Wirtschaftskrise

Türkei: Lira in freiem Fall – Ruiniert Recep Tayyip Erdogan sein Land?

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
    schließen

Experten sagen zwar, dass die Wirtschaft der Türkei besser dastünde als befürchtet. Doch all das geht auf Kosten der Lira. Was hat Recep Tayyip Erdogan vor?

  • Die Türkei befindet sich nach wie vor in einer schweren Wirtschaftskrise.
  • Präsident Recep Tayyip Erdogan pocht auf niedrige Zinsen.
  • Das trifft die türkische Lira fatal.

Ankara – Es ist ein Prozess, der bereits im Jahr 2016 seinen Anfang fand – und immer noch bleibt die Türkische Lira in der Abstiegsspirale gefangen. Einen Euro bekam man damals für drei Lira. Mittlerweile hat der Kurs die Schwelle von acht Lira überschritten – die Währung ist also massiv abgewertet worden. Vor allem für die türkischen Konsument*innen und Steuerzahler*innen ist das fatal. Wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Es gibt mehrere Gründe für den Verfall der türkischen Währung. Der wohl gewichtigste ist, dass die Türkei eine Währungspolitik fährt, die im krassen Gegensatz zu der herrschenden Meinung der Volkswirtschaftslehre steht. So senkt die Türkische Notenbank kontinuierlich den Leitzins, obwohl nach den Regeln der Ökonomie genau das Gegenteil erforderlich wäre.

Türkei: Lira am Boden - Leitzins wird immer weiter gesenkt

Mittlerweile liegt der Zins nämlich bei 8,25 Prozent. Dadurch soll Geld rasch an Unternehmen und Privatleute verteilt werden. Bevorzugt in Gestalt von Krediten, damit der Konsum aufrechterhalten wird. Laut „Handelsblatt“ hat die Zentralbank seit Jahresbeginn Scheine im Wert von 94 Milliarden Lira drucken lassen.

Die Türkische Lira befindet sich in einem freien Fall. Wie reagiert Recep Tayip Erdogan?

Da eine höhere Geldmenge auf dem Markt im Umlauf ist, verliert die türkische Lira nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage massiv an Wert. Deshalb steigt die Inflation in der Türkei beständig an. Hinzu kommt, dass die Türkei auch von der Corona-Krise hart getroffen ist.

Türkei in der Währungskrise: Zu hohe Geldmenge – Lira verliert an Wert

Wegen Reisewarnungen kam es nämlich zu einem deutlichen Einbruch an Reisen von Tourist*innen und Urlauber*innen. Um die Inflation zu bekämpfen, müssten also die Zinsen erhöht werden. Denn dadurch wäre es teurer, sich Geld bei Banken zu leihen. Die Geldmenge würde abnehmen. Dadurch stiege der Wert der Türkischen Lira wieder an.

WährungTürkische Lira
Wechselkurs (20. August 2020)1 Euro = 8,7129 TRY
AbkürzungTL ₺
ISO-4217-Code: TRY
Unterteilung100 Kuruş
LandTürkei, Nordzypern
QuelleGoogle Knowledge Graph

Das große Problem: Präsident Recep Tayyip Erdogan denkt allerdings, dass höhere Leitzinsen die Inflation nicht bekämpfen, sondern fördern würden. Experten halten von dieser Meinung nicht viel. „Die Türkei ist der führende Kandidat des Marktes für eine Währungskrise“, sagt Cameron Brandt von der Finanzmarktanalysefirma EPFR.

Währungskrise in der Türkei: Lira-Kurs könnte steigen – Erdogan müsste die Zinsen erhöhen

Laut der Ratingagentur Moody‘s könnte all das gelöst werden. „Die Ratingaussichten könnten sich stabilisieren, wenn die Fiskal- und Geldpolitik kohärenter wird und entschlossene Wirtschaftsreformen durchgeführt werden, die die strukturellen Ungleichgewichte der Wirtschaft beseitigen und gleichzeitig ihre inhärenten Stärken nutzen“, schreibt die Agentur. Doch davon möchte Erdogan nichts wissen.

Immerhin: Die türkische Wirtschaft ist nicht so stark eingebrochen wie befürchtet. So nahm das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2020 nach Angaben des türkischen Statistik-Amtes (Türkstat) um 9,9 Prozent ab. Experten hatten mit einem Minus von fast 12 Prozent gerechnet. Davon abgesehen ist Erdogan aktuell auf der Suche nach Gas im Mittelmeer und könnte damit von der Wirtschaftskrise ablenken. Allerdings ist dadurch ein Konflikt mit Griechenland entstanden. (Von Moritz Serif)

Recep Tayyip ErdoganPräsident der Türkei
Geboren26. Februar 1954 (Alter 66 Jahre), Kasımpaşa, Türkei
Größe1,85 Meter
EhepartnerinEmine Erdogan
Amtszeit als Präsident 28. August 2014 - jetzt
QuelleGoogle Knowledge Graph

Rubriklistenbild: © Yasin Akgul/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare