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Tunertreffen auf der Hanauer Landtraße

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Von: Georg Leppert

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Halt, Polizei: Kontrollstelle im Frankfurter Osten.
Halt, Polizei: Kontrollstelle im Frankfurter Osten. © Christoph Boeckheler

Die Tuningszene beschäftigt die Polizei in Frankfurt. Jedes Wochenende treffen sich über 100 Autobegeisterte auf der Hanauer Landtraße. Illegale Rennen gibt es dort laut eigener Aussage keine.

Der Motor heult auf. Zweimal, dreimal, viermal. Aus dem extrabreiten Auspuff steigt Qualm auf. Ein letztes Mal tritt der Fahrer im Leerlauf das Gaspedal durch, der Motor erreicht 8000 Umdrehungen pro Minute. Dann legt der junge Mann den ersten Gang ein, lässt die Kupplung hochschnellen und fährt mit quietschendem Reifen vom Parkplatz. Zurück bleibt der Gestank von verbranntem Gummi.

Szenen wie diese beschäftigen die Frankfurter Polizei nahezu jedes Wochenende. Vor allem freitags treffen sich Fans von getunten Autos an der Hanauer Landstraße im Osten der Stadt. Auf dem Gelände einer Tankstelle präsentieren sie ihre Autos. Spoiler, besonders breite Reifen, kleine Lenkräder, verchromte Auspuffrohre – das ganze Repertoire des Tunings ist bei den Zusammenkünften zu sehen. Vorigen Freitag kamen 150 (vorwiegend junge, vorwiegend männliche) Autofahrer mit 100 Wagen und 40 Motorrädern zur Tankstelle.

Doch seit einiger Zeit mischen Spielverderber bei der ziemlich lauten Party mit. Jeden Freitag fahren Einsatzwagen der Polizei vor dem Gelände Streife. Regelmäßig lassen sich die Beamten zudem die Autopapiere zeigen. Denn für technische Veränderungen an Fahrzeugen braucht es zumindest eine Betriebserlaubnis, einzelne getunte Teile müssen sogar im Fahrzeugschein eingetragen sein. „Wenn da etwas nicht vollständig ist, gibt es ziemliche Probleme“, sagt Alexander Kießling, Sprecher der Frankfurter Polizei. Im Extremfall könnten die Beamten sogar Fahrzeuge beschlagnahmen.

Wer sieht, wie viele der Fahrer ihre Autos mit Vollgas vom Gelände steuern, könnte meinen, die Tuningszene veranstalte auch illegale Autorennen. Doch dem ist nicht so, zumindest nicht in Frankfurt. Immer wieder misst die Polizei die Geschwindigkeit auf der Hanauer Landstraße. Der höchste Wert lag am Freitag bei 85 Kilometern pro Stunde. Das ist viel, immerhin gilt Tempo 50. Aber bei Autorennen würden ganz andere Geschwindigkeiten erreicht.

Auch in anderen Städten verwahren sich die Tuner gegen den Vorwurf, Autorennen auszurichten. Tatsächlich gibt es zwar am Karfreitag (in der Szene bekannt als „Carfreitag“) bisweilen personelle Überschneidungen zwischen Tuner- und Rennfahrermilieu. Organisierte Raserei betreiben aber die wenigsten der Autoschrauber. Und auch andere Straftaten kommen eher selten vor. Alkohol am Steuer etwa spiele gar keine Rolle, sagt Kießling: „Die trinken den ganzen Abend nur Energy Drinks mit Cola.“

Mannheim greift durch

So geht es der Polizei vor allem um die technischen Veränderungen – und um Lärm. Denn laut Straßenverkehrsordnung ist es verboten, unnötigen Krach zu erzeugen. Eine Vorschrift, gegen die jeden Freitag auf der Hanauer Landstraße verstoßen wird. Und nicht nur dort. So gibt es in der Frankfurter Innenstadt eine Runde, die über Alte Oper, Eschenheimer Tor und Hauptwache führt und bei Tunern beliebt ist. An Sommerabenden fahren sie die Strecke immer wieder, damit die Gäste in den Straßencafés die aufgemotzten Autos bewundern können. Zu früh schaltet auf der Strecke niemand einen Gang höher.

In Mannheim gehen Stadt und Polizei nun gegen solche Autofahrer vor. Wer auffällt, bekommt von der Verkehrsdirektion eine gelbe Karte mit der Aufschrift „Stop Posing“ zugeschickt. Außerdem zieht die Polizei bei Großkontrollen Autos und Motorräder aus dem Verkehr, deren Betriebserlaubnis durch die Umrüstungen erloschen ist. Die Kosten für das Abschleppen der Fahrzeuge, ein Gutachten über die technischen Veränderungen und den Rückbau belaufen sich zumeist auf mindestens 1000 Euro.

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