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Donald Trump mit Chinas Präsident Xi Jinping.

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Trumps Dealemma

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Der US-Präsident will den Handelskrieg mit China für seine Wiederwahl nutzen. Doch bei den Bürgern wächst der Frust. Eine Analyse.

Die Preise für viele Möbel, Toilettenpapier und selbst Hundeleinen in den USA dürften bald steigen. Experten befürchten zweistellige Milliardeneinbußen beim amerikanischen Wirtschaftswachstum. Peking kontert mit Gegenzöllen. Doch inmitten der dramatischen Eskalation des Handelskriegs gibt sich Donald Trump siegessicher. „Wir sind mit China genau dort, wo wir sein wollen“, behauptet der US-Präsident: „Es wird China sehr schaden wird, wenn es keinen Deal macht.“

Mit einem Stakkato von Twitter-Nachrichten versucht Trump seit dem Wochenende den Eindruck einer Niederlage bei den Handelsgesprächen mit Peking zu zerstreuen. Offenbar hat er sich nun entschieden, demonstrative Härte gegenüber China zum Markenzeichen im Kampf um die Wiederwahl zu machen. „Die Chinesen träumen davon, dass 2020 der schläfrige Joe Biden oder irgendein anderer (Demokrat) gewählt wird. Sie lieben es, Amerika abzuzocken.“

In den vergangenen Monaten klang das noch ganz anders. Da hatte der selbsternannte Dealmaker die chinesische Führung umgarnt und ganz auf eine Einigung im Handelsstreit gesetzt. Doch Fehlkalkulationen, wachsendes Misstrauen und unerfüllte Erwartungen auf beiden Seiten führten nach einer Rekonstruktion des „Wall Street Journal“ zum Scheitern der Verhandlungsrunde: Am Wochenende setzte Trump die Strafzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar von zehn auf 25 Prozent herauf und drohte eine Ausweitung auf alle Einfuhren aus dem Riesenreich an. Im Gegenzug verhängte China am Montag 25-prozentige Strafzölle auf US-Einfuhren im Wert von 60 Milliarden Dollar zum 1. Juni.

Mit Möbeln, Autoteilen und bestimmten Lebensmitteln trifft Trumps Strafabgabe zahlreiche Produkte des privaten Bedarfs. Trotzdem behauptet der Präsident, die Amerikaner müssten sich keine Sorgen machen. Im Gegenteil: „Wir werden zweistellige Milliardensummen von China kassieren. Wir werden das Geld (…) dann an unsere patriotischen Farmer überweisen und die Lebensmittel an hungernde Menschen in der ganzen Welt verteilen. Großartig!“, twitterte er. Gleichzeitig arbeitet Trump daran, sein Image als harter Interessenwahrer der USA zu kultivieren. Da hätten Kompromisse bei einem Handelsabkommen möglicherweise geschadet. Nun versucht er den Spieß umzudrehen und unterstellt den Demokraten zu große Nachgiebigkeit.

Angesichts der verbreiteten Kritik an unfairen chinesischen Handelspraktiken in allen Lagern könnte die Strategie kurzfristig durchaus erfolgreich sein. Doch nicht nur die „New York Times“ verweist darauf, dass die Mehrkosten keineswegs von China getragen werden: „Trumps Zölle sind eine neue Steuer für die Amerikaner“. Satte 767 Dollar im Jahr könnten die neuen Strafabgaben eine vierköpfige Familie laut der Beratungsfirma Trade Partnership kosten.

Zugleich machen Chinas Gegenmaßnahmen den Farmern im Trump-freundlichen Mittleren Westen zu schaffen. Der Export von Sojabohnen nach China ist 2018 bereits auf ein 16-Jahres-Tief gefallen. Noch scheinen viele Bauern hin- und hergerissen zwischen ihrem Vertrauen in Trump und den schmerzlichen Erfahrungen am eigenen Leib. Doch die Zeit drängt. „Wenn wir mitten im Präsidentschaftswahlkampf Ärger im Sojabohnengebiet haben, wird das ein echtes Problem für Trump“, so ein Ex-Regierungsmitarbeiter.

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