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Türkei: Inflation liegt laut unabhängigen Fachleuten bei 160 Prozent

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Von: Moritz Serif

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Die Inflation in der Türkei hat erneut zugenommen (Symbolbild).
Die Inflation in der Türkei hat erneut zugenommen. (Symbolfoto) © Tolga Ildun/ ZUMA Wire / dpa

Die Türkei bekommt die Inflation nicht in den Griff. Auch im Mai nimmt die Teuerungsrate deutlich zu. Erdogans Rückhalt bröckelt.

Ankara – Knapp neun Euro für eine Flasche Speiseöl, für Raki-Schnaps sind es fast 20 Euro. Nach offiziellen Angaben soll die Inflation in der Türkei bei 73,5 Prozent liegen. Das käme einer Verdopplung um fast 50 Prozent gleich – in einem Jahr. Unabhängige Wirtschaftsexpert:innen gehen hingegen von 160 Prozent aus und zeichnen damit ein deutlich düsteres Bild.

Die Folgen des Ukraine-Kriegs und der Corona-Pandemie wirken sich auf die Teuerungsrate aus. Wer einen Euro in die türkische Währung umtauschen möchte, bekommt nach Angaben der Tagesschau aktuell mehr als 17 Lira zurück. Das hat Folgen für die Energie- und Spritpreise aus, die ebenfalls um 30 Prozent zunahmen. Laut der Zeit haben sich die Preise im Transportsektor sogar um 108 Prozent verdoppelt.

Inflation in der Türkei: Notenbank mitschuldig?

Ökonom:innen haben dafür bereits einen Schuldigen ausgemacht: die türkische Notenbank. Sie halte sich an Präsident Recep Tayyip Erdogans Niedrigzins-Kurs. Doch mittlerweile wirken sich die ansteigenden Preise auch auf den Rückhalt Erdogans aus. In einer aktuellen Umfrage liegt die AKP bei unter 30 Prozent. Viele Bürger:innen bekommen nur den Mindestlohn, der gerade einmal 250 Euro im Monat beträgt. Wer ein solch geringes Einkommen hat, hat es immer schwieriger, das tägliche Leben zu meistern.

Die Gewerkschaft „Birlik Kamu Is“ hatte die Zinspolitik der Türkei bereits im April kritisiert. „Dadurch steigt die Gefahr des Hungerns,“ schrieb die Gewerkschaft. Auch bestehe wegen der gigantischen Preissteigerungen das Risiko, dass sich Bürger:innen ungesund ernähren. Präsident Erdogan hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach das Spitzenpersonal der Notenbank ausgetauscht.

Inflation auch in Deutschland ein Thema

Allerdings hat Erdogan das Problem der Inflation nicht exklusiv. Auch in Deutschland nimmt die Teuerungsrate immer weiter zu. Mit knapp 7,9 Prozent ist sie allerdings noch weit von den Werten aus der Türkei entfernt.

Der Mindestlohn steigt in Deutschland auf zwölf Euro. Das hat der Bundestag beschlossen. Die Unionsabgeordneten und die AfD enthielten sich. (mse)

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