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Türkei: Inflation wohl doppelt so hoch wie erwartet - Erdogan feuert Statistik-Chef

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Von: Daniel Dillmann

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Recep Tayyip Erdogan kämpft in der Türkei mit einer Wirtschaftskrise und einer steigenden Inflation.
Recep Tayyip Erdogan kämpft in der Türkei mit einer Wirtschaftskrise und einer steigenden Inflation. © Adem Altan/afp

Die Türkei steckt inmitten einer schweren wirtschaftlichen Krise. Vor allem die hohe Inflation macht dem Land zu schaffen. Präsident Erdogan reagiert mit Personalrochaden.

Ankara - Die Zentralbank der Türkei hat ihre Prognose für die Inflationsrate in diesem Jahr nahezu verdoppelt. Verbraucherpreise würden demnach um 23,2 Prozent steigen. Das teilten die Währungshüter mit Sitz in Ankara laut der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag mit. Bislang waren sie von 11,8 Prozent ausgegangen. Angestrebt werden eine Teuerungsrate von fünf Prozent. Dieses Ziel wird laut der Prognose 2024 deutlich verfehlt werden.

Die Inflation in der Türkei lag in den vergangenen fünf Jahren meist im zweistelligen Bereich und zehrte an den Einkommen und Ersparnissen der Leute. Präsident Recep Tayyip Erdogan sah sich nun zum Handeln gezwungen. Erdogan entließ Sait Erdal Dincer, den bisherigen Leiter der nationalen Statistikbehörde TUIK. Er hatte dem Präsidenten regelmäßig die miserablen wirtschaftlichen Kennzahlen überbracht. Ein anderer Grund, warum Erdogan ihn feuerte und durch den bisherigen Vize-Chef der türkischen Bankaufsicht, Erhan Cetinkay, ersetzte, ist nicht bekannt.

Türkei steckt tief in einer Wirtschaftskrise - was macht Recep Tayyip Erdogan?

Die Lage in der Türkei ist aufgrund der hohen Inflation bereits seit Wochen angespannt. Die Lira hat im vergangenen Jahr etwa die Hälfte ihres Wertes zum Dollar eingebüßt, was wiederum die Inflation befeuert. Denn das rohstoffarme Land muss importiert mehr Waren als es exportiert. Die Einfuhren werden oftmals in Dollar und anderen Devisen abgerechnet.

Experten geben der Notenbank eine Mitschuld an der Entwicklung. Sie hat trotz der drastischen Abwertung der Landeswährung Lira ihren Leitzins in der zweiten Jahreshälfte 2021 schrittweise von 19,0 auf 14,0 Prozent gesenkt. Die Abwertung der Lira habe „nichts mit den Zinssenkungen zu tun“ und wäre unabhängig davon eingetreten, verteidigte Notenbankchef Sahap Kavcioglu das umstrittene Vorgehen. „Wir haben uns um den Wechselkurs gekümmert, und so Gott will, werden wir mit dieser Politik auch die Inflation in den Griff bekommen.“

Türkei: Erdogan will Inflation mit Wirtschaftsprogramm bekämpfen

Präsident Recep Tayyip Erdogan vertritt seit langem die unübliche Ansicht, dass die Zinsen die Inflation verursachen. Er hat im vergangenen Jahr ein neues Wirtschaftsprogramm aufgelegt, das niedrigen Zinsen, Exporten, Krediten und Investitionen Vorrang einräumt.

Der Präsident verkündete außerdem, er werde eine weitere zentrale Rolle in seiner neuen Regierung personell neu besetzen. Abdulhamit Gül werde in der Regierung Erdogan nicht mehr als Justizminister tätig sein. Diese Aufgabe wird ab sofort Bekir Bozdag übernehmen. Bozdag gehört wie Erdogan der Partei AKP an und führte bereits von 2013 bis 2015 und von 2015 bis 2017 das Justizministerium. (dil(rtr)

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