermeintlich weit verbreiteten Schlagworten, kann es sich ebenfalls um bezahlte Werbung handeln, und auch gesponserte Accounts gehören zum Geschäftsmodell. Ob Twitter künftig auch diese Geschäftssegmente aufgibt, blieb am Donnerstag unklar.

An der Börse, wo Twitter seit 2013 notiert wird, kam der Verzicht auf Werbeeinnahmen nicht so gut an, die Aktie gab - allerdings nicht gravierend - nach. Lange Zeit fiel es der Plattform schwer, überhaupt Geld zu verdienen. Nach elf verlustreichen Jahren seit der Gründung, fünf davon als börsennotiertes Unternehmen, gelangte der Kurznachrichtendienst Ende 2017 erstmals in die Gewinnzone. Im dritten Quartal 2019 machte Twitter einen Gewinn von 36,5 Millionen US-Dollar – doch die Anleger hatten mehr erwartet, die Aktie fiel um mehr als 18 Prozent.

Twitter: In den USA Kanal für politischen Wahlkampf

In den USA, wo Twitter als Distributionskanal nicht nur im politischen Wahlkampf eine weit höhere Bedeutung hat als in Deutschland, löste die Entscheidung unterschiedliche Reaktionen aus. Während die Demokraten den Schritt begrüßten, wittern die Republikaner Benachteiligung. Das Wahlkampfteam von Twitter-Intensivnutzer Donald Trump kritisierte den Schritt als Versuch, konservative Stimmen zu unterdrücken.

Die demokratische Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez sieht Unternehmen grundsätzlich in der Pflicht, bei kommerzieller politischer Werbung grundlegende Fakten zu prüfen. Das sei nicht so schwer, wie manche glaubten: „Wir sprechen von völliger Desinformation: falsche Abstimmungsergebnisse und so weiter“, twitterte die New Yorker Abgeordnete.

Twitter: Donald Trump schaltet Kampagnen gegen Joe Biden

Eine auf Biden zielende Anzeige aus dem Trump-Lager mit irreführenden Angaben über den Demokraten hatte die Diskussion über politische Werbung kürzlich angeheizt. Medien gingen unterschiedlich damit um: CNN entschied sich, die Anzeige nicht zu senden, Facebook hingegen hatte keine Skrupel.

Nach einem Bericht des Technikportals „The Verge“ bat Bidens Kampagnenteam Twitter, Facebook und Youtube darum, irreführende politische Werbung von ihren Plattformen zu verbannen. Alle drei Netzwerke hätten das Ansinnen – das ihnen die Entscheidung überlassen hätte, über Lüge und Wahrheit zu befinden – abgelehnt. Nun zieht allein Twitter die Reißleine und umgeht dabei das Dilemma komplett.

Twitters Entscheidung lässt Facebook schlecht aussehen

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg lässt die Entscheidung schlecht aussehen. Ohnehin in der Kritik, weil er vor wenigen Wochen ankündigte, dass Facebook politische Anzeigen nicht auf Fakten überprüfe, muss Zuckerberg zusehen, wie Konkurrent Dorsey Facebook nun indirekt und doch ziemlich offensichtlich kritisiert: Ein Unternehmen würde sich unglaubwürdig machen, wenn es einerseits sagen würde, es unternehme alles, um die Verbreitung irreführender Informationen einzudämmen – sie aber zugleich gegen Bezahlung verbreiten ließe.

„Es bleibt abzuwarten, wie die Entscheidung in der Praxis aussieht“, kommentiert die Faktencheckerin Karolin Schwarz die Ankündigung von Twitter. Das hänge vor allem davon ab, wie eng oder weit der Begriff „politische Werbung“ definiert werde, so die Journalistin und Gründerin von Hoaxmap.org gegenüber der FR. „Offensichtlich soll es über über politische Parteien und Parteipolitiker hinausgehen, das wäre schon ein erster wichtiger Schritt“.

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