FR-Telefonaktion

Die Tücken des Testaments

Erbrechts-Experten erklären unseren Leserinnen und Lesern, was bei der Regelung des Nachlasses zu beachten ist und wie Steuern gespart werden können.

Den eigenen Nachlass zu planen ist nicht immer leicht. Für viele scheint es eine Kunst, richtig zu vererben. Schließlich befassen sich nicht umsonst mehr als 450 Paragraphen im Bürgerlichen Gesetzbuch mit dem Erbrecht. Bei unserer Telefonaktion zum Thema „Richtigvererben und verschenken“ meldeten sich zahlreiche Leserinnen und Leser bei den Experten der Notarkammer Frankfurt. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir zusammengefasst.

Wie hoch ist der Pflichtteil für Kinder?

Die Eheleute setzen sich beide in einem Testament als Alleinerben ein. Wenn etwa der Vater zuerst verstirbt, bekommt die Tochter ein Viertel seines Nachlasses. Stirbt dann die Mutter, bekommt die Tochter die Hälfte des Nachlasses der Mutter als Pflichtteil.

Wie hoch sind die Kosten für das Aufsetzen eines Testaments beim Notar?

Die Notarkosten für ein Testament richten sich nach dem Vermögenswert und werden mittels einer Kostentabelle ermittelt. Jeder Notar gibt gerne im Vorhinein Auskunft über die anfallenden Kosten.

Was ist ein „Berliner Testament“? Wo liegen die Besonderheiten gegenüber der gesetzlichen Erbfolge?

In diesem Testament treffen die Eheleute eine gemeinschaftliche Verfügung, in der sie sich gegenseitig zu alleinigen Erben des jeweils anderen Ehegatten einsetzen. Die Kinder werden zu Schlusserben nach dem Tod des Längstlebenden bestimmt. Damit wird erreicht, dass das gemeinsame Vermögen der Eheleute weitgehend zusammenbleibt. Beim Ableben eines Ehegatten fällt es dem Längstlebenden dann alleine zu, ohne dass die Kinder bereits miterben. Den Kindern kann dadurch jedoch nicht der gesetzliche Pflichtteilsanspruch nach dem Tod des erstversterbenden Elternteils entzogen werden – sie können durch die sogenannte Pflichtteilsstrafklausel im gemeinschaftlichen Testament „abgeschreckt“ werden, ihren Pflichtteil zu verlangen. Nach dieser Klausel erhalten sie dann nämlich auch nach dem Tode des zuletzt versterbenden Elternteils nur ihren Pflichtteil und nicht den höheren Erbteil.

Mein Mann und ich haben zusammen ein gemeinschaftliches Testament errichtet („Berliner Testament“) und wollen es nun ändern. Ist dies möglich?

Zu Lebzeiten beider Ehegatten können diese zusammen das Testament jederzeit ändern, ergänzen oder aufheben. Wenn nur einer das Testament zu Lebzeiten ändern will, ist es nicht so einfach. Dann muss derjenige den Widerruf notariell beurkunden lassen, selbst wenn das Testament nur handschriftlich verfasst wurde. Nach dem Tod des ersten Ehegatten ist eine Änderung des Testaments in der Regel nur möglich, wenn sie im Testament vorbehalten ist.

Was geschieht, wenn man das Erbe „an den Enkeln“ vorbei steuern möchte?

Ist der Enkel ein „Tunichtgut“, kann man mit einem Testament dafür sorgen, dass der größte Teil des Erbes am Enkel vorbei geht. Konkret müsste hier die Tochter, also die Mutter des Enkelkindes, als Schlusserbin nur als Vorerbin eingesetzt werden. Nach ihrem Tode kann das Vermögen dann einer gemeinnützigen Organisation oder etwa einem Verein zugewandt werden. Dieser wird dann der sogenannte Nacherbe.

Welche Möglichkeiten gibt es, Erbschaftssteuer zu sparen, wenn ich eine teure Immobilie vererbe?

Wenn beide Ehepartner je zur Hälfte Miteigentümer einer Immobilie sind, kann Folgendes sinnvoll sein: Die Kinder machen, wenn die Mutter zuerst verstirbt, nach ihrem Tode den Pflichtteil gegenüber dem Vater geltend, sind aber damit einverstanden, dass der Pflichtteil erst ausgezahlt wird, wenn der Vater wiederum verstirbt. So „zwingt“ man den Vater nicht, die Immobilie direkt zu verkaufen, um den Pflichtteil auszahlen zu können. Dann behalten die Kinder in beiden Erbfällen die Steuerfreibeträge von je 400 000 Euro.

Aber Vorsicht: Das funktioniert dann nicht, wenn die Eltern ein Testament haben, nach dem das Kind, das nach dem Tod des Erstversterbenden den Pflichtteil geltend macht, automatisch auch nach dem Tod des länger Lebenden nur den Pflichtteil bekommt. Ein etwaiges Testament der Eltern muss genau geprüft werden.

Ich bin alleinstehend und habe ein großes Depotkonto und eine Wohnung. Wie kann ich denn erreichen, dass meine Tochter das Depot bekommt und mein Sohn die Wohnung, wenn ich sterbe?

Es ist nicht so einfach, einzelne Vermögenswerte zu vererben, denn grundsätzlich erbt man Anteile am gesamten Nachlass. Deswegen muss in diesem Fall zunächst die Erbeinsetzung der Kinder anteilig erfolgen. Anschließend wird eine Teilungsanordnung in das Testament aufgenommen, wonach die Vermögensgegenstände – also das Depot und die Wohnung – wie gewünscht aufgeteilt werden. Was ist aber, wenn es dem Elternteil darauf ankommt, dass die beiden Kinder finanziell gleichgestellt werden? Hier kann man noch regeln, dass derjenige, der mehr bekommen hat, einen Ausgleich an den anderen zahlt.

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