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Aufnahmen einer Überwachungskamera am Flughafen von Istanbul sollen Faruk Fatih Özer bei der Passkontrolle zeigen
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Aufnahmen einer Überwachungskamera am Flughafen von Istanbul sollen Thodex-Gründer Faruk Fatih Özer bei der Passkontrolle zeigen. Das Foto hat die Nachrichtenagentur Demirören in der Türkei veröffentlicht.

Thodex

Türkei: Mutmaßlicher Krypto-Betrug in Millionenhöhe – Gründer verschwindet

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Auf der türkischen Krypto-Börse Thodex wurden etwa zwei Milliarden US-Dollar investiert. Die Plattform ist geschlossen – und ihr Gründer und Geschäftsführer verschwunden.

Istanbul – In der Türkei haben Behörden ein Ermittlungsverfahren gegen den Gründer einer Börse für Kryptowährungen eingeleitet. Dem 27-jährigen Faruk Fatih Özer, der auch Geschäftsführer von Thodex ist, wird schwerer Betrug vorgeworfen. Es soll um mehrere Hundert Millionen Dollar gehen. Mittlerweile wurden 62 Personen festgenommen. Özer selbst ist geflohen.

Thodex: Gründer und Chef von Krypto-Börse hat die Türkei verlassen

Nach Transaktionsproblemen Anfang der Woche wurden zunächst sechs Stunden lange Wartungsarbeiten auf der Plattform Thodex angekündigt. Am Mittwoch (21.04.2021) gab Özer bekannt, die digitale Infrastruktur der Seite modernisieren und international Parternerschaften schließen zu wollen. Dafür müsse die Seite für „vier bis fünf Arbeitstage“ schließen und ins Ausland reisen, hieß es laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auf der Webseite. Nutzer:innen müssten sich um ihre Anlagen keine Sorgen machen. Am letzten Handelstag wurden laut Reuters 538 Millionen Dollar auf der Plattform umgesetzt. Am Tag darauf verschwand der Geschäftsführer. Die Plattform lässt sich nicht mehr aufrufen – vielleicht nie wieder.

Auf Thodex hatten rund 400.000 Nutzer:innen umgerechnet etwa zwei Milliarden US-Dollar investiert. Auf ihr digitales Vermögen können die fast 390.000 aktiven Nutzer:innen nun nicht mehr zugreifen, teilte Oğuz Evren Kılıç mit, der zusammen mit weiteren Anwälten rechtliche Schritte gegen Özer eingeleitet hat. Sie verlangen die Beschlagnahme aller Vermögenswerte von Thodex, darunter Fahrzeuge, Bankkonten, Beteiligungen und Aktien. Türkische Nachrichtenagenturen sprechen von tausenden Anzeigen. Bei einigen der möglicherweise geprellten Anleger:innen herrsche „Panik“, teilte Kılıç mit.

Türkei: Dutzende Festnahmen im Zusammenhang mit Krypto-Börse Thodex

In acht Städten in der Türkei hat die Polizei 62 Personen mit Verbindungen zu Thodex festgenommen, berichten die Nachrichtenseite Habertürk sowie Anadolu am Freitagmorgen (23.04.2021). Weitere 16 würden sich noch auf freiem Fuß befinden. Die türkische Finanzaufsichtsbehörde soll alle Konten des Unternehmens gesperrt haben.

Bedirhan Oguz Basibuyuk, Anwalt der Börsen-Plattform, gab an, dass das Unternehmen nicht mehr in der Lage gewesen sei, finanzielle Forderungen von Investor:innen zu erfüllen und beschrieb die Lage als „Liquiditätsproblem“. Über den Aufenthaltsort des Gründers wisse er nichts. Auf Anrufe reagiere Özer ebenfalls nicht. Er wolle jedoch erst zurückkehren, wenn er alle seine Schulden zurückgezahlt hat. Auf die Frage der Nachrichtenagentur Bloomberg, wieso sich Özer ins Ausland begeben habe, antwortete Basibuyuk, dass er „entweder verhaftet worden wäre oder Selbstmord begangen“ hätte, wenn er in der Türkei geblieben wäre.

Auch Özer selbst hat sich mittlerweile gemeldet: „Von heute an sage ich, mein einziges Ziel ist, euch meine Schulden zurückzuzahlen“, heißt es auf der stillgelegten Webseite. „An dem Tag, an dem ich alle meine Schulden zurückzahle, kehre ich in mein Land zurück und stelle mich der Justiz.“ Er behauptet, dass rund 30.000 Anleger:innen in die Börse investiert hätten. Die finanziellen Probleme begründet er mit einer Cyber-Attacke 2018, bei der ein Schaden von rund 25 Millionen Lira (etwa 3 Millionen US-Dollar) entstanden sei.

Börse für Kryptowährungen in der Türkei: Thodex-Gründer Özer geflohen

Özer soll die Türkei über den Flughafen in Istanbul verlassen haben. Die Nachrichtenagentur „Demirören“ hat ein vermeintliches Foto des Thodex-Gründers bei der Passkontrolle veröffentlicht. Man vermute, dass er sich in Albanien aufhält. Örtliche Medien sprechen allerdings von einer Flucht in die USA oder nach Thailand.

Im Boom um Kryptowährungen hat Thodex in der Türkei hunderttausende Nutzer:innen angezogen, die ihre Ersparnisse vor Auswirkungen der Inflation bewahren möchten. Auch im Ausland wurde Thodex genutzt. Die Türkei hat die Nutzung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel allerdings zum 30. April verboten. Das gab die Regierung in Ankara in ihrem Amtsblatt bekannt. Die Entscheidung wird mit „irreparablen“ Schäden und „signifikanten Risiken“ begründet. Darunter fällt auch Bitcoin, die bekannteste aller Krypowährungen. (Lukas Rogalla)

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